Durch die Haut

Transdermale Systeme sind spezielle Pflaster, die Wirkstoffe direkt durch die Haut in den Blutkreislauf transportieren – oft mit weniger Nebenwirkungen als Tabletten.
LTS_Pflaster
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LTS AG Beitrag

Unruhe, Schlafstörungen, Übelkeit – die Liste der Nebenwirkungen vieler Medikamente ist lang. Deshalb weigern sich Patienten häufig, ihre Medikamente einzunehmen, was wiederum für Frust und Stress bei Pflegern, Angehörigen und den Patienten selbst sorgt und den Therapieerfolg gefährdet. Dabei müssen viele Wirkstoffe gar nicht zwingend oral verabreicht werden. Vielmehr können sie mit sogenannten transdermalen therapeutischen Systemen direkt über die Haut in den Blutkreislauf transportiert werden – mit vielen Vorteilen für die Patienten und deren Therapie. 

 

Ihre Wurzeln haben die transdermalen Pflaster in der Raumfahrt der Sechziger Jahre. Damals ging es darum, ein Mittel gegen die Reiseübelkeit der Astronauten beim Start zu finden. Denn eine Tablette, die mit Wasser geschluckt werden muss, war bei deren Montur denkbar unpraktisch. Die Lösung war ein kleines Pflaster, das den Astronauten hinters Ohr geklebt wurde und das so über die Haut den Wirkstoff gegen Übelkeit direkt in den Blutkreislauf brachte. Eine weitere große Revolution der transdermalen Pflaster gab es dann vor etwa 20 Jahren mit dem allseits bekannten Nikotinpflaster. 

 

Seit dem hat sich viel getan. Mittlerweile gibt es etwas über 20 Wirkstoffe, die transdermal wirken und damit bereits heute einen breiten Anwendungsbereich bedienen können – zum Teil sogar dort, wo Tabletten an ihre Grenzen stoßen, wie die Parkinson-Therapie mit dem Wirkstoff Rotigotin beweist. Er zeigt bei oraler Gabe eine schlechte Bioverfügbarkeit. Dahinter verbirgt sich eine pharmakologische Größe, die den Anteil eines Wirkstoffes beschreibt, der unverändert im Blutkreislauf zur Verfügung steht. Schlecht heißt in diesem Fall, dass Rotigotin die Hürde unseres Verdauungssystems nicht nehmen und deshalb nicht wirken kann. Als Pflaster über die Haut gelangt der Wirkstoff hingegen direkt in den Blutkreislauf und hat somit eine wesentlich bessere Bioverfügbarkeit. 

 

Diese Eigenschaft ist überhaupt einer der großen Vorteile der Pflaster. Denn herkömmliche Tabletten müssen immer den Weg über unseren Magen-Darm-Trakt nehmen, weshalb allzuoft nur ein Teil des eigentlichen Wirkstoffs tatsächlich am Zielort ankommt. Außerdem reicht die Anwendungsdauer der Pflaster je nach Einsatzgebiet von wenigen Stunden bis hin zu sieben Tagen, was einerseits den Komfort für die Patienten erhöht. Andererseits kann dadurch auch der Wirkstoffspiegel besser über eine längere Zeit konstant gehalten werden, was sich wiederum positiv auf die Therapie zum Beispiel von Alzheimer-, Parkinson- und Schmerzpatienten sowie in der Palliativmedizin auswirkt. Da also weder der Plasmaspiegel schwankt und es auch keine Verstoffwechselung durch die Leber nach oraler Gabe gibt, sind die Nebenwirkungen oftmals geringer. Und sollten doch einmal unerwartet welche auftreten, kann die Therapie  jederzeit durch einfaches Entfernen des Pflasters abgebrochen werden. Änderungen in der Dosierung erfolgen ganz einfach über unterschiedliche Pflastergrößen. 

 

Dieses Gros an Vorzügen überzeugt natürlich Patienten wie auch das Pflegepersonal gleichermaßen. Eine aktuelle Patientenumfrage im Auftrag der LTS AG, einem führenden Anbieter von transdermalen therapeutischen Systemen, zeigt, dass 84 Prozent der Befragten die Anwendung der Pflaster mit einer Note zwischen acht und zehn bewerteten, wobei zehn für sehr angenehm und eins für sehr unangenehm stand. Die Noten eins bis drei wurden nicht vergeben. Auf die offene Frage, was den Patienten besonders gefällt, wurde am meisten die Wirksamkeit und Effizienz, das Mehr an Lebensqualität, die wenigen Nebenwirkungen und die einfache und unkomplizierte Anwendung gelobt. 

 

TRANSDERMALE SYSTEME: VIELSEITIG EINSETZBAR

 

Transdermale Pflaster können für viele Anwendungsbereiche eine interessante Alternative sein. Welches System dabei genau zum Einsatz kommt, hängt immer vom Wirkstoff und der Therapie ab und wird daraufhin maßgeschneidert. 

 

Derzeitige Anwendungsbereiche:

+ Alzheimer

+ Parkinson

+ Angina pectoris

+ Behandlung schwerer Schmerzen

+ Nikotinabhängigkeit

+ Empfängnisverhütung

+ Hormonersatztherapie

+ Migränetherapie

+ Aktinische Keratose

 

www.ltslohmann.de
www.durch-die-Haut.de

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