Sprunginnovation in der Wundbehandlung

März 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Sprunginnovation in der Wundbehandlung

Eine neuartige Methode zur Wundversorgung erleichtert die Therapie von akuten und chronischen Wunden

Der kINPen® MED der neoplas med GmbH, rechts: punktgenaue Applikation auf der Haut
Beitrag neoplas med GmbH / Beitrag

Rund fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an Wund-erkrankungen. Die Ursachen sind vielfältig. Bei Diabetikern etwa sind im fortgeschrittenen Stadium häufig die Blutgefäße in den Extremitäten verengt. Entstehen dort Verletzungen von außen, verheilen diese durch die schlechte Versorgung des Gewebes nur langsam. Infiziert sich eine Wunde, im schlimmsten Fall durch multiresistente Keime (MRSA), wird die Heilung zusätzlich erschwert. Die Behandlung von akuten und chronischen Wunden kann sehr aufwändig sein. Für Betroffene bedeutet es einen erheblichen Verlust an Lebensqualität, zudem stellt eine nicht heilende Wunde eine erhebliche Belastung für den Körper dar.

 

Schnellere Wundheilung durch Kaltplasma mit dem kINPen® MED

 

Ein aufstrebendes Unternehmen aus Greifswald, die neoplas med GmbH, hat gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V. (INP) eine neue Technologie zur Wundbehandlung entwickelt, die vielen Betroffenen Hilfe bringen kann. Mit dem kINPen® MED hat das Unternehmen den ersten CE-zertifizierten Kaltplasma-Jet auf den Markt gebracht, der bei der Versorgung von Wunden Kaltplasma einsetzt – und das mit großem Erfolg, wie mehrere wissenschaftliche Studien belegen konnten.

 

Plasma entsteht, wenn einem Gas Energie zugesetzt wird, etwa durch Wärme oder Strom. Kaltplasma ist ein ionisiertes Gas im Bereich der Körpertemperatur. Es wird in einem elektrischen Spannungsfeld erzeugt und seine wesentlichen Wirkungskomponenten sind reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies. Das Medizingerät der neoplas med GmbH, der kINPen® MED Kaltplasma-Jet, generiert in einem Handstück das Kaltplasma aus Argongas, dessen spezifische Eigenschaften für eine kontrollierte Plasmazusammensetzung und damit für eine gleichbleibende Behandlungsqualität sorgen. Der feine Strahl lässt sich mit hoher Präzision führen. Man kann Kaltplasma berührungslos und immer unter Sichtkontrolle applizieren und dabei punktgenau äußerst unebene Wundflächen abfahren. Auch austherapierte Wunden können gezielt behandelt werden.

 

Das Kaltplasma wirkt auf die Wunde in vielfältiger Weise. Es kann zugleich Wundzellen anregen und Krankheitserreger abtöten. Kaltplasma bekämpft ein breites Spektrum an Mikroorganismen, darunter auch multiresistente Erreger. Es fördert die Mikrozirkulation, verbessert die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes und stimuliert die Geweberegeneration bis in tiefe Hautschichten, ohne Resistenz-
bildungen und nennenswerte Nebenwirkungen.

 

Breites Einsatzspektrum

 

Die Anwendung des kINPen® MED ist weitgehend schmerzfrei und komplikationslos. Bereits nach der ersten Behandlung kann eine Verminderung eines bestehenden Juckreizes eintreten. Erfolge zeige sich schon nach wenigen Behandlungen. Weiterer Vorteil: Das Gerät ist handlich und nimmt in der Praxis nicht viel Platz ein, die Anwendung ist für qualifiziertes Fachpersonal schnell zu erlernen.

 

Angewendet werden kann der kINPen® MED für die Therapie von akuten und chronischen Wunden, aber auch für Hautkrankheiten, die von mikrobakteriellen Erregern ausgelöst werden. Die klinische Evidenz wurde 2020 in der weltweit ersten placebokontrollierten klinischen Studie gezeigt, die den erfolgreichen Einsatz von Kaltplasma beim diabetischen Fußsyndrom belegt und die Reaktivierung und Beschleunigung der Wundheilung wissenschaftlich bestätigt.

 

Neben der belegten medizinischen Wirkung bietet der kINPen® MED eine ganze Reihe weiterer Vorteile. So können Liegezeiten verkürzt und das Gesundheitssystem entlastet werden. Eine gute Wundversorgung senkt die Gefahr postoperativer Entzündungen. An erster Stelle steht aber die psychische und körperliche Entlastung der Betroffenen. Ulrike Sailer, geschäftsführende Gesellschafterin der neoplas med GmbH, bringt es auf den Punkt: „Mit unserer Plasmajet-Technologie können wir die Behandlung von Wunden effektiver gestalten und im Kampf gegen multiresistente Keime einen Beitrag leisten. So unterstützen wir Patienten in ihrem Heilungsprozess und schenken ihnen neue Lebensqualität.“

 

Studie belegt Evidenz des Kaltplasma-Jet kINPen® MED

 

Wie wurden die Wirksamkeit und Sicherheit einer Wundbehandlung mit dem Kaltplasma-Jet kINPen® MED in der Studie untersucht?

Die Studie in Bad Oeynhausen untersuchte die Effekte der Kaltplasmatherapie auf die Wundheilung bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom. Im prospektiven, plazebokontrollierten, bizentrischen und patientenverblindeten KPWTrial wurden 65 chronische, oberflächliche Wunden eingeschlossen. Die Randomisierung der Wunden in Plasmabehandlung oder Plaze-botherapie erfolgte nach Alter, Geschlecht und Raucherstatus. In der ersten Woche wurde die Wunde täglich fünfmal mit Kaltplasma für 30 sec pro cm2 Wundfläche therapiert, in der zweiten Woche in zweitägigem Abstand dreimal behandelt. Nach identischem Schema mit gleichem Gerät ohne Plasmainduktion wurde in der Plazebogruppe vorgegangen. Die Therapie erfolgte ergänzend zur Wundbehandlung nach Leitlinien.
Die Verringerung der Wundfläche, klinische Infektzeichen und mikrobielle Besiedlung der Wunde waren Endpunkte der Studie.

 

Welche Ergebnisse gibt es?

Unter Plasmatherapie konnte die Wundheilung signifikant verbessert werden. Die Reduktion der Wundflächen lag nach acht Behandlungen in der Plasmagruppe bei 69,5%, in der Kontrollgruppe bei 44,8%. Zusätzlich konnte eine beschleunigte Wundheilung in der Plasmagruppe dokumentiert werden.

 

Und was bedeutet das für Patienten? Für wen ist eine Kaltplasmabehandlung geeignet?

Die Therapie mit Kaltplasma ist patientensicher. Die Behandlung ist indiziert bei Menschen, die an oberflächlichen und tieferliegenden Wunden erkrankt sind. Die Kaltplasmatherapie beschleunigt die Wundheilung, was zu schnellerer Wundabheilung und verkürzter Behandlungsdauer für Patienten führen kann.

 

Studie: Stratmann B, Costea TC, Nolte C, Hiller J, Schmidt J, Reindel J, Masur K, Motz W, Timm J, Kerner W, Tschoepe D: Effect of Cold Atmospheric Plasma Therapy vs Standard / Therapy Placebo on Wound Healing in Patients With Diabetic Foot Ulcers: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open 2020; 3: e2010411

 

www.neoplas-med.eu/studien