Visionäre Führung

In Zeiten von Homeoffice und hybridem Arbeiten wird es schwieriger, die gemeinsame Unternehmensvision zu transportieren und aufrechtzuerhalten. Unternehmensberaterin Stefanie Brings erläutert, wie es dennoch gelingen kann.
Illustration: Josephine Warfelmann
Illustration: Josephine Warfelmann
Stefanie Brings Redaktion

Ein Unternehmen zu führen, ist heute schwieriger denn je. Umsatz- und Gewinnorientierung reichen längst nicht mehr aus, um den Anforderungen der neuen Arbeitswelt gerecht zu werden. Alle sollen glücklich sein, auch die Mitarbeiter:innen und Kund:innen, damit sich der gewünschte Erfolg einstellt. Doch das ist für viele Führungskräfte ein scheinbar unerreichbares Ziel. Die Frage lautet daher: Was macht eine erfolgreiche Unternehmensführung aus? Anbei 5 Tipps, wie erfolgreiche und moderne Unternehmensführung von heute funktioniert und wie sie sich auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken kann.

Tipp 1: Führung von heute – eine neue Chance

Viele Menschen haben ihre Einstellung zum Job geändert. Sie gehen nicht mehr ausschließlich zur Arbeit, um Geld zu verdienen, sie möchten vielmehr einen Sinn in ihrer Tätigkeit finden, der sie dauerhaft motiviert. Sie wollen Ziele haben, für die es sich lohnt, einem Job langfristig nachzugehen. Wer motiviert ist und Freude an der Tätigkeit hat, bringt automatisch mehr eigene Fähigkeiten mit ein und wird dadurch leistungsfähiger. Freude an der Arbeit wird somit zu einem neuen Wert für das Unternehmen. Dieser Wert setzt ein höheres Leistungspotenzial frei - nicht nur bei Mitarbeiter:innen. Menschen, die ein Unternehmen führen, möchten mit ihrer Unternehmensvision Vorreiter sein und dazu beitragen, dass die Welt zu einem besseren Ort wird. Auch hier spielt die Freude eine wichtige Rolle. Überschneiden sich die Werte von Unternehmensführung und Mitarbeiter:innen, wie beispielsweise Freude, Nachhaltigkeit oder soziale Fairness, setzt dieser Umstand ein hohes Erfolgspotenzial frei.

Tipp 2: Führung im Fokus

Motivation und Selbstbewusstsein sind Bestandteile des Erfolgsmindsets und bringen Führungskräfte dazu, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Davon werden auch Mitarbeiter:innen und Kund:innen profitieren. Somit wird das Erreichen von Umsatz- und Wachstumszielen leichter. Das richtige Mindset lässt einen Führungsstil zu, der von natürlicher Autorität geprägt ist. Führung bedeutet heute, »zum Wohle aller« zu agieren. Konstant und über einen langen Zeitraum hinaus Unternehmensziele zu setzen und diese zu erreichen, erfordert innere Stabilität. Eine Vision und der Fokus des Unternehmens helfen dabei. Ziehen alle Beteiligten an einem Strang, rückt der Erfolg in greifbare Nähe.

Tipp 3: Visionäre Unternehmensführung

Eine Unternehmensvision beinhaltet nicht nur ein paar ausschweifende Gedanken an die Zukunft. Sie ist viel mehr als das. Sie lässt alle Beteiligten über sich hinauswachsen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Sie motiviert und inspiriert die Chefetage und jede einzelne Mitarbeiter:in. Diese Vision zu erschaffen, ist Aufgabe von Führungskräften. Damit wird eine wichtige Grundbasis gelegt, die die Richtung des Unternehmens wie ein Kompass vorgibt. Ohne Vision und ohne klaren Sinn können sich Leere und Sinnlosigkeit in ein Unternehmen einschleichen, die bewirken, dass die Leistungsfähigkeit und Effizienz jedes Einzelnen abfallen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bedeutet eine gemeinsame Unternehmensvision mehr als je zuvor. Die Position aller Unternehmensmitglieder wird wichtiger und stärker. Mitarbeiter:innen können in den Umsetzungsprozess mit eingebunden werden, somit nimmt nicht nur die Identifikation mit der Vision zu, sondern auch die Leistungsbereitschaft. Eigene Fähigkeiten, Talente und Potenziale können das Erreichen der gemeinsamen Vision voranbringen.

Tipp 4: Homeoffice und hybrides Arbeiten

Die Unternehmensvision ist im Optimalfall Teil jedes Einzelnen im Unternehmen geworden – doch dann scheint das Homeoffice diese Vision zu schwächen. Teams werden auseinandergerissen – viele Menschen arbeiten zu Hause. Was wird aus der einstmals gemeinsamen Vision? Jede Veränderung bedeutet eine Herausforderung und anfangs stehen die Nachteile im Vordergrund. Doch die Vision ist immer da, auch wenn Menschen an verschiedenen Orten arbeiten. Es ist nicht der Ort, der den Unterschied ausmacht, sondern die innere Einstellung dazu. Hybrides Arbeiten ist ein beliebtes Arbeitsmodell für viele Menschen. Die Kombination aus Homeoffice und Büro bringt für alle Beteiligten große Vorteile. Die wohl größte Herausforderung für Führungskräfte ist das Vertrauen zu den Mitarbeiter:innen. Diese können nicht mehr während der gesamten Arbeitszeit kontrolliert werden, aber ist das tatsächlich notwendig? Zeigt sich nicht gerade durch Homeoffice, welche Mitarbeiter:innen ein ehrliches Interesse an ihrem Job haben? Hybride Arbeitsteams zu führen, bedeutet die Balance zwischen Einfluss und Unterstützung zu finden. Das erfordert einen der wichtigsten Softskills: die Emphatik. Hybrides Arbeiten ist flexibler und lässt sich an die individuellen Bedürfnisse von Führungskräften und Mitarbeiter:innen anpassen. Das steigert die Zufriedenheit und damit auch die Effizienz.

Tipp 5: Die Vorteile von Transformationsprozessen im Unternehmen

Der Wandel der Gesellschaft hält im Arbeitsleben Einzug. Schritt für Schritt »kämpfen« sich Menschen durch schwierige und energieraubende Transformationsprozesse. Doch gleichzeitig liegt genau hier die größte Chance. Wer sich verändernden Prozessen ausgeliefert fühlt, sieht ausschließlich die negativen Seiten. Doch Transformation kann auch strategisch umgesetzt werden. In diesem Fall wird der Feind zum Freund. Wer die Veränderung nicht scheut, hat die Möglichkeiten, die Chancen der Zukunft für sich zu nutzen, anstatt ihnen hinterherzulaufen.


Stefanie Brings
ist Managementberaterin sowie Mentaltrainerin und unterstützt Führungskräfte und Manager:innen dabei, eine Unternehmensvision zu entwickeln und in den unternehmerischen Alltag einzugliedern.
www.visionaeres-management.com

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