Last auf der Lunge

Manchmal ist es nur ein Schnupfen. Atemwegserkrankungen können aber auch schwere Formen annehmen: COPD, Lungenkrebs oder Asthma sind lebensbedrohlich. Moderne Therapien können zwar nicht immer heilen, so doch lindern. Wichtig ist die Prävention.

Illustration: Laura Neuhäuser
Illustration: Laura Neuhäuser
Dr. Ulrike Schupp Redaktion

Atemwegserkrankungen sind in Deutschland einer der häufigsten Gründe für Fehlzeiten im Job. Das Spektrum reicht von Husten und Schnupfen in den Wintermonaten, Pollen oder Sporenallergien bis hin zu schweren Erkrankungen wie Asthma Bronchiale oder COPD. Jährlich wird außerdem über 57.000-mal die gefürchtete Diagnose „Lungenkrebs“ gestellt. Für Männer ist dies die zweithäufigste Krebsform nach Prostatakrebs. Für Frauen die dritthäufigste nach Brust- und Darmkrebs. Die Diagnosen erfolgen oft spät, obwohl die Therapien besser wirken, wenn eine Atemwegserkrankung frühzeitig erkannt wird.

Mit der Luft gelangen auch Viren oder Bakterien in den Körper und verursachen dort manchmal Infektionen, die als „Erkältungen“ erlebt werden. Durch Auskühlung ist zunächst die Abwehr geschwächt und die Viren haben leichtes Spiel. Husten und Schnupfen sind die Abwehrmechanismen, die schädliche Stoffe hinausbefördern sollen. Mit etwas Ruhe heilen Erkältungen meist mehr oder weniger von allein aus. Kritisch werden die Infektionen, wenn es sich zum Beispiel um eine „echte Grippe“ mit hohem Fieber handelt, die ärztliche Behandlung erfordert, oder wenn die Symptome einer Bronchitis chronisch werden.

COPD: Der ganze Körper leidet

Mehr als 480 Millionen Menschen leiden weltweit an COPD, einer chronischen Verengung der Atemwege, die im Verlauf der Krankheit oft noch weiter zunimmt. An den Bronchien und dem Lungengewebe treten dann Entzündungen auf, die das Lungengewebe schließlich zerstören können. COPD hat einen potenziell tödlichen Verlauf und zählte 2019 nach koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Zum Krankheitsbild gehören die sogenannten AHA Symptome – Auswurf, Husten und Atemnot. Eingeatmete Luft kann durch die verengten Bronchien nur schwer wieder ausgeatmet werden. Es kommt zu einer Überblähung der Lunge, durch die das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskulatur beeinträchtigt werden. Anders als bei gesunden Menschen, ist der Atemvorgang richtig anstrengend und kostet einiges an Muskelkraft. Da die Erkrankung zu einer Sauerstoffunterversorgung führt, leidet der ganze Körper, vom Herz bis zu den Muskeln. Rauchen gilt als Hauptursache. Betroffene sollten darauf also unbedingt verzichten. COPD ist bislang noch nicht heilbar. Allerdings können Symptome abgemildert und ein schwerer Verlauf verzögert oder sogar verhindert werden. Zur Basistherapie gehören Inhalate und neben Therapietreue helfen vor allem Lungensport und Atemgymnastik. Die Diagnose erfolgt nach der Anamnese meist über eine Lungenfunktionsprüfung. Röntgen und Computertomografie gehören ebenfalls zur Standard-COPD-Diagnostik. Da Ärzte und Ärztinnen sowie Betroffene selbst die Symptome oft bagatellisieren und mit einer Erkältung oder Asthma verwechseln, kommt auch hier die Diagnose meist ziemlich spät.

Reize von Außen

Asthma ist eine Überempfindlichkeitsreaktion der Bronchien auf Reize von außen, oft auf alltägliche Stoffe wie Tierhaare oder Staub. Die heftige und manchmal lebensbedrohliche Reaktion geht anfallartig mit einer Verengung der Bronchien, mit Atemnot und entsprechend reduzierter Sauerstoffzufuhr für die Organe einher. Zu den Symptomen zählen Atemnot und manchmal trockener Husten. Das Immunsystem, verschiedene Arten von Immunzellen und Botenstoffen spielten bei der Entstehung der Erkrankung eine wichtige Rolle. Forschende konnten über Studien in Teilen des Erbgutes, die mit dem Immunsystem assoziiert sind, Genvarianten identifizieren, die das Asthmarisiko erhöhen. Etwa 10 bis 15 % der Lungen- und Atemwegs-Erkrankungen sind der Deutschen Lungenstiftung zufolge auf den Arbeitsplatz zurückzuführen. Mehlstäube, Tierhaare oder Lacke gehören zu den Auslösern. Doch auch Feinstäube schaden der Lunge, Umweltgifte, Abgase oder die Dämpfe chemischer Reinigungsmittel. Neben entzündungshemmenden, bronchienerweiternden Medikamenten helfen bei Asthma körperliches Training und Tabakverzicht. Betroffene müssen sich allerdings oft beruflich umorientieren.

Tabak ist Hauptrisikofaktor bei Lungenkrebs

„Rauchen“ ist auch bei der Entstehung von Lungenkrebs einer der Hauptrisikofaktoren. Diskutiert werden der Deutschen Lungenstiftung zufolge außerdem genetische Ursachen sowie ein Zusammenhang mit Virusinfektionen. Lungenkrebs entwickelt sich zunächst fast symptomlos. Anhaltender Husten, Atemnot und Gewichtsverlust sind zwar Warnzeichen, können aber auch einen anderen, harmlosen Hintergrund haben. Zunehmend verbessern neue Therapien, die ergänzend zu den klassischen Behandlungsmethoden Operation, Chemotherapie und Bestrahlung eingesetzt werden, die Situation und die Prognose auch für Patienten und Patientinnen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs. Zu den neuen Krebstherapien gehören zielgerichtete Therapien, die Krebszellen über deren besondere Merkmale erkennen und angreifen, Immuntherapien, die das körpereigene Abwehrsystem nutzen und Virotherapien, die mithilfe gentechnisch veränderter Viren Krebszellen zerstören können. Zu den wichtigsten Diagnoseverfahren bei Lungenkrebs zählen Röntgenuntersuchungen, durch die sich vor allem am Lungenrand liegende Tumoren gut erkennen lassen und Computertomographien, um Tumoren im Lungeninneren zu entdecken.

Über eine Bronchoskopie können die Bronchien untersucht und Gewebeproben für eine Labordiagnostik entnommen werden. Beispielsweise wird das Tumorgewebe in spezialisierten medizinischen Zentren molekulargenetisch auf Veränderungen untersucht. Die entdeckten Treibermutationen stehen dann im Fokus neuer Therapien, bei denen das individuelle Mutationsmuster eines Tumors einen möglichen Angriffspunkt für Medikamente bildet.

Bei Atemwegserkrankungen ist Prävention wichtig, auch um Verschlechterungen zu verhindern. Wer seinen Atemwegen etwas Gutes tun will, sollte Infektionen nach Möglichkeit vermeiden. Dabei können Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken helfen sowie zusätzlich regelmäßiges Händewaschen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin können Patienten und Patientinnen ihre Lungenfunktion durch Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Schwimmen oder Radfahren fördern.

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