Verlässliche Infrastruktur für die Energiewende

Mai 2021 | Handelsblatt | Technologien der Zukunft

Verlässliche Infrastruktur für die Energiewende

Die BentoNet GmbH aus Baden-Baden digitalisiert die unterschiedlichen Sektoren wie Strom-Wärme-Mobilität im Energienetz und bringt damit aktiv die Energiewende voran.

Manuel Gernsbeck – Geschäftsführer BentoNet GmbH
BentoNet / Beitrag

Herr Gernsbeck, BentoNet versteht sich als die erste ganzheitliche Digitalisierungsplattform für die Energiewende. Was tun Sie genau?

Kurz gesagt bietet unsere Plattform die Möglichkeit, Daten aus dem Energienetz zu sammeln und zu verarbeiten. Unser Paket besteht aus Hardware für den Einsatz vor Ort, der sicheren Datenübertragung ins Rechenzentrum und der Betrieb einer Cloudinfrastruktur, auf der unsere Kunden die Daten verarbeiten können. Wir stellen für den Versorger oder den Netzbetreiber Messeinrichtungen zur Verfügung, die diese Daten einsammeln und über unser eigenes Mobilfunknetz ins Rechenzentrum übertragen. Dort können unsere Kunden auf diese Daten zugreifen und sie mit ihren eigenen Applikationen oder – und das ist ein Novum – auch mit Applikationen von Drittanbietern auswerten. Auf diese Weise wird ein Ökosystem zur Verarbeitung von Energiedaten entstehen, das die Wettbewerbsfähigkeit aller Teilnehmer auf Dauer sicherstellt. Unsere Kunden nutzen die sichere Infrastruktur, sparen sich dabei den Aufwand für eigene Systeme und gewinnen die Möglichkeit, Software von Drittanbietern direkt lizenzieren und benutzen zu können.

 

Haben Sie ein Beispiel?

Jeder kennt Ortsnetzstationen, kleine graue Kästen, die in Wohngebieten stehen und die Stromverteilung regeln. Hier enstehen Daten, etwa über aktuelle Verbräuche, die wiederum für das Funktionieren des Leitsystems des Versorgers benötigt werden. Durch den Ausbau von Auto-Ladesäulen und den Zubau von PV-Anlagen kommen neue Herausforderungen an die Ortsnetzstation dazu. Sind diese Ladestationen und PV-Anlagen ebenfalls digitalisiert, kann die Leitstelle des Versorgers zum Beispiel das Lastmanagement bes-ser regeln. Wenn über Applikationen auch noch Daten zu Verbrauchs-prognosen und flexiblen Stromtarifen zur Verfü-gung stehen, kann die Regelung noch effizienter und damit kostengüns-tiger erfolgen. BentoNet ermöglicht an dieser Stelle auch neue Geschäftsmodelle.

 

Warum sind Daten so wichtig?

Die Wertschöpfungsketten in der Energiewirtschaft sind zunehmend von der Digitalisierung geprägt. Energie in Form von Strom wird heutzutage nicht mehr nur von oben nach unten verteilt. Der Strom kommt nicht einfach so aus der Steckdose. Die Stromlandschaft ist immer stärker dezentralisiert. Strom aus erneuerbaren Quellen wie etwa Windkrafträdern oder PV-Anlagen geht mit Schwankungen einher und muss intelligent verteilt oder zwischengespeichert werden, und auch diese Speicherlandschaft wird kleinteiliger. Zu jeder Zeit den Energiebedarf aller Verbraucher zu gewährleisten wird immer komplexer. Das schaffen Sie nur, wenn Sie erstens eine sehr genaue Datenlage haben: Wer verbraucht gerade wo wieviel? Wer speist wo wieviel ein? Und wenn Sie zweitens mit diesen Daten auch etwas anfangen können.

 

Nämlich was?

Die Versorgungsqualität habe ich schon erwähnt. Sie finden heutzutage immer weniger Menschen, die bereit sind, in einer Leitstelle zu sitzen und „von Hand“ dafür zu sorgen, dass die Energie dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Das können Applikationen übernehmen, die im Ökosystem von Bento-Net zuhause sind. Doch hier fangen die Möglichkeiten erst an. Ein Stadtwerk möchte seinen Kunden vielleicht detaillierte Verbrauchsinformationen zur Verfügung stellen, damit diese wissen, wann es am günstigsten ist, die Waschmaschine anzustellen oder das E-Auto aufzuladen. Diese Veränderungen zu erkennen und optimal zu nutzen können Applikationen leisten, die auf unseren Servern laufen. Damit sind wir zugleich auch Partner von Entwicklern, die solche Applikationen programmieren und vermarkten wollen und einen zuverlässigen Partner auf der Hostingseite suchen.

 

Nun könnte das erwähnte Stadtwerk diese Dienste und Technologien ja auch selbst entwickeln.

In der Tat – aber zu viel höheren Kosten und mit viel größerem Aufwand. Was wir im Paket liefern, müsste jedes Stadtwerk in einzelnen Komponenten zusammenbas-teln – und das immer wieder aufs Neue. Das Besondere an BentoNet ist, dass wir die komplette Infrastruktur zur Verfügung stellen und die Verbindung zu Entwicklern schaffen, die die entsprechenden Applikationen zur Verfügung stellen, wobei wir auch eigene Applikationen anbieten und Schnittstellen zum Energiemarkt liefern können. Mit unserem Gesellschafter Siemens haben wir einen starken Hardwarepartner, der auf Wunsch die Messgeräte liefert. BentoNet versteht sich sozusagen als das Back End der Energiewirtschaft.

 

Stichwort Daten – wie ist es um die Sicherheit bestellt?

Daten aus dem Stromnetz sind die Geschäftsgrundlage von Versorgern und Netzbetreibern. Und Verbrauchsdaten von Firmen und Privatleuten gehen die Öffentlichkeit auch nichts an. Wir legen deshalb größten Wert auf Datensicherheit. Deshalb betreiben wir unsere eigenen Server in Deutschland und sorgen mit unserem eigenen Mobilfunknetz für die sichere Datenübertragung bei dieser kritischen Infrastruktur.

 

Was treibt Sie an – und wie geht es mit BentoNet weiter?

Die Energiewende kommt nicht, sie ist bereits im vollen Gange. Wir haben aber nur noch wenig Zeit, um sie abzuschließen und die notwendigen Klimaschutzziele zu erreichen. Und je früher wir klimaneutral werden, umso besser und günstiger. Um die Energiewende zu beschleunigen, ist eine Digitalisierung der Energiewirtschaft unabdingbar! Doch sie muss sicher sein. Denn nur über das Hausinternet sollten Sie die Trafostation in Ihrem Wohnviertel nicht steuern, schließlich bewegen wir uns immer noch in der kritischen Infrastruktur. Diese Botschaft ist mir und dem Team von BentoNet sehr wichtig: Deutschland und Europa braucht am Ende des Tages eine starke und funktionierende Infrastruktur, die den hohen Anforderungen der Energiewirtschaft Rechnung trägt und Daten verlässlich sammelt und auswertet. Und diese digitale Infrastruktur wird BentoNet auch in Zukunft zur Verfügung stellen.

 

www.bentonet.de