Sensibler Filter

Dezember 2019 | stern | Meine Gesundheit

Sensibler Filter

Trockene Luft, schlechte Durchblutung, gleißende Sonne in den Bergen – im Winter ist die menschliche Haut oftmals hohen Belastungen ausgesetzt. Was hilft?

Illustrationen: Maria Corbi Illustration
Mirko Heinemann / Redaktion

Ach, Winterzeit: Der Körper friert. Die Umgebungsluft ist trocken, denn kalte Luft kann nicht viel Feuchtigkeit aufnehmen. Für die menschliche Haut ist der Winter eine starke Belastung. Die Haut muss unentwegt Feuchtigkeit an die Umgebungsluft abgeben. Die typischen Symptome kennen fast alle Menschen: Die Haut, speziell an Händen oder im Gesicht, verliert ihren Glanz, wird rissig und trocknet aus.


Weil sich unter dem Einfluss von Kälte die Blutgefäße zusammenziehen, um die Wärme im Körper zu halten, wird die Haut weniger gut durchblutet. Dann wirkt sie blass, weil sie weniger Sauerstoff und Nährstoffe erreichen. Dazu kommt: Der natürliche, schützende Fettfilm der Haut wird aus Millionen kleiner Talgdrüsen gespeist. Bei fallenden Temperaturen produzieren diese Drüsen immer weniger Hautfett. Es drohen sogenannte Winterekzeme, lokale Hautentzündungen, die oft mit einem lästigen Juckreiz einhergehen. Wichtig im Winter ist deshalb eine tägliche Hautpflege, die rückfettend wirkt und die Haut mit der nötigen Feuchtigkeit versorgt.


Klingen Entzündungen der Haut auch langfristig nicht ab, könnte es sich um Neurodermitis oder Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, handeln. Beides sind entzündliche Hauterkrankungen, die in Schüben verlaufen. Neurodermitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland. Schätzungsweise 3,8 Millionen Menschen sind betroffen. Bei den Ursachen gehen Experten von einer Kombination aus genetischer Veranlagung sowie speziellen Auslösern wie Stress, Parfüm oder Nahrungsmitteln aus. Während die Häufigkeit von Neurodermitis mit dem Alter abnimmt, nimmt die Zahl der Menschen, die unter Psoriasis leiden, im Alter eher zu. Bei Psoriasis wächst die Oberhaut unkontrolliert, die Zellen der obersten Hautschicht, der Epidermis, wandern siebenmal schneller an die Hautoberfläche als bei gesunden Menschen. Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an dieser chronischen Hautkrankheit. Eine endgültige Heilung ist bisher nicht möglich, wohl aber eine wirksame Therapie.


Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten Rosazea, einer chronischen Entzündung der Haut. Typische Symptome sind eine unnatürlich wirkende Gesichtsrötung, rote Flecken, sichtbare Äderchen und Pusteln. Die Krankheit tritt meist in Schüben auf und kann das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein stark beeinträchtigen. Eine Rosazea entwickelt sich meist erst nach dem 30. Lebensjahr, in Deutschland sind etwa bis zu fünf Prozent aller Erwachsenen betroffen. Empfohlen wird, auf Alkohol und heiße Getränke zu verzichten und grelles Sonnenlicht zu meiden.


Obwohl die Haut eine generelle Filter- und Schutzfunktion hat, können Stoffe bisweilen auch in tiefere Hautschichten vordringen. Etwa durch Verletzungen. Auch Medikamente, die auf die Hautoberfläche aufgetragen werden, können in den Organismus eindringen und zu den inneren Organen gelangen – oder Umwelteinflüsse ihre schädlichen Wirkungen im Körper entfalten. Da die Zahl der Hauterkrankungen in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat, ist ein Zusammenhang mit Abgasen und anderen Schadstoffen in der Luft nicht ausgeschlossen.