»Stroh im Tank« für die klimafreundliche Mobilität der Zukunft

Dezember 2020 | Handelsblatt | Perspektiven 2021

»Stroh im Tank« für die klimafreundliche Mobilität der Zukunft

Im PKW-Bereich wird der Elektroantrieb zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Aber die klimafreundliche Lösung für den LKW-Güterverkehr ist gasförmig.

VERBIO AG / Anzeige

Die Dekarbonisierung im Verkehrssektor hängt davon ab, ob es gelingen kann, die CO2-Emissionen im Güterfernverkehr zu reduzieren. E-Mobilität bietet hier auf absehbare Zeit keine Lösung. Mit 100 Prozent Biomethan aus Reststoffen und Stroh können LKW nahezu klimaneutral angetrieben werden.


Seit 1990 ist es Deutschland nicht gelungen, die CO2-Emissionen im Verkehr zu senken. Der Güterverkehr nimmt stetig zu. Auch der PKW-Verkehr wird so schnell nicht zurückgehen. Eine generelle Einschränkung der Mobilität oder eine vollständige Verlagerung des Transports auf die Schiene sind keine praktikablen Optionen. Wir brauchen intelligente Lösungen für die Mobilität von morgen.

Der Elektroantrieb hat entsprechendes Potenzial im PKW-Bereich und im innerstädtischen Lieferverkehr. Aber bitte mit 100 Prozent Ökostrom und mit einer ehrlichen Betrachtung der CO2-Bilanz von der Stromerzeugung bis hin zur Nutzung als Kraftstoff. Denn auch ein Elektroauto ist nicht per se emissionsfrei, sondern immer nur so klimafreundlich wie der Strommix, mit dem es betrieben wird. Selbst wenn die Elektrifizierung im PKW-Bereich Fahrt aufnimmt, hat die E-Mobilität für den LKW-Transport im Güterfernverkehr auf absehbare Zeit weder beim Fahrzeugangebot noch bei der Ladeinfrastruktur ein praktikables und wirtschaftlich darstellbares Angebot parat.

Nutzfahrzeughersteller wie SCANIA, IVECO und VOLVO haben die Zeichen der Zeit erkannt und bringen moderne LKW mit Gasantrieb auf den Markt. Sie können mit komprimiertem oder verflüssigtem Erdgas betrieben werden. Besser noch: Sie fahren praktisch klimaneutral mit dem innovativen Kraftstoff Biomethan, der in Form von BioCNG (gasförmig) oder BioLNG (verflüssigt) bereitgestellt werden kann.

Die VERBIO Vereinigte Bio-Energie AG hat eine Technologie zur Produktion von Biomethan aus Reststoffen und aus 100 Prozent Stroh entwickelt. Der hocheffiziente Kraftstoff spart mehr als 90 Prozent CO2 im Vergleich zu Diesel und Benzin. In drei Bioraffinerie-Anlagen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg entstehen jährlich bis zu 900 Gigawattstunden Biomethan. Das entspricht ca. 50 Prozent der Kraftstoffmenge, die gasbetriebene CNG-/LNG-Fahrzeuge in Deutschland jährlich tanken. VERBIO ist damit der führende Produzent von BioCNG in Europa und wird ab Mitte 2021 auch BioLNG für den deutschen und europäischen Markt bereitstellen.

Die „Stroh-im-Tank-Technologie“ eröffnet ein großes, bisher ungenutztes, Rohstoffpotenzial, und zwar ohne Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und ohne Vermaisung der Landschaft. In Deutschland stehen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen überschüssiges Stroh zur energetischen Nutzung zur Verfügung, wie das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) Leipzig bestätigt. Damit könnte VERBIO bis zu zehn Millionen PKW mit Biomethan aus 100 Prozent Stroh versorgen oder mindestens 200.000 LKW im Güterfernverkehr antreiben.

Unser Unternehmen geht selbst mit gutem Beispiel voran und hat bereits ein Viertel der eigenen LKW-Flotte auf den Antrieb mit Biomethan umgestellt. Bis Ende 2021 werden alle knapp 100 LKW ausschließlich mit umweltfreundlichem, erneuerbarem Methan aus Stroh und landwirtschaftlichen Reststoffen unterwegs sein.

