Sport für die Seele

 Alexa von Heyden ist Autorin, Influencerin – und seit kurzem Pilates-Lehrerin. In ihrer Kolumne erzählt sie, wie sie zum Sport gefunden hat und warum ihr Training mehr bedeutet als ein knackiger Po.

Alexa von Heyden
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Alexa von Heyden Beitrag

Mit 43 habe ich Schluss gemacht. Schluss mit den ständigen Gedanken um meine Figur und das richtige Essen. Ich hatte es satt, Sport zu machen, um dünner zu werden, und nach jeder Pasta ein schlechtes Gewissen zu haben. Es muss einen smarteren Weg geben, der sich nicht wie ein Kampf anfühlt oder mich als Frau dauernd wie eine Versagerin fühlen lässt. Ich begann, mehr für mich, statt gegen mich zu arbeiten.

Alles veränderte sich, als ich mich beim Sport nicht mehr nur auf den Kalorienverbrauch oder die Abschaffung meines vermeintlich zu großen Hinterns konzentrierte, sondern auf das am meisten Vernachlässigte: die Seele. Unterbewusst spürte ich, dass ich nach der Pandemie, Mutterschaft und vielen Jahren Selbstständigkeit mehrere stille Burn-outs hatte und trotzdem weitergeackert habe. 

Wie viele Frauen habe ich mich selbst hintangestellt: Familie, Arbeit und Haushalt waren meine Prioritäten. Ich fand nicht statt. Meine Me-Time war, wenn ich alleine auf dem Klo saß. Mein Körper gab mir immer eindeutigere Warnhinweise, dass ich etwas ändern musste: Ich bekam Rosazea, litt unter Brain Fog und unter meinen Wutanfällen. Es hing alles zusammen. Das zu erkennen, war mein Schlüssel zu einem guten Körpergefühl. Denn Well-Being ist Well-Doing, also ein aktiver Zustand. Damit ich mein Potenzial ausschöpfen, produktiv und kreativ arbeiten und starke und positive Beziehungen zu mir und anderen etablieren und einen Beitrag zu meinem sozialen Umfeld leisten kann, muss ich diesen Zustand jeden Tag praktizieren.

Ich begann mit einer dreiwöchigen Yoga-Challenge und habe jeden Morgen auf der Matte geheult. Es war eine Mischung aus Dankbarkeit und Erschöpfung. Mein Körper vibrierte. Ich blieb bei der Routine und machte weiter – jeden Tag. Meist waren es 15 bis 20 Minuten. Meine Laune verbesserte sich, die Entzündungen in meiner Haut klangen ab und ich schlief besser. Im nächsten Frühjahr meldete eine Freundin mich zu einem Pilates-Teacher-Training an. 

Kurz vor der Abschlussprüfung starb mein Schwager an Krebs. Ich wollte abbrechen, aber meine Familie ermutigte mich zum Weitermachen. Das war mein Moment: Ich spürte mit jeder Zelle, wie mich das Training von innen heraus aufrichtete und wie viel Kraft in meinem Körper und in meinem Geist steckte. Gleich im Anschluss fuhr ich nach Hause zu meiner Schwester.

Drei Wochen später gab ich meinen ersten Kurs. Dieses erfüllte Gefühl „danach“ ist das, was ich weitergeben will. Weil ich weiß, dass es nachhaltig motiviert – im Gegensatz zu unerreichbaren Schönheitsidealen. Nächstes Jahr werde ich 48 und betone mit Stolz, dass ich meinen Körper liebe. Frauen über 45 sind oft unsichtbar. Ich hoffe, ich kann noch viele inspirieren. Denn unsere Körper sind keine Baustellen, sie sind Kraftwerke.

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