Telemonitoring: Strukturierte Begleitung statt Zufallsfund 

Digitale Unterstützung aus der Ferne: Telemonitoring in der modernen Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten

RAINER BECKERS Geschäftsführer bei ZTG
RAINER BECKERS Geschäftsführer bei ZTG
ZTG Zentrum für Telematik und telemedizin GmbH Beitrag

Lange gekämpft – nun ist es möglich: PatientInnen mit Herzinsuffizienz profitieren seit Anfang 2022 in Deutschland von den Möglichkeiten des Telemonitorings. Die medizinische Leistung ist abrechenbar. PatientInnen können die zeit- und ortsunabhängige medizinische Begleitung nutzen, wodurch sich Probleme frühzeitiger erkennen und Maßnahmen individuell einleiten lassen.

Ein Schritt in die richtige Richtung, aber hoffentlich erst der Beginn, findet Rainer Beckers. Er ist Geschäftsführer der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH, die mit Förderung des Landes Start-ups und andere AkteurInnen in Nordrhein-Westfalen zu digitalen Fragen im Gesundheitswesen berät. Telemonitoring ist hier ein großes Thema seit vielen Jahren. Der Nutzen groß, der Weg in die Regelversorgung aber langwierig.

Beim neuen telemedizinischen Angebot im Bereich Herzinsuffizienz arbeiten ein primär
behandelnder Arzt (z. B. Hausarzt, Kardiologe) und ein telemedizinisches Zentrum zusammen. Telemonitoring ermöglicht die kontinuierliche Erfassung verschiedener Vitalparameter und damit eine lückenlose Betreuung. Implantierte kardiale Aggregate, z. B. Defibrillatoren, oder externe Geräte wie Waage, EKG- und Blutdruckmessgerät messen Gewicht, Blutdruck, Herzaktion und erfassen Informationen zum allgemeinen Gesundheitszustand. Im Bedarfsfall lässt sich zeitnah reagieren.

Auch für Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes kann Telemonitoring den Alltag erleichtern. Je nachdem, wie instabil der Verlauf der Krankheit ist, bedarf es häufiger Arztbesuche, um risikoreiche Entgleisungen rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Doch gesundheitsrelevante Werte äußern sich nicht jeden Tag gleich. Beim Telemonitoring können PatientInnen selbständig relevante Parameter über mobile, nutzerfreundlich gestaltete Geräte und Apps messen – genau dort, wo sie gerade sind: zu Hause, bei der Arbeit, im Urlaub.

„Telemonitoring kann auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus helfen, den Heilungsverlauf engmaschig zu kontrollieren. Für viele PatientInnen bedeutet dies Sicherheit und kann, insbesondere in ländlichen Gebieten, den Alltag erleichtern. Sterblichkeit, Krankenhausaufenthalte, Notarzteinsätze und vermeidbare Arztbesuche nehmen ab“, erklärt Telemedizin-Experte Rainer Beckers.

Damit solcherlei telemedizinische Möglichkeiten zu den PatientInnen gelangen, braucht es Netzwerke und Expertise. „Hier besteht noch viel Informationsbedarf“, meint Beckers. „Von Unternehmensseite erreichen uns viele Fragen zu Finanzierungsmöglichkeiten oder zum Markteintritt. Genau hier setzen wir als ZTG an. Wir vernetzen, beraten und bringen die richtigen AkteurInnen für das jeweilige Vorhaben an einen Tisch.“ Ganz aktuell stellt die ZTG GmbH in der hauseigenen Podcast-Reihe „Vitamin E: Über Telematik und Telemedizin“ Entwicklungen des digitalen Gesundheitswesens (z. B. Telemonitoring, Apps oder Telemedizin im Rettungsdienst) in Interviews und Reportagen vor.

www.ztg-nrw.de
 

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