KI Made in Germany

Juli 2016 | Wirtschaftswoche | Innovation & Digitalisierung

KI Made in Germany

Künstliche Intelligenz hält Einzug in unser Leben – oft gänzlich unbemerkt. Das weltweit größte Forschungszentrum steht in Deutschland.

Illustration: Adrian Bauer
Julia Thiem / Redaktion

Kennen Sie Acrolinx? Das Berliner Start-up hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe Unternehmen die Qualität ihrer geschriebenen Inhalte bewerten und jedes Wort auf die eigene Marke ausrichten können. Toyota, Google, Siemens und Microsoft sind nur einige der namhaften Kunden. Oder sagt Ihnen White|c etwas? Die Saarbrücker können mit Hilfe von 3D-Laserscanning-Technologie die Umgebung millimetergenau aufnehmen, um dann aus dieser so genannten Punktewolke CAD-Daten, 3D-Objekte oder andere Medien zu erzeugen. Davon profitieren Unternehmen im Bereich Planung und Konstruktion, aber auch die Automobilindustrie.


Beiden Start-ups sind zwei Dinge gemein: Sie setzen bei ihren Anwendungen auf künstliche Intelligenz – auf Maschinen, die analysieren und lernen können – und sind Ausgründungen des DFKI, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Denn anders als weithin angenommen, sitzt die eigentliche treibende Kraft hinter dieser bahnbrechenden Forschung nicht im Silicon Valley, sondern beherbergt an den Standorten Saarbrücken, Bremen und Kaiserslautern rund 800 Informatiker, Softwareingenieure, Programmierer, Elektrotechniker und Studenten. Als Public Private Partnership zählt das DFKI US-Riesen wie Intel, Google oder Microsoft und Dax-Schwergewichte wie die Telekom oder BMW zu seinen Gesellschaftern.


Dass die weltweite Nummer eins in der Forschung um die künstliche Intelligenz aus Deutschland kommt, ist für DFKI-Chef Wolfgang Wahlster absolut logisch, wie er kürzlich auf dem CeBIT Future Talk in Hannover einem breiten Publikum erklärte: „Dass wir heute das größte KI-Forschungszentrum in Deutschland und nicht mehr in den USA haben, liegt daran, dass wir versucht haben, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und das Thema wirklich als Ingenieure zu beleuchten. Wir gehen zwar an das Limit dessen, was möglich ist, machen dabei aber keine falschen Versprechen an die Industrie.“


Ob autonomes Fahren, Sprach- und Bilderkennung, Schach- oder Fußballroboter, ja selbst der moderne Kühlschrank oder das Smartphone kommen heute ohne künstliche Intelligenz nicht mehr aus. Dass sich dennoch so viele Menschen vor intelligenten Maschinen fürchten, mag an Hollywood Blockbustern wie „I, Robot“ oder „Transcendence“ liegen, die suggerieren, die Maschinen seien dem Menschen überlegen. In manchen Bereichen mag das stimmen, etwa bei der Mustererkennung. Doch bei der sozialen, emotionalen und selbst bei der sensomotorischen Intelligenz sind Maschinen dem Menschen deutlich unterlegen. „Insgesamt ist die künstliche Intelligenz von der menschlichen noch Lichtjahre entfernt“, so Wahlster.