Mit Herz & Verstand

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Ein gesunder Umgang mit unserem Körper und unserer Psyche kann dagegen helfen.
Illustrationen: Ivonne Schulze
Illustrationen: Ivonne Schulze
Axel Novak Redaktion

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Jedes Jahr sterben rund 345.000 Menschen an solchen Erkrankungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bezeichnen viele unterschiedliche Leiden. Oft erkennen Kranke nicht, dass sie erkrankt sind. Bleiben Krankheiten aber unbehandelt, steigt das Risiko nachhaltiger Schäden oder eines plötzlichen Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Das liegt an der zentralen Rolle des Herzens in unserem Körper. Dieses unglaublich leistungsfähige Organ – kaum größer als die Faust eines ausgewachsenen Menschen – sorgt dafür, dass alle Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, 24/7, ein Leben lang.

 

Das Herz: Zahlen und Fakten

 

Zwischen 60 und 80 Mal pro Minute schlägt das Herz dafür in Ruhe – mehr als 100.000 mal am Tag. Verantwortlich dafür sind spezielle Zellen, die einen kleinen elektrischen Impuls auslösen, weshalb das Herz auch außerhalb des Körpers schlagen kann. Das Herz pumpt sauerstoffreiches Blut über die Hauptschlagader in die Arterien bis in die kleinsten Haargefäße. Das sauerstoffarme Blut aus dem Gewebe fließt durch die Venen zum Herz zurück und wird im Lungenkreis erneut mit Sauerstoff angereichert.


Größte Schlagader des Körpers ist die bis zu 40 Zentimeter lange Aorta: Bei einem gesunden Menschen ist sie größer als ein Halbzoll dicker Gartenschlauch. Würde man sämtliche Blutgefäße eines Menschen aneinander legen, käme man auf 100.000 Kilometer Länge – das entspricht einem Viertel des Weges zum Mond.


Ein so hochleistungsfähiges Organ will sorgsam gepflegt werden. Für dessen Zustand sind die Menschen durch ihren Lebenswandel verantwortlich. Wer raucht und sich schlecht ernährt, schädigt dem Herzen und dem Kreislauf. Auch durch körperliche Bewegung und weniger Stress können Menschen zu ihrer eigenen Gesundheit beitragen. Denn Bluthochdruck beispielsweise, auch Hypertonie genannt, entsteht häufig durch einen ungesunden Lebensstil – allerdings spielen auch genetische Voraussetzungen eine Rolle. Bluthochdruck gilt als Volkskrankheit in Deutschland, die oft unbemerkt bleibt, aber das Risiko für Schäden an wichtigen Organen erhöht.


Falsche Ernährung sorgt auch für hohe Fettwerte im Blut. Die Folge können Ablagerungen an der Innenwand der Arterien sein. Werden diese Ablagerungen dicker, verengen sie den Durchfluss. Brechen sie auf, können sie Gefäße ganz verschließen. Atherosklerose oder Arteriosklerose nennt sich diese Erkrankung, die zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen bis zum Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.


So sorgt die häufige periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) für verengte Arterien in den Armen oder Beinen und damit für eine unregelmäßige Blutversorgung der Gliedmaßen. Besonders gefährlich ist die Koronare Herzerkrankung. Dabei verengen die Fett- oder Kalkablagerungen die Herzkranzgefäße, und das Herz wird nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt.


Eine weitere Folgeerkrankung ist die Herzklappenerkrankung. Hier stört eine verengte Herzklappe den Blutfluss im Herzmuskel. Auch Herzinsuffizienz – dabei ist das Herz infolge von Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen zu schwach für die nötige Pumpleistung – kann durch Atherosklerose entstehen. Das hat Folgen, denn die Pumpleistung des Herzens ist gewaltig: Jede Minute muss es die gesamte Blutmenge durch den Körper pumpen – rund sechs Liter pro Minute. Bei körperlicher Belastung kann dieses Volumen auf 20 bis 25 Liter in der Minute steigen. Keine dreiviertel Stunde würde man dann benötigen, um ein kleines Planschbecken zu füllen. Sinkt die Leistung, muss das Herz mehr arbeiten.

 

Zeit ist Herz

 

Die Symptome für Herzerkrankungen schleichen sich oft unbemerkt in den Alltag ein. Erst spürbare Anzeichen sind leichtes Unwohlsein und gelegentliche Schweißausbrüche bis hin zu Angina Pectoris – männliche Patienten klagen dabei über plötzliche Schmerzen und das Gefühl von Enge, Brennen, Druck oder Beklemmung hinter dem Brustbein. Oft strahlen Schmerzen in andere Körperregionen aus, etwa in Hals und Nacken, in die Zähne, oder in Arme, Oberbauch, und die Rückenregion zwischen den Schulterblättern. Frauen wiederum beschreiben das Symptom anders: Sie klagen häufiger über Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder Magenbeschwerden.


Wer solche Symptome an sich erkennt, sollte ärztlichen Rat einholen: Mit Herzerkrankungen ist nicht zu spaßen. Denn das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt, je länger Herz-Kreislauf-Erkrankungen unerkannt bleiben. Kommt es zum Infarkt – ein Gefäßverschluss unterbricht die Versorgung des Herzens – dann zählen Minuten. Zeit ist Herz, sagen Kardiologen. Je länger es dauert, bis der Rettungsdienst kommt, desto mehr Herzmuskelzellen können absterben. Dasgleiche gilt für den Schlaganfall, bei dem eine Durchblutungsstörung Teile des Gehirns außer Funktion setzt: Auch hier kommt es auf schnellstmögliche medizinische Versorgung an.


Unabhängig von den physischen Herzbeschwerden steht das Herz natürlich auch in einem emotionalen Zusammenhang. Als Sitz der Seele war es schon im Altertum und im Mittelalter das Organ, dem besondere Aufmerksamkeit galt. Noch heute sagen wir: Man sieht nur mit dem Herzen gut. In vielen Kulturen tragen Menschen den Ehering links: Der Legende zufolge soll eine Liebesader den linken Ringfinger mit dem Herzen verbinden, die so genannte Vena amoris. Auch hier gilt: Häufig entscheidet der Lebenswandel über den Zustand dieses ganz besonderen Herz-Kreislaufs.

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