Miteinander in die digitale Zukunft

Juli 2016 | Wirtschaftswoche | Innovation & Digitalisierung

Miteinander in die digitale Zukunft

Austausch ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Digitalisierung für KMU. Gefördert wird diese Vernetzung vom Cluster Metall im Land Brandenburg

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Berger; Clustersprecher; Metall Brandenburg
Cluster Metall Brandenburg / Unternehmensbeitrag

Herr Professor Berger, wo beginnt man, wenn man Themen wie Digitalisierung und Automatisierung umsetzen will?


Zunächst einmal gilt es, sich zu informieren und auszutauschen. Genau hierfür sind unsere Cluster-Strukturen konzipiert, für die Vernetzung, für den Austausch. Und wir betonen immer wieder, wie wichtig es ist, dass die Stimmen der Kunden, der Zulieferer und auch der eigenen Mitarbeiter besser verarbeitet werden.

Was meinen Sie genau mit ‚Stimmen verarbeiten’?


Es ist wichtig, dass Unternehmen noch besser verstehen, für wen sie arbeiten oder produzieren, wer ihnen dabei hilft und welche Fachkenntnisse sie dafür benötigen. Die Interessen der drei Gruppen müssen besser in Prozesse und die Strategie integriert werden. Big Data kann helfen, wirklich alle vorhandenen Informationen hierzu auszuwerten und zu verarbeiten.  


Ist das ein Grund, warum das Cluster Metall stark auf die Einbindung aller Sozialpartner setzt?


Definitiv. Die Stimme der Mitarbeiter ist äußerst wichtig. Viele der Sozialpartner haben darüber hinaus eigene Programme, etwa Technologie-Akzeptanz-Programme, aufgelegt, die wiederum uns als Cluster aber auch den Unternehmen eine neue Sicht auf die Dinge ermöglichen und damit den Austausch weiter fördern.

Heißt das, nur gemeinsam ist man stark?


Wie bereits angesprochen ist der Austausch ebenso wichtig wie die Einbeziehung der verschiedenen Interessensgruppen eines Unternehmens. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmen auch die eigene, individuelle Situation analysieren und bewerten müssen. Wenn Sie so wollen, müssen die Unternehmen an ein Selbstverständnis herangeführt werden, mit der Digitalisierung umzugehen. Das heißt, einerseits zu schauen, welche Dinge ich sofort umsetzen kann, was meine ‚low hanging fruits’ sind, und welche Ziele in den kommenden zwei bis drei Jahren realistisch zu erreichen sind.


Sie setzen außerdem stark auf die Interaktion zwischen den Clustern.


Cluster bringen zunächst Unternehmen aus ähnlichen Branchen zusammen. Sie sind jedoch keine Silos. Viele der Unternehmen im Cluster Metall beispielsweise sind Zulieferer für andere Branchen. Das alleine schon macht Cross-Cluster-Aktivitäten etwa mit dem Cluster Kunststoffe und Chemie so wichtig. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit dem Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft besonders eng.


Die Enge dieser Zusammenarbeit müssen Sie bitte erklären.


Jeder Mitarbeiter hat heute ein Smartphone, über das digitale Informationen und Inhalte abgerufen werden. Warum etwas, das im Privaten bereits gut funktioniert, nicht auch auf die Arbeitswelt übertragen? Ein Stichwort ist beispielsweise technologieunterstütztes Lernen für Belegschaften, bei dem uns das Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft unterstützt. Aber auch bei anderen Projekten, in denen es um die digitale Vermittlung von Inhalten und Informationen geht, tauschen wir uns sehr eng aus.


Wo stehen die Unternehmen heute im Digitalisierungsprozess?

 

Wir erleben einen großen Zuspruch für Informations- und Unterstützungsangebote zur Digitalisierung und unser Innovationszentrum Moderne Industrie Brandenburg ist gut am Laufen, wie man so schön sagt. Das zeigt uns einerseits, wie wichtig die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene ist, um international wettbewerbsfähig zu sein. Andererseits lernen wir auch täglich, dass viele Themen noch gar nicht systematisch erfasst werden konnten und viele, auch individuelle Fragestellungen erst noch adressiert werden müssen. Kurz: Viele KMUs sind heute schon gut aufgestellt. Grund, sich auf dieser Basis auszuruhen, gibt es bei den rasanten Entwicklungen am Markt jedoch nicht.


www.metall-brandenburg.de