»Wenn Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, können wir mit Technik helfen«

Beitrag von CVRx

Univ. Prof. Dr. med. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie Medizinische Hochschule Hannover
Univ. Prof. Dr. med. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie Medizinische Hochschule Hannover
CVRx Beitrag

Herr Professor Bauersachs, wann gilt ein Bluthochdruck oder eine chronische Herzschwäche als „therapieresistent“?
Es gibt Patienten, deren Bluthochdruck (medizinisch Hypertonus) ist trotz der regelmäßigen Einnahme von mehreren blutdrucksenkenden Medikamenten immer noch zu hoch. Dann sprechen wir von einer „therapieresistenten Hypertonie“. Der Bluthochdruck tut zwar in der Regel nicht weh, wenn er allerdings langfristig besteht, erhöht sich dadurch das Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall zum Teil sehr stark.

Bei der chronischen Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, ist es ähnlich: Das Herz pumpt trotz zahlreicher vom Patienten eingenommener Medikamente nicht ausreichend Blut durch den Körper. Im Unterschied zum Hypertonus führt die chronische Herzschwäche aber zu Beschwerden, die die Lebensqualität des Patienten stark einschränken können, wie zum Beispiel Atemnot, Wassereinlagerungen in den Beinen und in ausgeprägten Fällen das Unvermögen, Treppen zu steigen.

Was können Sie für solche „austherapierten“ Patienten noch tun?
Wenn bei einem Patienten trotz einer maximalen medikamentösen Therapie der Blutdruck zu hoch oder das Herz zu schwach bleibt, was gar nicht so selten vorkommt, können wir beide Erkrankungen mit der Implantation eines kleinen Herzschrittmacher-artigen Gerätes sehr gut therapieren. Das Gerät wird mit einem kleinen Eingriff unter die Haut im Bereich unterhalb des Schlüsselbeines implantiert. Dann legt der Arzt eine Sonde vom Gerät unter der Haut bis zur Halsschlagader, wo sich Zellen in der Gefäßwand befinden, die den Druck im Blutgefäß messen (Barorezeptoren). Über kleine elektrische Impulse wird dann der sogenannte Baro-
rezeptorenreflex moduliert, weshalb die Therapie auch Baroreflex-Aktivie-rungs-Therapie genannt wird, kurz BAT.

Wie funktioniert die BAT?
Durch die BAT wird das autonome Nervensystem stimuliert, also der Teil des Nervensystems, der nicht der willkürlichen Kontrolle unterliegt und zum Beispiel Schwitzen oder die Herzfrequenz regelt. Der bei Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz chronisch gestörte Baroreflex wird durch die elektrische Stimula-tion, die der Patient im übrigen nicht spürt, wiederhergestellt.

Welche Wirkung bemerkt der Patient?
Der Patient und natürlich auch sein Arzt stellen nach der Implantation fest, dass bei einem Bluthochdruck, der trotz einer maximalen medikamentösen Therapie immer noch zu hoch war, der Blutdruck deutlich sinkt und sich so das Risiko für Folgeerkrankungen reduziert.
Bei einer vorbestehenden therapieresistenten Herzschwäche nimmt durch die BAT die körperliche Belastbarkeit deutlich zu, Patienten können eine längere Strecke am Stück gehen, besser Treppen steigen, und auch die vom Arzt gemessenen Herzleistungswerte bessern sich.

Was sollte ein Patient tun, der von einem therapieresistenten Bluthochdruck oder einer therapieresistenten Herzschwäche betroffen ist?
Betroffene sollten sich am besten an ihren Hausarzt oder ihren Kardiologen wenden und diesen auf die Möglichkeit einer BAT ansprechen. Dann wird der Arzt den Patienten, wenn dieser geeignet ist, in ein medizinisches Zentrum überweisen, in dem die BAT angeboten wird, wovon es in Deutschland bereits zahlreiche gibt.
 
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