Das Konzept ist aber auch für andere Speditionen interessant. Der Umstieg auf emissionsarme LKW wird vom Bundesverkehrsministerium unter anderem mit der Befreiung von der LKW-Maut gefördert. Die Einsparung der Mautgebühr beläuft sich für einen gasbetriebenen LKW im Güterfernverkehr bei einer Kilometerleistung von ca. 100.000 km/Jahr auf bis zu 18.000 EUR pro Jahr. Das trägt dazu bei, dass sich die Fuhrparkumstellung schnell amortisiert.

Die Mautbefreiung bietet damit eine Riesenchance für eine schnelle Emissionsreduktion im Verkehr – immerhin sind in Deutschland insgesamt mehr als 3,2 Millionen LKW zugelassen. Sie verursachen einen Großteil der CO2-Emissionen auf unseren Straßen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat kurzfristig den richtigen Fokus für eine wirksame CO2-Reduktion im Verkehr gesetzt. Nun kommt es darauf an, die Förderung von Biomethan als Kraftstoff gleichberechtigt zu E-Mobilität und Wasserstoff in das langfristige Nutzfahrzeugkonzept der Bundesregierung aufzunehmen. Dann hat der Verkehrsminister seine Hausaufgaben vorbildlich gemacht.

Ganz im Gegensatz zur Bundesumweltministerin: Seit Monaten blickt die Automobil- und Kraftstoffindustrie in Richtung Svenja Schulze und wartet auf ihren Gesetzentwurf zur Übertragung der europäischen Klimaziele aus der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED II) in deutsches Recht. Für den kürzlich veröffentlichten Referentenentwurf hagelt es nun aber massive Kritik von Industrie, Branchenverbänden und den eigenen Amtskollegen aus dem Verkehrs-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium. Die Zielvorgabe zur Emissionseinsparung im Verkehr ist viel zu niedrig definiert. Darüber hinaus sorgen diverse Rechentricks dafür, dass der CO2-Ausstoß auf dem Papier sinkt, während die realen CO2-Emissionen ansteigen werden!

Das Gesetz zielt darauf ab, E-Mobilität einseitig und um jeden Preis zu fördern. Es geht der Ministerin darum, das Verbrennungsaggregat zu killen. Dabei ist nicht der Verbrenner das Problem, sondern der Kraftstoff! Fakt ist, wir müssen uns einfach nur für die richtigen Kraftstoffe entscheiden, nämlich für fortschrittliche Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse und Reststoffen. Doch diese vorhandene alltagserprobte Alternative wird aus dem Markt gedrängt. Dabei erreichen wir bisher ausschließlich genau mit ihnen eine CO2-Reduktion im Verkehr – und zwar in Höhe von immerhin zehn Millionen Tonnen pro Jahr. Darauf können wir nicht verzichten, wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz.

Durch unambitionierte Zielvorgaben des Bundesumweltministeriums verschenken wir seit Jahren jede Menge Potenzial zur CO2-Reduktion im Verkehr. Es ist nahezu historisch, dass jetzt sogar die Branchenverbände der Mineralölwirtschaft eine höhere Vorgabe zur Emissionsminderung und einen größeren Anteil nachhaltiger Biokraftstoffe zur Erreichung der Klimaschutzziele 2030 vom Bundesumweltministerium fordern.

Es ist höchste Zeit für mehr „Stroh im Tank“. Und für eine ehrgeizige Klimapolitik, die technologieoffen ist. Dazu gehört auch, dass Alternativen zur E-Mobilität intelligent in das Gesamtkonzept integriert – statt politisch ausgebremst – werden. Nur so können neue Technologien „Made in Germany“ ihre Potenziale entfalten und nur so werden die Investitionen zur Herstellung fortschrittlicher Kraftstoffe auch am Standort Deutschland realisiert. Das Bundesumweltministerium ist hier ganz klar in der Pflicht.

 

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