TAVI – Zukunft der Aortenklappenimplantation?

Februar 2017 | Die Zeit | Zukunft Medizin

TAVI – Zukunft der Aortenklappenimplantation?

Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation – kurz TAVI – ist heute schon die Chance für Patienten, deren OP-Risiko für das Einsetzen einer chirurgische Klappe zu hoch ist.

PD Dr. med. Tobias Zeus Leitender Arzt, Sektion für strukturelle Herzerkrankungen, Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
Medtronic GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Zeus, die ersten künstlichen Herzklappen wurden in den Sechzigern implantiert. Was hat sich seitdem getan?
Neben technischen Neuerungen wurde vor allem ein enormer Erfahrungsschatz in der Chirurgie aufgebaut. Deshalb war und ist der Einsatz einer chirurgischen Klappe DIE Therapie bei einer hochgradigen Aortenklappenstenose. Es gab jedoch immer schon Patienten, für die eine Herzoperation mit einem sehr hohen Risiko verbunden war.

Gibt es für diese Patienten eine Alternative?
2002 wurde in Frankreich die erste Aortenklappe über die Leistenarterie erfolgreich implantiert. Hierfür war keine Eröffnung des Brustkorbs nötig. Anfangs wurden die Patienten aus Sicherheitsgründen noch über Leistengefäße an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Mit zunehmender Erfahrung und Entwicklung der Therapie war dies jedoch bald überflüssig. Somit ist die Katheterklappe gerade für die bereits angesprochenen Risiko-patienten der viel schonendere Behandlungsansatz.

Wie haben sich die sogenannten TAVI-Klappen seitdem entwickelt?
Heute gibt es TAVI-Klappen in einer Vielzahl von Größen und Designs. Das ist deshalb ein Fortschritt, weil Größe und Verkalkungsausprägung der Aortenklappen von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Eine optimal geformte Klappe in der richtigen Größe öffnet nicht nur fantastisch, sie passt sich auch hervorragend an das Gewebe an, was eine hohe Dichte beim Schließen ermöglicht.

Doch auch bei den Katheter-Zugängen und den Systemen tut sich einiges.
Der Katheter-Zugang und auch die Systeme selbst werden immer kleiner. Das ist ein Vorteil, weil Risikopatienten oft angegriffene Gefäße haben. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die heutige Steuerbarkeit der Systeme. So kann die Klappe auch durch geschlängelte Gefäße sicher und präzise vorgeschoben werden. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die Rückholbarkeit. Auch nach der Implantation bleiben die Klappen zunächst am Einführsystem befestigt. So kann der Kardiologe sehen, ob er die richtige Klappengröße gewählt hat, die TAVI-Klappe richtig positioniert wurde, oder die Herzkranzgefäße durchlässig sind und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Das erhöht die Sicherheit enorm.

Minimalinvasiv, präzise Positionierung, gute Erfolge – warum sind TAVI-Klappen nicht der Goldstandard?
Ihnen fehlt bisher die Langzeiterfahrung der chirurgischen Klappen. Daher ist gerade bei jüngeren, relativ gesunden Patienten ein chirurgischer Eingriff nach wie vor Goldstandard, weil man weiß, dass die Klappen lange halten. Diesen Beweis müssen die TAVI-Klappen erst noch antreten. Es laufen aber bereits erste vielversprechende Studien hierzu. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass sich die TAVI-Klappen aufgrund ihrer vielen Vorteile in den nächsten fünf bis zehn Jahren durchsetzen.

TAVI- oder chirurgische Klappe, wie wird diese Entscheidung heute getroffen?
Das entscheidet ein Team aus Herzchirurg, Kardiologe und Anäs-thesist individuell für jeden einzelnen Patienten. Im Vordergrund steht immer das Wohl des Patienten, weshalb alle Aspekte aus den verschiedenen Disziplinen genau abgewogen werden müssen.  

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