»Nichts ist unmöglich!«

Celina Bischof lebt mit einer seltenen Muskelerkrankung und ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Auf Social Media erreicht sie Hunderttausende – nicht trotz, sondern mit ihrer Behinderung.

Illustrationen: Marie Friedrich
Illustrationen: Marie Friedrich
Verena Mörath Redaktion

Wenn Celina Bischof singt, wirkt ihr Körper beinahe schwerelos. „Singen hilft mir, meinen körperlichen Gesundheitszustand aufrechtzuerhalten – aber auch seelisch“, schreibt sie in ihrem Blog “Meineetwasanderewelt”. Singen wiegt eben nichts. Anders als ein Glas Wasser. Es hochzuheben, ist für andere ein beiläufiger Griff. Für die 26-Jährige fühlt es sich an „wie 50 Kilo”, beschreibt und zeigt sie in einem ihrer TikTok-Videos. 

Celina lebt mit Spinaler Muskelatrophie Typ 2, das ist ein seltener Gendefekt. Die Nervenzellen, die ihre Muskeln steuern, sterben nach und nach ab. „Man kann es als Muskelschwäche oder Muskelschwund bezeichnen“, erklärt sie. Diese Diagnose begleitet sie seit ihrem zweiten Lebensjahr, eine unheilbare Erkrankung. Zwar können Medikamente den Verlauf verlangsamen, aber: „Der Defekt bleibt.“ Vorteil der Therapie ist, dass sich nicht mehr so viele Nervenzellen so schnell abbauen. Das Medikament nimmt sie seit vier Jahren. Es gibt ihr „ein Stück Lebensqualität zurück“.

Unabhängig ist sie deshalb nicht. „Schon kleine Dinge wie trinken holen, kochen, essen oder aus- und anziehen schaffe ich nicht ohne Hilfe.“ Deshalb wird sie im Alltag von einem Assistenzteam 24/7 darin unterstützt, wie sie sagt, „selbstbestimmt zu leben”. Sie wohnt mit ihrem Partner zusammen, studierte Online-Journalismus und arbeitet seit zwei Jahren beim öffentlich rechtlichen Rundfunk (ZDF) als Social Community Managerin. Außerdem ist sie Social-Media-Influencerin.

Sie bilanziert, dass vor allem bürokratische Hürden ihren Zielen im Wege gestanden hätten. Auch beim Fernsehsender musste sie für Barrierefreiheit am Arbeitsplatz kämpfen. Sie beschreibt sich selbst als ehrgeizig, zielstrebig und willensstark. Dabei gerät nicht ihr „Geist, sondern der Körper manchmal an Grenzen!” Und es sei dann Zeit, sich mal auszuklinken aus der Öffentlichkeit. Wütend macht sie, dass sie mit ihrer Behinderung oft unterschätzt werde, obwohl sie genauso leistungsfähig sei wie Menschen ohne Behinderung. 

Bekannt wurde Celina ohne großen Plan. Anfangs postete sie Gesangsvideos, dann Alltagsszenen. Zur Bekanntheit war es “ein fließender Übergang.“ Mit der Reichweite wuchs dann der Wunsch, Vorurteile über Menschen mit Behinderung abzubauen und zu zeigen, dass ihr Leben genauso lebenswert sei wie jedes andere. Sie hat heute 100.000 Followerinnen und Follower auf TikTok, 12.000 auf Instagram. Celina betont: „Ich lebe so, wie ich es immer wollte – und werde von Menschen unterstützt, auf die ich mich zu hundert Prozent verlassen kann.“ Ihr ganz persönliches Ziel: „Ich möchte viel mehr von der Welt sehen.“ Vier Tage in London war die letzte größere Reise, warum nicht bald nach Dubai oder das Mittelmeer auf einem Kreuzfahrtsschiff erkunden?

Celinas Botschaft ist klar: „Man kann trotz vieler Hindernisse viel erreichen. Nichts ist unmöglich, auch mit einer Behinderung.” Sie habe endlich gelernt, sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren, wie sie ist. Eine junge Influencerin, die mit ihrem Kampfgeist, ihrer Zuversicht und ihrem Lebensmut überzeugt. 
@celina.bsf
 

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