Personalisierte Medizin für Jeden

Oktober 2016 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Personalisierte Medizin für Jeden

Bei Molecular Health arbeitet man mit Hochdruck daran, dass die personalisierte Medizin von der Ausnahme zur Regel wird.

Dr. Stephan Brock; Geschäftsführer; Molecular Health GmbH
Molecular Health GmbH / Beitrag

Herr Dr. Brock, was macht personalisierte Medizin vor allem in der Krebstherapie so interessant?
In der Krebstherapie ist der erste Schritt, den wir mit der personalisierten Medizin gehen, die Genomsequenzierung des Tumors. Das heißt, wir analysieren die DNA des Tumors an und können genau bestimmen, welche Veränderungen zum Krebsgeschehen beitragen. Mit anderen Worten: Wir versuchen, die tatsächliche Ursache der Erkrankung zu verstehen. Ist das gelungen, ist es wesentlich einfacher, zielgerichtet einzugreifen. Genau hier liegt der große Mehrwert der personalisierten Medizin.

Wofür Sie auch auf moderne IT und Big Data setzen.
Genau. Wir vergleichen molekulare Laboranalysen eines Patienten mit dem weltweit verfügbaren Medizinwissen mittels eines eigens entwickelten Data Warehouse für biomedizinische Daten. So können wir beispielsweise mögliche individuelle Nebenwirkungen aufgrund der Tumorsequenzierung bestimmen oder Risiko-analysen fahren.

Was meinen Sie mit Risikoanalysen?
Nehmen Sie das Endometriumkarzinom, eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut, als Beispiel: Einige Patientinnen profitieren von einer zusätzlichen Chemotherapie, bei anderen ist diese Belastung unnötig. Die Fehlerquote der klassischen Pathologie ist jedoch recht hoch. Sie wollen aber weder Frauen unnötig belasten, noch einer Risikopatientin keine Chemotherapie zukommen lassen. Genau hier können die individuellen Risiko-analysen, die mit unserem Ansatz der personalisierten Medizin möglich sind, einen großen Mehrwert bieten. Dabei profitieren wir sehr von Projekten, bei denen wir aus echten Krankheitsverläufen lernen können. Die große Crux bei vielen klinischen Studien ist nämlich, dass sie nicht wirklich repräsentativ sind und laut Untersuchungen sogar nur etwa drei Prozent der Bevölkerung widerspiegeln.

Wie steht das Gesundheitssystem bisher zu Ihrem Ansatz?
Um unserem Ziel einer personalisierten Medizin in der Regelversorgung näher zu kommen, müssen wir natürlich den Wirtschaftlichkeitsnachweis für Krankenkassen erbringen, beispielsweise über Regis-terstudien.

Das klingt noch nach einem weiten Weg.
Sicherlich ist der Einsatz personalisierter Medizin bisher eher noch die Ausnahme als die Regel. Doch daran arbeiten wir und sind auch bereits ein großes Stück vorangekommen. Wir erfüllen beispielsweise die Anforderungen an ein Medizinprodukt und sind mit einigen Krankenkassen und Kliniken in weit fortgeschrittenen Gesprächen betreffend Selektivverträgen zur personalisierten Medizin bei einem jeweils klar definierten Patientenkollektiv.

Das heißt, Interesse von Krankenkassen und Kliniken ist vorhanden?
Absolut – vor allem auch deshalb, weil wir beispielsweise mit unserer Tumorgenomsequenzierung in Bereichen arbeiten können, in denen die Fallzahlen niedrig sind, der Bedarf an zielführenden Therapien aber hoch ist. Und auch die bereits angesprochene Risikoklassifizierung ist für Krankenkassen ein interessantes Feld, weil hier die Kombination aus Überlebensvorteil und Kos-teneinsparung der personalisierten Medizin überzeugt.

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