Digitale Tools für chronisch Kranke

Orbit Health, ein Digital Health-Start-up, bietet Lösungen für die bessere Versorgung chronischer Patienten – zunächst für Parkinson-Patienten.
Patty Lee CEO & Co-Founder von Orbit Health
Patty Lee CEO & Co-Founder von Orbit Health
Orbit Health Beitrag

Frau Lee, welche Herausforderungen ergeben sich bei der Betreuung chronisch kranker Patienten, etwa bei Parkinson?
Die Symptome chronischer Patienten sind immer präsent und müssen kontinuierlich überwacht und behandelt werden. Bei Parkinson-Patienten etwa schwanken die Symptome stark. Parkinson ist nicht heilbar, es gibt aber Medikamente gegen die Symptome. Dabei müssen die Wahl des Medikaments, Dosierung und Zeitpunkt auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Leider sehen die Patienten ihre Ärzte nur alle drei bis sechs Monate für 20 Minuten: eine reine Momentaufnahme. Damit die Patienten den größtmöglichen Nutzen aus ihren Behandlungen ziehen können, müssten die Ärzte aber ein kontinuierliches Bild haben, wie sie auf die Behandlung ansprechen.

Welche Lösung bieten Sie an?
Unsere Lösung, Neptune, überwacht und analysiert die motorischen Symptome und das Ansprechen auf die Behandlung von Parkinson-Patienten rund um die Uhr. Eine handelsübliche Smartwatch erfasst die Bewegungsdaten des Patienten. Diese Rohdaten werden von unserem Deep-Learning-Algorithmus verarbeitet und in klinische Daten umgewandelt. Der behandelnde Arzt kann auf sie zurückgreifen, um die Medikation anzupassen. Er kann sogar die Symptome vor und nach der Anpassung der Behandlung vergleichen. Das Entscheidende ist: Unsere Lösung kann normale Bewegungen von tatsächlichen motorischen Störungen unterscheiden und die Erkenntnisse so darstellen, dass Ärzte leicht reagieren können. Denn Daten allein reichen nicht aus – sie müssen auch schnell verstanden und in Maßnahmen umgesetzt werden.
 

 

Orbit Health

Wer steht hinter Orbit?
Ich bin seit über 15 Jahren in der Pharma- und Diagnostikbranche tätig. Mein Mitgründer, Dr. Franz MJ Pfister, ist Arzt und Datenwissenschaftler. Er behandelte Parkinson-Patienten, hatte aber wie alle Ärzte keinen kontinuierlichen Einblick in den Verlauf ihrer Symptome. Also begannen wir 2016 mit unserer Forschung und kombinierten Sensor- und KI-Technologie. Neptune hat viele klinische Studien durchlaufen und befindet sich nun im Zulassungsverfahren. In Zukunft werden wir unsere Lösung auf andere chronische Krankheiten ausweiten. Unser Ziel ist es, das Leben von Menschen mit chronischen Krankheiten durch digitale Gesundheitslösungen zu verbessern.

Welche Rolle wird Digital Health in der Zukunft der Medizin spielen?
Digital-Health-Applikationen können die Behandlung chronischer Krankheiten stark unterstützen. Sensor- und KI-Technologien liefern kontinuierliche und objektive Daten, die sonst nicht zur Verfügung stehen, und ermöglichen ein frühzeitiges Eingreifen und Präzisionsmedizin. Allerdings unterstützen viele Gesundheitssysteme noch nicht den routinemäßigen klinischen Einsatz digitaler Tools. Meines Erachtens sollte man – statt vor allem Anreize für die Behandlung von Patienten zu geben – ein kontinuierliches Monitoring zur Prävention unterstützen und dies angemessen vergüten. Ich glaube, dass DiGAs in diesem neuen Bereich tatsächlich führend sind. Der Wechsel von einem reinen Datenschutzdenken hin zu einem Datenlösungsdenken, bei dem die Patienten die sichere Weitergabe ihrer Daten ermöglichen können, ist ein Schlüsselfaktor für den Fortschritt im Gesundheitswesen.

www.orbit.health

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