Innovative Diagnostik eröffnet neue Therapieoptionen

Oktober 2020 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Innovative Diagnostik eröffnet neue Therapieoptionen

RESILIENT-Studie - Individualisierung der Therapie bei fortgeschrittenem oder schwierig zu behandelndem Krebs.

Dr. Timothy Crook, Consultant Medical Oncologist, Broomfield Hospital, UK
dataR cancer genetics / Beitrag

Dr. Crook, warum brauchen wir Innovationen in der Krebsdiagnostik?
 Ich bin seit vielen Jahren Onkologe und weiß, dass eine Krebsbehandlung zunehmend komplexer wird, wenn Krebsmedikamente mit jeder Änderung der Behandlung weniger wirken und Nebenwirkungen gehäuft auftreten. Die verminderte Wirksamkeit und erhöhte Toxizität schränken uns Ärzte dabei ein, metastasierten Krebs langfristig wirksam zu behandeln. Gegenwärtig beschränken wir uns in der alltäglichen Krebsdiagnostik auf einzelne Genmutationen. In der Realität wird das Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie aber durch verschiedenste Biomarker beeinflusst. Es gibt jedoch nur sehr wenige Kenntnisse darüber, wie sie kombiniert werden können, um eine optimale Therapie zu erreichen.

 

Was ist die Kernaussage der RESILIENT-Studie?
In der RESILIENT-Studie konnte anhand erster Ergebnisse die Hypothese bestätigt werden, dass die umfassende Identifizierung der molekularen Eigenschaften von Krebs bei jedem einzelnen Patienten wesentlich ist, um die medikamentöse Therapie zu personalisieren. Patienten profitieren von der Diagnostik, da es zu einem verzögerten Fortschreiten der Erkrankung oder im besten Fall zu einem Rückgang der Metastasen kommt.

 

Was macht die verwendete Methode besonders?
Unsere Methode ist einzigartig, da sie alle wesentlichen Aspekte einer Krebserkrankung analysiert. Jedem Patienten wird eine individuelle Empfehlung erstellt, u.a. durch die DNA-Analyse wichtiger Gene, die Testung der Wirksamkeit von Medikamenten direkt an Krebszellen sowie der Verwendung künstlicher Intelligenz, um die Vielzahl von Daten zu integrieren.

 

Die Testung der Wirksamkeit von klassischen Chemotherapien wird häufig diskutiert.
Gegenwärtig basiert die Auswahl der zuerst verabreichten Therapien auf Leitlinien. In bereits behandelten und metastasierten Patienten ist die Wahl einer klassischen Chemotherapie typischerweise ein empirischer Prozess ohne vorherige Diagnostik. Lange Zeit wurde versucht, das Ansprechen auf klassische Chemotherapien beim Einzelnen vorherzusagen ohne Erfolg. Wir verwenden einen völlig neuen Ansatz, bei dem die Überlebensmechanismen der Krebszellen genutzt werden, um sie in großer Zahl zu isolieren und dann ihre Empfindlichkeit gegenüber Arzneimitteln zu testen. Dafür ist eine Blutuntersuchung ausreichend. Wir haben dies an einer großen Anzahl von Patienten validiert.

 

Wird die Methode bereits in der täglichen Praxis angewendet?
Die neuartige Analyse wird zunehmend in Europa eingesetzt, v.a. bei Patienten, bei denen sich der Krebs bereits ausgebreitet hat. Der Test erhöht die Wahrscheinlichkeit einer effektiven Behandlung und verringert das Auftreten von Nebenwirkungen. Wir gehen davon aus, dass die Nutzung deutlich zunehmen wird, wenn wir weitere Publikationen veröffentlichen und der Test erstattet wird.


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