4000 Euro pro Quartal. So viel kostet die medikamentöse Therapie, mit der Robin Gassmann seit 2018 behandelt wird. Der bald 29-Jährige hat eine seltene, nicht heilbare und wenig erforschte Hautkrankheit. Seine Stoffwechselstörung verändert dauerhaft sehr sichtbar seine Haut und erfordert intensive Pflege. Robin Gassmann lebt nicht nur mit der genetisch bedingten Hautproblematik. Er kämpft zudem mit Rheuma und einer Lebererkrankung. Diskriminierung, Ausgrenzung und institutionelle Hürden prägten seinen Lebensweg – in Schule, Ausbildung und Berufsleben.
Seit vier Jahren wird er erfolgreich mit einem Mittel gegen Psoriasis (Schuppenflechte) therapiert. Seine Krankenkasse aber übernimmt die hohen Kosten nicht – Begründung laut Gassmann: sein Krankheitsbild passe nicht zur Schuppenflechte. Gassmann bezahlt also die Behandlung selbst, weil er es sich leisten kann. Und sie ist erfolgreich: „Meine Therapie hat mein Leben grundlegend verändert und jetzt geht es mir sehr gut.“ Andere könnten sich das nicht leisten, aber das Gesundheitssystem sollte dafür gemacht sein, für jeden das Bestmögliche zu bezahlen. Er sagt, dass Geld in Deutschland Gesundheit ermögliche.
Seine Kraft und Energie nutzt Robin Gassmann bewusst für einen leistungsorientierten, herausfordernden wie ambitionierten Alltag: „Meine Arbeitswoche hat 60 bis 80 Stunden, aber ich arbeite wirklich aus Leidenschaft.“ So baute er mehrere Unternehmen auf, ist als Unternehmensberater und Investor tätig. Außerdem ist Gassmann Chef von über 20 Mitarbeitenden. „Für mich ist Leistung kein Selbstzweck, sondern eine Form von Selbstbestimmung“, betont er. Er könnte als Schwerbehinderter staatliche Unterstützung beziehen, dann würden Miete, Krankenkasse, vielleicht auch das Medikament bezahlt werden. „Aber dann wäre ich abhängig.“
Seit 2019 ist er in sozialen Netzwerken präsent, mit 30.000 Followerinnen und Followern auf Instagram, 140.000 auf TikTok. Nicht, um seine Krankheit zu erklären, sondern um sichtbar zu sein in einer Rolle, die Menschen mit Behinderung selten zugestanden wird. Er spricht über Business, über Resilienz und Verantwortung. Krankheit ist zwar Teil seiner Biografie, steht aber nicht im Mittelpunkt seines Contents. Sich zu verstecken, sagt er, sei für ihn nie eine Option gewesen. „Wenn man sich einschüchtern lässt, strahlt man das auch aus. Ich will mit meiner Geschichte ermutigen.“
Er habe jeden Grund gehabt, sich zurückzuziehen, betont er. „Dass ich es nicht getan habe, macht mich stolz. Resilienz und Durchhaltevermögen bedeuten für Robin Gassmann, „in schwierigen Situationen dranzubleiben, ohne darunter zu leiden“. In jedem Tal könne man Schwung holen, um bergauf zu kommen. „Irgendwann hat man eine Aussicht, die kein anderer zuvor hatte.“ Noch vor kurzem blickte Robin Gassmann auf eine Skyline in Dubai bei Nacht und lässt seine Followerinnen und Follower auf Instagram mit einem Post daran teilhaben. Übrigens: Reisen – ob fliegen oder Auto fahrend – machen ihm genauso Spaß wie seine Arbeit.
@robin_ gassmann
Illustrationen: Marie Friedrich