Driving circularity

März 2021 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Driving circularity

Wie Neste den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe gestaltet

Mercedes Alonso, Executive Vice President for Renewable Polymers and Chemicals bei Neste
Beitrag NESTE Germany / Beitrag

Neste hat sich von einem Ölraffinerieunternehmen zu einem weltweit führenden Anbieter von erneuerbaren und zirkulären Lösungen entwickelt. Was war die treibende Kraft für diese Transformation?

Alles, was wir bei Neste tun, dient einem Zweck: einen gesünderen Planeten für unsere Kinder zu schaffen. Dieses Ziel treibt uns an, nach neuen Wegen zu suchen. Wir wollen die Menge an Kohlendioxid in der Atmosphäre reduzieren und zugleich Kreislauflösungen entwickeln, die helfen, Ressourcen immer wieder zu verwenden. Neste wurde 1948 mit dem Ziel gegründet, die Ölversorgung Finnlands zu sichern. In den 1990er Jahren wurde ein Kurswechsel eingeleitet: Im Einklang mit den Zielen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen stellte Neste die Weichen für die Entwicklung unserer NEXBTL-Technologie. Mit dem Verfahren können wir viele erneuerbare Produkte herstellen, etwa erneuerbare Kraftstoffe. Bei der Herstellung unseres hochwertigen Biodiesels nutzen wir im Unterschied zu anderen Technologien verschiedenste Grundstoffe – auch Abfälle, Restfette und -öle. Sie machen heute weltweit mehr als 80 Prozent unserer erneuerbaren Rohstoffe aus. Unser Neste MY Renewable Diesel™ ist dabei besonders emissionsarm. Über den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs werden bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgase emittiert als beim Einsatz von fossilem Diesel.

 

Sie stellen auf Basis der NEXBTL-Technologie aber noch weitere erneuerbare Produkte her?

Das stimmt. Im Jahr 2020 haben wir mit unserem Produkt Neste RE™ den Grundstein für eine Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen gelegt. Neste RE bietet Herstellern von Polymeren und Chemikalien einen vollwertigen Ersatz für herkömmliche fossile Rohstoffe. Das Produkt besteht zu hundert Prozent aus erneuerbaren und recycelten Materialien, wie zum Beispiel Altkunststoffen. Diese Altkunststoffe werden verflüssigt und chemisch recycelt. Dadurch können Kunststoffabfälle wiederverwendet werden, die sonst verbrannt oder auf der Deponie landen würden, wie zum Beispiel Folien oder Materialien aus mehreren Komponenten. Mit Neste RE kann so auf Basis von nachwachsenden und recycelten Rohstoffen ein sehr reiner Kunststoff von hoher Qualität hergestellt werden. Dieses Geschäft werden wir ausbauen und ab 2030 mehr als eine Million Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr verarbeiten. So wollen wir der weltweit führende Anbieter von erneuerbaren Lösungen auch für die Kunststoffindustrie werden.

 

Welche Rolle spielen die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen?

Die chemische Industrie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess und ist dabei, nachhaltige Prozesse zu etablieren, die eine Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Dazu braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen. Die EU fordert bis 2030 für Kunststoffverpackungen eine Recyclingquote von 55 Prozent, aber die Anforderungen an die Qualität der Recyclate sind unklar. Neue, zukunftsfähige Technologien wie das chemische Recycling müssen vom Gesetzgeber anerkannt werden. Diese neuen Technologien können den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigen. Ohne klare Regeln werden Investitionen in diese und andere, dringend benötigte Technologien jedoch nur langsam erfolgen. Eine zentrale Rolle spielen die Verbraucher: Nur wenn sie mehr nachhaltige Rohstoffe – sowohl erneuerbare als auch recycelte – in ihren Produkten einfordern und das Recycling von Haushaltsabfällen weiterhin unterstützen, wird es dank neuer Recyclingverfahren möglich sein, Kunststoffe nachhaltig zu nutzen.
 

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