Produktion: Wettbewerbsfähigkeit steigern

Weltweit ist die Produktion im Wandel. Nur wer die Megatrends proaktiv adressiert, bleibt auf Dauer mit seiner Produktion wettbewerbsfähig.

Oliver Knapp, Partner bei Roland Berger
Oliver Knapp, Partner bei Roland Berger
Roland Berger Beitrag

Die produzierende In-dustrie hat in Deutschland eine lange Tradition, allein der Anlagen- und Maschinenbau erwirtschaftete 2021 mehr als 221 Milliarden Euro Umsatz. Aus Kundensicht rückt die Produktion vermehrt in den Fokus – wo und wie produziert wird, ist kaufentscheidend. Wer sie neu ausrichtet, dem bieten sich große Chancen. Gefragt ist „Next Generation Manufacturing“, die Neuausrichtung der Produktion für die Zukunft.

Sechs Megatrends sind es, die diese Zukunft bestimmen: Nachhaltigkeit, Lokalisierung, Disruption der Industrie, Digitalisierung, ein verändertes politisches Umfeld und Individualisierung. Eine Umfrage unter Unternehmen der produzierenden Industrie in Deutschland, die Roland Berger zusammen mit dem VDMA durchführte, zeigte: Die Themen Lokalisierung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung haben die größte Bedeutung für die zukünftige Produktion.

Diese Megatrends gehen oft Hand in Hand. Immer mehr Kunden etwa fordern lokal produzierte Güter, die unabhängig von kritischen Lieferketten sind und zudem hohen Nachhaltigkeitsansprüchen genügen. So haben 63 % der Top-100-Unternehmen der produzierenden Branche in den vergangenen 5 Jahren ihr Produktionsnetzwerk angepasst. Von diesen verlagerten über die Hälfte ihre Produktion ins benachbarte Ausland (Nearshoring) oder in befreundete Volkswirtschaften (Friendshoring), 70 % waren Neubauprojekte auf der grünen Wiese.

Wenn hierdurch Produktion, Endmontage oder finale Kommissionierung näher beim Kunden stattfinden können, reduziert dies bspw. die Transportemissionen. In puncto Nachhaltigkeit geht auch ein großer europäischer Autobauer voran. Er hat ein Werk errichtet, in dem Gebrauchtwagen recycelt werden. Alte Fahrzeuge werden zerlegt und für die Produktion „neuer“ Gebrauchter verwendet. So sollen 2023 45.000 generalüberholte Fahrzeuge entstehen. Andere Unternehmen setzten auf grünen Stahl und reduzierten den CO2-Fußabdruck ihrer Werke bspw. durch eigene Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

Bernhard Langefeld, Partner bei Roland Berger
Bernhard Langefeld, Partner bei Roland Berger

Die Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 – macht große Fortschritte. Einer der weltweit führenden deutschen Hersteller von Pumpen und entsprechenden Systemen etwa baute am Stammsitz in Deutschland eine komplett neue „Smart Factory“ auf. Sämtliche Prozesse – von der Produktionsplanung, Beschaffung bis zur Produktionssteuerung – werden digital gesteuert. Ein weiteres Beispiel: Einer der größten deutschen Maschinenbauer stellt seinen Kunden eine vollautomatische CNC-Laserschneidanlage zum Schneiden von Blechteilen zur Verfügung. Der Clou: Die Maschine steht zwar beim Kunden, Produktionsplanung und -steuerung, ebenso wie die Maschinenprogrammierung und -wartung laufen aber zentral beim Hersteller. Bezahlt wird nach dem Prinzip des „Pay-per-Part“ nur, was tatsächlich produziert wird. Bei ersten Pilotkunden wurden so Produktivitätssteigerungen von 50 % erzielt. Die Beispiele zeigen: Wer die Megatrends nutzt und gezielt einsetzt, kann seine Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion – und dadurch des gesamten Unternehmens – immens steigern.


https://www.rolandberger.com/de/Insights/Global-Topics/Next-Gen-Manufacturing/Publications/

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