Skoliose-Behandlung braucht Wirbelsäulenspezialisten

Oktober 2019 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Skoliose-Behandlung braucht Wirbelsäulenspezialisten

Bei der Skoliose handelt es sich um ein sehr komplexes Krankheitsbild, bei dem es sinnvoll ist, ein spezialisiertes Zentrum aufzusuchen.

DR. MED. OLIVER MEIER Chefarzt, Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie / Deutsches Skoliosezentrum Werner Wicker Klinik
Werner Wicker Klinik / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Meier, Skoliose ist nicht gleich Skoliose. Welche unterschiedlichen Formen gibt es?
Im Wesentlichen unterschieden wir hier zwischen der kongenitalen Skoliose, die schon bei der Geburt auftritt, einer neuromuskulären Skoliose, die durch eine muskuläre Dysbalance entsteht, und der idiopathischen Skoliose, deren Ursache bisher noch nicht völlig geklärt ist. Auch hier wird eine genetische Prädisposition vermutet.

 

In welchem Alter tritt die idiopathische Skoliose typischerweise auf?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Wir unterscheiden zwischen der infantilen, juvenilen und adoleszenten idiopathischen Skoliose, je nachdem in welchem Alter sie erstmals auftritt. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist die idiopathische Skoliose noch extrem selten, bei Schulkindern bis zum 16. Lebensjahr liegt die Prävalenz dann schon bei ein bis zwei Prozent. Interessant ist zudem auch, dass Mädchen vier bis sieben Mal häufiger betroffen sind – vermutlich, weil sie anders und vor allem schneller wachsen.

 

Wird eine idiopathische Skoliose denn immer rechtzeitig erkannt?
Bei uns im Deutschen Skoliosezentrum häufen sich die Fälle immer nach den Sommerferien stark. Verständlich: Schließlich fallen im Badeanzug am Strand Asymmetrien bei den Kindern deutlicher auf als im Alltag. Denn Schmerzen treten bei einer Skoliose typischerweise nicht auf. Es ist tatsächlich „nur“ die Deformität, die einen Hinweis auf die Erkrankung gibt.

 

Warum sollte die Skoliose behandelt werden, wenn keine Schmerzen auftreten?
Der Grund ist die Sorge vor einer Progredienz. Denn je früher eine Skoliose erkannt wird, desto besser kann man mit unterstützenden Maßnahmen Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Gerade in der Wachstumsphase hat die Erkrankung viel Zeit, sich zu verschlechtern und das gilt es in jedem Fall zu verhindern.

 

Sie sprechen von unterstützenden Maßnahmen, eine Operation ist keine Option?
Es gibt die orthopädische Faustregel: Am wachsenden Skelett sollte man möglichst nicht operieren. Daher beginnt die begleitende Therapie in der Regel mit Physiotherapie und einem Korsett. Ausnahme bildet hier die kongenitale Skoliose, bei der sich ein Halbwirbel gebildet hat. Das müssen Sie sich vorstellen wie ein Dreieck inmitten von aufeinandergetürmten Vierecken – die Wirbelsäule hat keine andere Wahl, als sich zur Seite zu biegen. Diese Instabilität wird auch am wachsenden Skelett entfernt, da sich die Ausprägung mit dem Heranwachsen verschlimmern würde. Hier am Deutschen Skoliosezentrum haben wir uns außerdem auf die sogenannte „Growing Rod“-OP spezialisiert.

 

Was verbirgt sich dahinter?
Wir waren die ersten in Europa, die vor etwa zehn Jahren diese Implantate eingesetzt haben. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um einen Stab, der implantiert wird und über einen Magneten von außen, ohne einen weiteren operativen Eingriff, verlängert werden kann. Ist die Wachstumsphase abgeschlossen, kann der Stab entfernt und die endgültige Stabilisierungs-OP durchgeführt werden. Sie sehen also, auch die Behandlungsoptionen der Skoliose sind sehr komplex, weshalb wir immer empfehlen, ein spezialisiertes Zentrum zu konsultieren.

 


 
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