Keine Chance gegen den Schlaf

Plötzlich einschlafen, wo immer man geht und steht – für viele gehört die Narkolepsie in das Reich der Hollywoodfilme. Für Betroffene ist sie ein Fluch.
Illustration: Robert Seegler
Illustration: Robert Seegler
J.W. Heidtmann Redaktion

Die meisten Menschen werden sie schon mal erlebt haben, diese Müdigkeit, die so überwältigend wurde, dass sie im Stehen einschliefen. Oder im Sitzen. Die kennen wiederum viele von langen Autofahrten. Wenn man sich eine solche Situation vorstellt, aber ohne jede Chance, gegen den Schlaf anzukämpfen, dann hat man vielleicht eine Ahnung davon, wie sich Narkolepsie-Patienten fühlen müssen.

Die Narkolepsie oder Schlafkrankheit ist eine seltene Erkrankung, die es zu einigem Ruhm gebracht hat. Im Hollywod-Film „My Private Idaho“ spielte der Schauspieler River Phoenix eindrucksvoll einen Narkolepsie-Patienten. Bevor er einen Anfall bekam und einschlief, torkelte er wie ein Betrunkener herum. Das ist typisch für Narkolepsie-Patienten – bevor sie einschlafen, wird ihr Blick glasig, die Aussprache undeutlich und der Gang unsicher. Zugleich resultiert daraus auch ein schwerwiegendes soziales Problem. Denn Außenstehende interpretieren die Situation ihres Gegenübers oft falsch.  

Über die Narkolepsie konnte bisher wenig herausgefunden werden. Forscher gehen davon aus, dass im Hypothalamus durch eine Entzündungsreaktion zu wenig von dem Hormon Hypocretin gebildet wird, das Einfluss auf das Schlafverhalten hat. Selten ist die Erkankung auch deshalb, weil sie so schwer zu diagnostizieren ist. Bei 4.000 Patienten in Deutschland ist die Erkrankung diagnostiziert, man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Das Problem ist, dass bei kaum einem Patienten alle Symptome in voller Ausprägung auftreten – es gibt große individuelle Schwankungen. Manche schlafen nur ein paar Minuten, andere Stunden. Die einen können nachts nicht schlafen, andere durchleben in einem halbwachen Zustand Halluzinationen. Meist lassen sich die Ausprägungen der Symptome erst bei sehr eingehenden Untersuchungen nachweisen.

Zudem leiden Narkoleptiker häufig auch an anderen Schlaferkrankungen und an so genannter Kataplexie, dabei versagen plötzlich die Muskeln. Dann fallen sie einfach um, ob in der Öffentlichkeit oder auf der Straße, im Wartezimmer oder bei der Arbeit. Kein Wunder also, dass Narkolepsie die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen stark einschränken kann. 

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