Wandel in der Onkologie

Die modernen Krebstherapien verbessern sich stetig durch neue Erkenntnisse. Zum Beispiel bei Blasenkrebs, einer der zehn häufigsten Krebsarten.

Illustration: Stephanie Hofmann
Illustration: Stephanie Hofmann
Mirko Heinemann Redaktion

Neue Forschungsergebnisse lassen hoffen: Bei Blasenkrebs, einer der am häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen weltweit, zeigen sich deutliche Fortschritte in der Behandlung. Insbesondere die Kombination bewährter Chemotherapien mit modernen Immuntherapien eröffnet Patientinnen und Patienten neue Perspektiven – vor allem, wenn die Erkrankung früh erkannt wird.

Der Begriff Chemotherapie löst bei vielen Patienten erst einmal einen Schock aus. Dabei ist die Chemotherapie eine wirksame Möglichkeit, die Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium zu beherrschen. Sie kann die weitere Ausbreitung des Tumors verhindern und so oft das Leben verlängern. Die möglichen Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Durchfall oder Haarausfall, lassen sich heutzutage durch Medikamente sowie begleitende Maßnahmen gut behandeln. 

Blasenkrebs betrifft jedes Jahr rund 614.000 Menschen. Als starke Risikofaktoren gelten Rauchen und chronische Blasenentzündungen. Erste Symptome können Blut im Urin sein sowie ein veränderter Harndrang. In diesem Fall sollte man schnell einen Arzt aufsuchen. In etwa 70 Prozent der Fälle wird Blasenkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, also bevor der Tumor die Muskelschicht der Blase erreicht. Dennoch gelten viele dieser frühen Formen als risikoreich, da sie trotz Behandlung häufig wiederkehren. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen erleben innerhalb von fünf Jahren ein Rezidiv, was oft wiederholte Eingriffe und im schlimmsten Fall den Verlust der Harnblase bedeutet.

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nun gezeigt, dass sich dieses Risiko mit einer erweiterten Therapieform deutlich senken lässt. Das Team um die Onkologin Prof. Maria De Santis verglich in einer groß angelegten Studie die Standardbehandlung – bestehend aus der Entfernung des Tumors und einer zweijährigen lokalen Immuntherapie – mit einer kombinierten Behandlungsstrategie. Dabei erhielten die Teilnehmenden zusätzlich eine intravenöse Immuntherapie, die im gesamten Körper das Immunsystem aktiviert.

Das Ergebnis: Das Rückfallrisiko konnte um rund ein Drittel reduziert werden, während gleichzeitig die Organfunktion erhalten blieb – ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität. Die Studie, an der mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten aus 12 Ländern beteiligt waren, wurde inzwischen im Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Die Kombination beider Therapieformen erwies sich dabei als sicher und gut verträglich.

Diese Entwicklung verdeutlicht den Wandel in der Onkologie: Während früher vor allem operative Eingriffe und Chemotherapien im Vordergrund standen, setzt die moderne Krebsmedizin zunehmend auf maßgeschneiderte, immunologische Verfahren. Ziel ist es, nicht nur Tumoren zu bekämpfen, sondern das körpereigene Abwehrsystem langfristig zu stärken und Rückfälle zu verhindern.

Wie stark dies das Leben Betroffener verändern kann, zeigt das Beispiel der Lehrerin Juliane Weiß. Sie erhielt die Diagnose Blasenkrebs im frühen Stadium, als ihre Kinder noch klein waren. Dank der Teilnahme an der Charité-Studie konnte sie die kombinierte Behandlung erhalten. Sieben Jahre nach der Diagnose ist sie tumorfrei und blickt optimistisch in die Zukunft. Für sie war die Entscheidung für die neue Therapie „ein Glücksfall“, wie sie sagt – eine Chance auf Heilung, ohne die Blase zu verlieren. 

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