Flower-Power fürs Herz

Behandlung von Vorhofflimmern mit neuartiger Ablationstechnik

PROF. DR. MED. ISABEL DEISENHOFER, Leiterin Abteilung für Elektrophysiologie am Deutschen Herzzentrum München
PROF. DR. MED. ISABEL DEISENHOFER, Leiterin Abteilung für Elektrophysiologie am Deutschen Herzzentrum München
Boston Scientific Beitrag

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland. Insbesondere ältere Menschen sind betroffen, so leiden 10 % der über 70-Jährigen und 20 % der über 80-Jährigen an Vorhofflimmern. Die Erkrankung ist an sich nicht unbedingt gefährlich, kann aber gravierende Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Frau Prof. Deisenhofer leitet die Abteilung für Elektrophysiologie am Deutschen Herzzentrum München und stand uns für ein Interview zur Verfügung.
 

Frau Prof. Deisenhofer, mit welchen Symptomen macht sich Vorhofflimmern bemerkbar?

Es gibt zwei Arten von Vorhofflimmern, das anfallsartige und das dauerhafte Vorhofflimmern. Während eines neu auftretenden Vorhofflimmerns fühlen sich die Betroffenen plötzlich abgeschlagen und innerlich unruhig. Menschen mit dauerhaftem Vorhofflimmern nehmen den unregelmäßigen Herzschlag oft gar nicht wahr. Hier sind das Problem die Folgeerkrankungen, wie Schlaganfälle oder Herzschwäche. Regelmäßige Besuche beim Hausarzt sind deshalb wichtig. Es kann aber auch jeder selbst Vorsorge betreiben: So zeigen moderne Blutdruckgeräte an, ob ein unregelmäßiger Herzschlag vorliegt. Smartwatches zeichnen den Herzrhythmus sogar rund um die Uhr auf.
 

Wie behandeln Sie Vorhofflimmern am Deutschen Herzzentrum München?

Zunächst wird das individuelle Schlaganfallrisiko bestimmt. Bei einem hohem Risiko sind Medikamente zur Blutverdünnung notwendig. Im zweiten Schritt wird das Vorhofflimmern selbst angegangen. Dies kann mit Medikamenten erfolgen, oder mit einer minimalinvasiven Katheterablation. Studiendaten zeigen klar, dass die Katheterablation der medikamentösen Therapie überlegen ist. Bei 75–80 % der Patienten tritt das Vorhofflimmern nach einer Katheterablation dauerhaft nicht mehr auf.

Mit der Pulsed Field Ablation kann Vorhofflimmern wirksam, schnell nd ohne Komplikationen ausgeschaltet werden.
Mit der Pulsed Field Ablation kann Vorhofflimmern wirksam, schnell nd ohne Komplikationen ausgeschaltet werden.

Mit der Pulsed Field Ablation steht Ihnen eine neue Energieform für die Ablation zur Verfügung. Welches System nutzen Sie?

Wir nutzen den FARAPULSETM-Katheter, der die sog. Pulsed Field Ablation (PFA) ermöglicht. Mit der PFA werden die betroffenen Herzmuskelzellen spezifisch durch gepulste elektrische Felder behandelt, während das umliegende Gewebe geschont wird. Die Methode löst keine Entzündungsreaktion aus und ist deshalb besonders schonend. Der Eingriff dauert nur eine gute halbe Stunde und erzielt die gleichen hohen Erfolge wie die konventionelle Ablation. Bei 75–80 % der Patienten kann das anfallsartige Vorhofflimmern mit der PFA beseitigt werden. Weltweit wurden bereits mehr als 70 000 Patienten mit dieser Methode behandelt.
 

Der FARAPULSE-Katheter sieht aus wie eine Blume. Hat das einen besonderen Vorteil?

Vorhofflimmern entsteht häufig an den Einmündungsstellen der Lungenvenen in den Herzvorhof. Der Katheter kann von einem Korb zu einer Blume entfaltet werden. So kann er sich optimal der Lungenvenen-Anatomie anpassen. In wenigen Minuten sind die aus dem Takt geratenen Herzzellen ausgeschaltet und der Patient ist beschwerdefrei. Das ist Flower-Power für das Herz.
 

Wie schätzen Sie die Zukunft der Pulsed Field Ablation ein?

Aktuell wird die PFA noch nicht als Erstlinientherapie empfohlen, ich rechne aber mit einer Anpassung der Empfehlungen. Die Wahl des Ablationsverfahrens, PFA oder gleichwertige, bereits etablierte Verfahren, wird sich in Zukunft nach den individuellen Patientenbedürfnissen richten. Die PFA ist insbesondere bei anfallsartigem Vorhofflimmern geeignet. Durch die kürzere, schonendere Behandlung haben die Patienten nach dem Eingriff keine Schmerzen und können die Klinik am nächsten Tag beschwerdefrei verlassen.

www.bostonscientific.com
 

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