»Fast wie in 3D«

Oktober 2017 | Die Zeit | Zukunft Medizin

»Fast wie in 3D«

Kamerasysteme mit einer 4K-Auflösung sorgen für mehr Schärfe und Tiefe bei minimalinvasiven Eingriffen. Das erhöht die Qualität von OPs deutlich.

PD Dr. Konrad Karcz, Bereichsleiter Minimalinvasive Chirurgie, Klinikum Ludwig-Maximilians-Universität München
Richard Wolf / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Karcz, minimalinvasiv oder offene OP – wie wird diese Entscheidung getroffen?
Das hängt von der Diagnose, aber auch vom Land ab, in dem operiert wird. Bei unseren dänischen Nachbarn werden beispielsweise 60 Prozent der Kolonkarzinom-OPs minimalinvasiv durchgeführt, in den USA immerhin noch 50 Prozent. Wir sind technisch in der Lage, auch Bauchspeicheldrüse oder Speiseröhre minimalinvasiv zu operieren. Ich denke, dass sich die Zeit der großen operativen Zugänge, der Bauchschnitte, dem Ende zuneigt. Denn nicht nur die Diagnostik und Therapie verbessern sich immer mehr, auch die Medizintechnikhersteller sorgen mit verbessertem Equipment dafür, dass minimalinvasive Techniken immer breiter eingesetzt werden können.


Das heißt, die Technik ist entscheidend bei minimalinvasiven Eingriffen?
Es ist vor allem die Sichtqualität, die OP-Ergebnisse positiv beeinflusst. Und hier ist in den letzten Jahren viel in Forschung und Entwicklung investiert worden. Ein Beispiel ist sicherlich die neue 4K-Auflösung des Medizintechnikherstellers Richard Wolf, die meines Erachtens nach Standard für die Kameraauflösung bei minimalinvasiven Eingriffen sein sollte.
 

Sie haben bereits mit der 4K-Auflösung gearbeitet – warum sollte sie Standard werden?
4K steht für vier Mal HD. Das bedeutet, dass die Bildgenauigkeit vier Mal größer ist als bei HD. Wir sehen mit der 4K-Auflösung vor allem mehr Details von Strukturen, womit wir verschiedene Gewebeschichten auch deutlich besser unterscheiden können. Das ist deshalb ein so großer Vorteil, weil wir bei minimalinvasiven Eingriffen nur mit dem Auge operieren. Bei offenen OPs haben die Chirurgen zwar die schlechtere Sicht, können allerdings ihren Tastsinn zur Hilfe nehmen, um Unterschiede im Gewebe festzustellen.
 

Hat eine höhere Bildgenauigkeit weitere Vorteile?
Die 4K-Auflösung lässt den Operateur die Tiefe wesentlich besser erkennen, so dass sie das Gefühl haben, die entsprechenden Organe fast wie in natura – also fast wie in 3D – zu sehen. Somit kann wesentlich präziser gearbeitet werden, was nicht nur die Qualität der OPs verbessert, sondern auch OP-Zeit und Komplikationen verringert.


Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Medizintechnikherstellern bei der Entwicklung neuer Technologien, wie etwa der 4K-Auflösung, aus?
Das ist natürlich von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass erfolgreiche Hersteller immer sehr eng mit den Medizinern zusammenarbeiten. Denn nicht alles, was möglich ist, ist auch immer sinnvoll. Und ein Ingenieur kann im Labor alleine eben nur bedingt Modelle von OPs oder Prozessen bauen, die er nicht kennt.
 

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Was können wir erwarten?
Ich denke, dass sich die Kamerasysteme in den kommenden Jahren noch deutlich weiterentwickeln werden – ebenso wie die Robotik, die flexible endoskopische Chirurgie sowie die onkologische minimalinvasive Chirurgie. All das wird an Wichtigkeit zunehmen. Vermutlich wird ein Chirurg in 25 Jahren eine OP nur noch planen und überwachen. Die Durchführung selbst übernimmt die Technik.  


www.richard-wolf.com