Ein Werbedreh im TV-Studio: Scheinwerfer, Mikrofone, ein Team, das Licht und Kamera justiert, und auch eine Hair und Makeup Artistin ist vor Ort. Sie kümmert sich um Nadine Breaty, die Millionen von Menschen als eine der größten deutschen Social-Media-Persönlichkeiten kennen. Seit fast zwei Jahren ist sie auch Markenbotschafterin für Haarstyling-Produkte und setzt dabei auf ihren natürlichen Look. Doch dieser Drehtag ist mehr als Werbung – er steht für ihre ungewöhnliche Reise von einem „Anderssein“ zur professionellen Bühne.
Nadines auffälligsten Merkmale sind ihre weißen Haarsträhnen und Hautflecken aufgrund einer genetischen Pigmentstörung namens Piebaldismus, mit der sie geboren wurde. Doch damit war sie nicht allein. Ihr Großvater, Vater und Bruder auch Cousinen tragen dieselbe Besonderheit. Für Nadine sind diese Auffälligkeiten wie „ein Familientattoo“, eine Selbstverständlichkeit im Alltag.
„Ich musste immer damit klarkommen“, sagt sie im Gespräch, und erzählt, wie Neugier sie einmal dazu brachte, ihre weißen Strähnen mit anderen Haaren zu überdecken – nur um festzustellen, „wie langweilig“ sie sich ohne fand. Heute ist genau das ihr Erkennungszeichen – und ein integraler Teil ihrer Geschichte. Zusammen mit ihren Outfits, Tanz, Gesang und ihrem Sinn für Humor ist die junge Frau vor über fünf Jahren in die Öffentlichkeit getreten und eine der erfolgreichsten deutschen Influencerinnen geworden. Mittlerweile folgen der Creatorin Millionen von Menschen auf TikTok, Instagram und YouTube unter @nadinebreaty. Ihre Botschaft: Alles ist möglich, wenn Anderssein nicht verschwiegen wird. Dass sie viele Menschen in ihren Bann zieht, erklärt sie mit einer einfachen Einsicht: „Ich zeige, dass niemand sich für ein Anderssein entschuldigen muss. Und es ist eine Einladung, stolz zu sein auf das, was einen Menschen einzigartig macht.“ Neben ihrer Pigmentstörung spricht sie ebenso offen über ihre Borderline-Persönlichkeitsstörung und depressive Phasen, die schon einen Klinikaufenthalt nötig gemacht haben. „Ich war nie ein Fan davon, mich zu verstecken“, betont Nadine. Deshalb wurde es zur Leidenschaft, sich kreativ auszuprobieren, am liebsten weit weg von jeder Norm. Weniger beliebt ist der Alltag mit Büroarbeit und Steuerkram. Aber die junge Influencerin ist selbstständig und „das muss dann auch sein“.
Nadine setzt sich nicht mehr unter Druck, täglich Videos zu posten. „Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen und konzentriere mich heute darauf, das Leben richtig zu leben und Dinge zu machen, die mir Spaß machen.“ Profit steht nicht mehr an erster Stelle, aber wichtig ist ihr, ein finanzielles Polster zu haben. Denn ihr Job sei unsicher und es gebe durchaus Monate, in denen sie zu wenig Geld verdient.
„Ich hatte schon als Kind den Traum, im Fernsehen aufzutreten. Und das habe ich geschafft und mir hart erarbeitet,“ erzählt sie stolz. Einen großen Wunsch hat sie sich vor kurzem erfüllt – und dieser lächelt am Ende des Interviews fröhlich in die Kamera, so wie Nadine: Es ist ihr junger Dackel, ihr erster vierbeiniger Follower.
@nadinebreaty
Illustrationen: Marie Friedrich