H2EL – H2ier entsteht Zukunft

 Win Emscher-Lippe
Win Emscher-Lippe Beitrag

Die erste Wasserstoffpipeline Deutschlands nahm 1938 ihren Ausgangspunkt in Marl – und transportiert bis heute verlässlich Wasserstoff an die verschiedenen Chemiestandorte an Rhein und Ruhr. Das erste kommunale Technologiezentrum Europas mit dem Schwerpunkt Wasserstoff liegt nur wenige Kilometer entfernt in Herten und wurde mit dem Know-how der Evonik Creavis in Marl und des Westfälischen Energieinstituts iwn Gelsenkirchen 2008 aufgebaut. Die Antriebsstränge für Europas ersten Brennstoffzellenzug, den Coradia iLint von Alstom, produziert die Firma Cummins in Herten, wo sich auch eine der aktuell 98 Wasserstofftankstellen Deutschlands befindet.

Diese Ausgangslage bildet den Nukleus für ein innovatives Wasserstoffökosystem. Die „Roadmap 2030“ wird von allen wirtschaftsfördernden Akteuren der Region sowie Unternehmen vom Mittelstand bis zum großen Chemiekonzern breit getragen. 2019 hatte sich die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft WiN Emscher-Lippe GmbH erfolgreich um  Mittel aus der EU und des Landes NRW beworben. Seither betreuen Dr. Babette Nieder und Dr. Klaus Rammert-Bentlage das Akteursnetzwerk von über 100 Mitgliedern. Dieses erarbeitet Handlungsempfehlungen zum regionalen Wasserstoffhochlauf.

H2 ist klimaneutral, sofern er mit erneuerbaren Energien hergestellt wird („grüner Wasserstoff“) bzw. der Kohlenstoff bei der Pyrolyse im Kreislauf geführt wird. Das nördliche Ruhrgebiet zwischen Emscher und Lippe bekommt den grünen Wasserstoff von der Küste über die neue Pipeline „GET H2“, deren erste Ausbaustufe zum Chemiepark Marl und zur Ruhröl-Raffinerie in Scholven reicht. Es laufen bereits jetzt Genehmigungsverfahren in Richtung der Stahlindustrie in Duisburg und Salzgitter sowie des Kavernenspeichers in Gronau-Epe, der von Erdgas auf Wasserstoff umgerüstet werden kann. Auch der Stadthafen Gelsenkirchen am Rhein-Herne-Kanal soll angeschlossen werden, um Wasserstoff für Prozesswärme und Schwerlastverkehr zu liefern, und entwickelt sich zum „Klimahafen“.

Hier kann der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft schneller und kostengünstiger als in anderen Regionen der Republik erfolgen, weil die Infrastruktur von Pipelines über Stromtrassen bis zu Kanälen, Güterbahnstrecken und Autobahnen vorhanden ist. Fachkräfte sind durch eine hohe Dichte anwendungsorientierter Hochschulen im MINT-Bereich ebenfalls vergleichsweise gut zu bekommen. Die energieintensiven Unternehmen, aber auch der Bedarf einer Metropole mit 5 Millionen Einwohnern bieten eine gute Ausgangslage für die Abnahme von Wasserstoff in ausreichenden Mengen, um in Elektrolyseure, Pipelines, Tankstellen und Brennstoffzellen zu investieren. 

So wie sich früher die Chemieindustrie, die Metallverarbeitung und die Glasindustrie in der Region angesiedelt haben, weil es hier ausreichend Kohle als Rohstoff und Energieträger gab, kann jetzt mit der Wasserstofftechnologie der energieintensive industrielle Kern erhalten werden. Neue Arbeitsplätze können in technologieorientierten Start-ups und Zulieferunternehmen für Membrane, Rohrverbindungen, Druckventile, Kompressoren oder Industriebrenner entstehen oder sich neue Fabriken für Elektrolyseure ansiedeln.

Dabei spielt die energetische und stoffliche Nutzung des Wasserstoffs eine zentrale Rolle, aber auch die Verwendung von Wärme und Sauerstoff an den Verbundstandorten. Wasserstoff ist das Bindeglied zwischen Industrie und Klimaschutz.

Nach der erfolgreichen Bewerbung als „HyExperts“-Standort steht jetzt die Bewerbung als „Hyperformer“ beim Bundesverkehrsministerium in den Startlöchern.

www.h2el.de | www.emscher-lippe.de

Nächster Artikel
Technologie
April 2022
Illustration: Jasmin Mietaschk
Redaktion

Sprit und Steuern sparen

Hohe Spritpreise und allerlei Anreize fördern den Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland. Auch immer mehr Flotten werden „grüner“. Wann ist ein kompletter Umstieg wirtschaftlich?