Energie-Trends

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Illustration: Patrick Suessle
Illustration: Patrick Suessle
Mirko Heinemann Redaktion

Sofortprogramm Klimaschutz

Die Bundesregierung hat festgelegt, welche Klimaschutz-relevanten Projekte in welcher Höhe finanziert werden. Die Liste umfasst laut dem Magazin Spiegel ein Gesamtvolumen von etwas mehr als acht Milliarden Euro. Das Sofortprogramm soll bald vom Bundeskabinett und dann vom Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen werden. Mit 2,5 Milliarden Euro ist der größte Posten neben 25 weiteren Projekten die Förderung energiesparenden Bauens. Investitionen in die Effizienz von neuen Gebäuden und die Sanierung alter Gebäude sollen subventioniert werden. An zweiter Stelle der Förderpläne steht mit 650 Millionen Euro ein Programm zur Entwicklung klimaneutraler Produktionsprozesse, zum Beispiel der Stahl- oder Zementindustrie. Außerdem enthalten sind Maßnahmen vom Verkehr bis hin zur Landwirtschaft.

Verstärkter Klimaschutz bei Gebäuden angemahnt

Die neuen Klimaziele der Bundesregierung verlangen im Gebäudebereich deutlich mehr Tempo als bisher: 5,5 Millionen Tonnen CO2 muss die Bundesrepublik jedes Jahr laut der Novelle des Klimaschutzgesetzes in diesem Bereich einsparen. Damit der Treibhausgasausstoß von Häusern in Deutschland bis 2045 auf null sinkt, muss dieser bereits bis 2030 nahezu halbiert werden. Um den hierfür nötigen Umbau zu einem klimaneutralen Heiz- und Wärmesystem sozialverträglich sicherzustellen, schlagen Agora Energiewende und die Stiftung Klimaneutralität ein Sofortprogramm vor. „Die Sanierungswelle lostreten, Wärmepumpen in die Ein- und Mehrfamilienhäuser und in den Ballungsgebieten die grüne Nah- und Fernwärme ausbauen – das sind die Grundpfeiler der Klimapolitik für den Gebäudesektor“, so Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. „Klimaneutralität bedeutet das absehbare Ende von fossilen Heizanlagen. Da muss sich die Regierung ehrlich machen und das Enddatum 2024 für neue Öl- und Gaskessel in Ein- und Zweifamilienhäusern gesetzlich verankern“, so Baake.

Wärmewende – aber wie?

Rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs entfällt in Deutschland noch auf Wärme und Kälte. „Wärme ist die halbe Energiewende“, erklärt das Portal energiezukunft.de. Die in Deutschland benötigte Energie für Wärme- und Kälteerzeugung werde laugt Agentur für Erneuerbare Energien derzeit noch zu fast 85 Prozent aus Kohle, Öl und Gas gewonnen – sei es für Heizungen, Kühlschränke, Warmwasser, Prozesswärme, Serverkühlung oder Klimaanlagen. Nur rund 15 Prozent stammten 2020 aus erneuerbaren Energiequellen – dabei zu einem Großteil aus Biomasse und Biogas, gefolgt von Erd- und Umweltwärme sowie Solarthermie. Eine von vielen Akteuren geforderte Elektrifizierung der Wärmeversorgung mit dem massenweisen Einbau von Wärmepumpen wäre dabei nur ein möglicher Weg, so energiezukunft.de. „Der Strom für die sechs Millionen Wärmepumpen allein in Wohngebäuden, wie manche Marktplayer sie für einen Umbau des Systems im Hinblick auf die Klimaziele fordern, muss regenerativ erzeugt werden.“

Bedarf an Kühlung steigt

Die Anzahl der Tage, in denen Gebäude gekühlt werden müssen, wird aufgrund des Klimawandels ansteigen. Die steigenden Werte können dazu führen, dass vermehrt Kühlgeräte in privaten Haushalten installiert werden. Eine Hochrechnung von Forschenden der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in der Schweiz und künftigen Klimaszenarien für die Schweiz zeigt, dass der Anstieg des Energiebedarfs für die Kühlung erheblich sein dürfte und starken Einfluss auf das künftige Energiesystem haben kann. Dadurch könnte der Energiebedarf für die Kühlung von Gebäuden, der bereits durch den Klimawandel und das Bevölkerungswachstum zunehmen wird, noch weiter ansteigen. Es droht eine Spirale von Kühlung und Heizung.  

Preis der Energiewende steigt

Die grüne Energie droht Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden, weil die Börsenpreise für Rohstoffe massiv steigen, berichtet das Manager Magazin. Immer mehr Projekte würden unrentabel. Im vergangenen Jahr haben sich neue Solaranlagen erstmals wieder verteuert, hier spielt neben Kupfer auch Silber vor allem Silizium eine Rolle – ein in Zeiten der Chipkrise besonders knapper Rohstoff. Seit Jahresanfang sei der Preis der meist in China gefertigten Module um ein Zehntel gestiegen. Das mache zwar nur einen kleinen Teil der vorigen Ersparnis wieder wett, wird aber die Wirtschaftlichkeit von Anlagen mit hoher Kapazität erheblich beeinträchtigen. Die Investitionskosten eines 100-Megawatt-Solarparks könnten um 9 Prozent steigen.

Energiewende braucht Digitalisierung

Laut neuem Klimaschutzgesetz der Bundesregierung soll Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein, fünf Jahre früher als zuvor geplant. Dieses Ziel sei erreichbar, wenn die Bundesregierung die richtigen Maßnahmen einleite, so Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. „In das Zentrum einer ambitionierten Klimapolitik gehört die Digitalisierung – gleichberechtigt neben Einsparmaßnahmen und der verstärkten Nutzung regenerativer Energiequellen“, so Berg. In allen Bereichen lasse sich mithilfe der Digitalisierung massenhaft CO2 einsparen: „In der Industrie reduzieren Sensoren und smarte Maschinen den Energiebedarf auf ein Minimum. Eine über Daten-Plattformen organisierte Mobilität verhindert Leerfahrten und verbessert die Auslastung der Verkehrsmittel. Automatisierte Systeme wirken unnötigem Heizen und Kühlen von Gebäuden entgegen. Und nicht zuletzt lassen sich durch Videokonferenzen und Homeoffice Dienstreisen und Autofahrten in Büros vermeiden“, so Berg.

Klimaneutral fliegen?

Um das Fliegen klimaneutral zu gestalten, arbeiten Bundesregierung, Länder und Industrie unter anderem daran, die Produktion von Power-to-Liquid-Kerosin in den nächsten Jahren auf- und auszubauen. „Ziel ist eine steigende PtL-Kerosin-Quote von 0,5 Prozent ab 2026 bis zwei Prozent ab 2030“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der 2. Nationalen Luftfahrtkonferenz am 18. Juni. Mindestens 200.000 Tonnen nachhaltigen Kerosins sollen dann jährlich für den deutschen Luftverkehr produziert werden. Dieses Ziel knüpft an die Nationale Wasserstoffstrategie an, mit der die Bundesregierung 2020 den Rahmen für die künftige Erzeugung und Verwendung von Wasserstoff geschaffen hat. Diese Menge Kerosin ermögliche die Dekarbonisierung von etwa einem Drittel aller deutschen Inlandsflüge bis 2030, erklärte Wolfgang Langhoff, Vorstandschef von BP Europa und Vorstandsvorsitzender des Mineralölwirtschaftsverbands.

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