Von utopischen Visionen zu realen Lösungen

Science-Fiction-Autoren haben eine beachtlich hohe Trefferquote, wenn es um das Voraussagen von technischen Entwicklungen geht. Welche Zukunftsmusiken sind bereits Wirklichkeit geworden? Und welche utopischen Technologien haben das Potenzial, in Zukunft den Sprung von der Fiktion in die Realität zu schaffen?

Illustration: Marcela Bustamante
Illustration: Marcela Bustamante
Jörg Klingele Redaktion

Viele technische Errungenschaften wurden in Science-Fiction-Romanen oder -Filmen vorhergesagt – und zwar oft sehr lange vor ihrer tatsächlichen Entwicklung. Das ist auch nicht erstaunlich. Denn einerseits dienen Science-Fiction-Geschichten gelegentlich als Inspiration für Wissenschaftler und Ingenieure. Und zweitens gehen sowohl Science-Fiction-Autoren als auch Ingenieure von ähnlichen Fragen aus. Beispielsweise: Wäre es nicht praktisch, wenn es einen tragbaren Computer gäbe, der aus kaum mehr als einem Bildschirm zu bestehen scheint und den man durch Antippen eben dieses Bildschirms bedienen kann?

Der Unterschied zwischen Autoren und Ingenieuren besteht darin, dass es für die Autoren nicht sonderlich schwierig ist, eine derartige Idee in beispielsweise einem Roman zu verwenden. Für Ingenieure dagegen kann es Jahrzehnte dauern, bis sie die ursprüngliche Idee tatsächlich technisch umsetzen können. In diesem Beispiel geht es um Tablets, wie sie in Science-Fiction-Romanen schon seit mindestens 1951 auftauchen und in Filmen („2001: Odyssee im Weltraum“) und Fernsehserien („Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“) bereits seit den 60er-Jahren zu bewundern sind. In der Realität dagegen waren Tablets erst in den 90er-Jahren marktreif und erlangten dann 2009 ihre moderne Form.
 

Intelligente Technik

Ähnlich sieht es aus bei Spracherkennung und bei Künstlicher Intelligenz: In Science-Fiction-Werken ist es seit den 40er-Jahren fast schon eine Selbstverständlichkeit, mit intelligenten Computern in natürlicher Sprache kommunizieren zu können. In der realen Welt arbeiteten Forscher zwar schon seit den 50er-Jahren an Spracherkennungssystemen und an Künstlicher Intelligenz. Tatsächlich brauchbar wurde Spracherkennung aber erst Anfang des 21. Jahrhunderts. Ab 2011 dann eroberten Spracherkennungssysteme den Alltag – in Form von sprachgesteuerten Assistenten auf Smartphones und in Heimautomatisierungsgeräten.

Künstliche Intelligenz kam zwar bereits seit den 90er-Jahren beispielsweise beim Analysieren von Daten und beim Steuern von Industrierobotern zum Einsatz. Aber erst seit 2023 sind Künstliche-Intelligenz-Lösungen so fortgeschritten, dass sie sich nicht nur zum Erledigen spezifischer Aufgaben eignen, sondern eine ganze Reihe von kognitiven Aufgaben mindestens ebenso gut wie ein Mensch erledigen können.
 

Millionen Roboter

Mechanische Wesen bevölkern fantastische Geschichten schon seit der Antike. Moderne Beispiele sind die Roboter in Isaac Asimovs zahlreichen Kurzgeschichten, der „Star Trek“-Androide Data und das „Star Wars“-Freundespaar C-3PO und R2-D2. Die ersten echten Roboter wurden 1948 konstruiert. Heutzutage sind alleine im industriellen Bereich etwa 3,5 Millionen Roboter im Einsatz. Hinzu kommen Roboter in den Bereichen Gesundheitswesen, Reinigung und Militär – sowie Roboter für private Anwender: Pro Jahr werden über 20 Millionen Haushaltsroboter für Zwecke wie Staubsaugen und Rasenmähen verkauft.
 

Direkte Inspirationen

Bisweilen liefern Science-Fiction-Erzählungen nicht nur ungefähre Vorhersagen, sondern dienen Ingenieuren als konkrete Quellen der Inspiration für ihre Entwicklungen. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Mobiltelefon, von dem sein Erfinder Martin Cooper erzählt, es sei beeinflusst worden von vergleichbaren Kommunikationsgeräten in den „Dick Tracy“-Comics der 40er-Jahre.

Ähnlich verhält es sich mit Unterseebooten und Hubschraubern, deren Konstrukteure angeregt wurden von Romanen (aus den Jahren 1870 und 1886) des französischen Schriftstellers Jules Verne, die sie in ihrer Jugend gelesen hatten. Auch der Erfinder des Tasers (einer nichttödlichen Elektroschockpistole) wurde von einem Jugendbuch inspiriert – einem Roman der „Tom Swift“-Reihe aus dem Jahr 1911, in dem die Hauptfigur eine ähnliche Waffe entwickelt.
 

Blicke in unsere Zukunft?

Natürlich wird längst nicht jede Science-Fiction-Vorhersage Realität. Das ist von den Autoren auch nicht beabsichtigt. Denn die Hauptaufgabe von Science-Fiction besteht nicht darin, verlässliche Vorhersagen für die Zukunft abzugeben, sondern darin, Was-wäre-wenn-Geschichten zu erzählen. Dennoch gibt es einige Vorhersagen, die in näherer oder fernerer Zukunft voraussichtlich Wirklichkeit werden.

Einer der aufmunterndsten Aspekte von Science-Fiction-Geschichten sind fortgeschrittene Gesundheitssysteme, in denen Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen für Krankheiten, die heute noch unheilbar sind. Erfreulicherweise ist dies keine reine Utopie. In den letzten Jahren haben mehrere Methoden große Fortschritte gemacht, die unsere Medizin grundlegend verändern werden: Gentherapien, mRNA-Impfstoffe und KI-unterstützte Diagnosen werden unter anderem Erbkrankheiten und einigen Krebsarten viel von ihrem Schrecken nehmen.

Satelliten, die im Weltall – ungestört von der Erdatmosphäre – Sonnenenergie aufsammeln und per Mikrowellen oder Laser zur Erde übertragen, tauchen schon seit den 30er-Jahren in Science-Fiction-Erzählungen auf. Dieses fantastische Konzept hat tatsächlich das Zeug, zumindest mittelfristig Realität zu werden: Im Jahr 2023 waren derartige Versuche von Wissenschaftlern zum ersten Mal von Erfolg gekrönt.

In Science-Fiction-Geschichten besitzen Raumschiffe meist einen Antrieb, der Geschwindigkeiten jenseits der des Lichts ermöglicht. Das hat einen guten Grund: Die Entfernungen zwischen den Sternen sind so gigantisch, dass mit niedrigeren Geschwindigkeiten eine Erforschung oder gar Besiedlung des Weltalls nicht möglich ist. In der Realität allerdings verfügen wir leider nicht über derartige Antriebe. Immerhin aber gibt es zumindest Theorien, wie sie funktionieren könnten. Sie laufen prinzipiell darauf hinaus, dass man die Raumzeit staucht, um den Abstand zwischen Start und Ziel zu verringern. Auch wenn dies mit unseren derzeitigen technischen Möglichkeiten noch nicht einmal ansatzweise möglich ist, gibt es uns doch die Hoffnung, dass wir nicht für alle Zukunft auf unser Sonnensystem beschränkt sind.

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