An nachhaltiger Fischerei führt kein Weg vorbei

Die weltweite Nachfrage nach Fisch steigt, das Ausmaß überfischter Bestände leider auch. Welche Rolle spielt da ein Nachhaltigkeitssiegel wie das des MSC?
Stefanie Kirse, Leiterin des MSC für den deutschsprachigen Raumm
Stefanie Kirse, Leiterin des MSC für den deutschsprachigen Raumm
Marine Stewardship Council Beitrag

Immer wieder werden Stimmen laut, nachhaltige Fischerei sei gar nicht möglich. Was ist da dran?

Die Behauptung, Fischfang könne nicht nachhaltig sein, ist schlichtweg falsch. Es gehört zu den erstaunlichsten Fähigkeiten der allermeisten Fischbestände, dass sie sich schnell regenerieren und immer wieder auf eine gesunde Bestandsgröße anwachsen können, wenn sie nachhaltig befischt werden. Wir müssen uns jedoch im Klaren sein, dass, wenn wir marine Ressourcen für die menschliche Ernährung nutzen wollen, eine Beeinträchtigung des Ökosystems nicht ganz zu vermeiden ist – genauso, wie es auch an Land der Fall ist: Jede menschliche Aktivität greift in die Ökosysteme ein. Daher kann es bei allen Maßnahmen immer nur darum gehen, die Umweltauswirkungen zu minimieren. Sie auf null zu reduzieren, wird nicht gelingen.  

Kann ein Siegel wie das des MSC die Weltmeere und Fischbestände schützen?

Nur eine nachhaltige Fischerei kann unsere Meere gesund und die Ressource Fisch langfristig erhalten. Der MSC möchte die Fischerei in nachhaltige Bahnen lenken, aber er ist kein Allheilmittel. Ein Zertifizierungsprogramm kann die Fischereiindustrie nicht regulieren. Das können nur Gesetzgeber. Und genau an diesen Regulierungen mangelt es. Aber der MSC kann wirtschaftliche Anreize für mehr Nachhaltigkeit setzen. Je mehr Verbraucher:innen und Lebensmittelhändler:innen nachhaltig gefangenen Fisch mit MSC-Siegel nachfragen, desto eher sehen Fischereien sich veranlasst, umweltverträglich zu arbeiten. Wir wünschen uns, dass alle – Regierungsbehörden, Fischereien, Märkte – noch stärker an einem Strang ziehen.

Einige Umweltorganisationen bemängeln, die MSC-Kriterien seien zu lasch...

Die Herausforderung liegt darin, die Anforderungen an nachhaltigen Fischfang zugleich wirksam und erfüllbar zu gestalten. Sind die Kriterien eines Standards so anspruchsvoll, dass kaum eine Fischerei sie erfüllen kann, kann auch der beste Standard keine Veränderungen bewirken. Gleichzeitig gilt natürlich auch: Sind sie zu anspruchslos, bleibt die Wirkung in und auf unseren Meeren ebenfalls aus. Mit nur rund 15 Prozent des weltweiten Fangs, die MSC-zertifiziert sind, bewegen wir uns nach fast 25 Jahren immer noch in einer Nische. Schon allein diese Tatsache zeigt, dass unser Standard sehr anspruchsvoll ist. 

Worin sieht der MSC seine größten Erfolge?

Den größten Erfolg sehe ich darin, dass die Arbeit des MSC in unseren Meeren merkbar Spuren hinterlässt. Entscheidend ist: Wir können unsere Erfolge belegen. Seit der ersten Zertifizierung einer Fischerei im Jahr 2000 haben MSC-zertifizierte Fischereien ca.  2000 messbare Verbesserungen auf und in unseren Meeren bewirkt: Schutz von bedrohten Arten und sensiblen Lebensräumen, weniger Beifang, mehr Forschung, bessere Kontrollen und effektiveres Management. Der positive Beitrag, den MSC-zertifizierte Fischereien zum Schutz der Weltmeere leisten, wurde 2020 von zwei UN-Gremien anerkannt [1] - was zeigt, dass MSC-zertifizierte Fischereien bei der Bekämpfung der Überfischung und der Unterstützung der biologischen Vielfalt der Meere eine Vorreiterrolle einnehmen.


www.msc.org/de/ueber-uns
 
[1] Im Juni 2020 berichtete die FAO, dass nachhaltige Fischerei produktiver und widerstandsfähiger gegen Veränderungen ist (Seite 8 State of the World's Fisheries and Aquaculture). Im September 2021 berichtete das UN-Umweltprogramm, dass nachhaltige Fischerei die biologische Vielfalt der Ozeane unterstützt (Seite 58-63 The Global Biodiversity Outlook 5). 

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