Da Vinci im OP

Minimalinvasive Eingriffe haben die Medizin in den letzten Jahrzehnten stark verändert – und entwickeln sich dank moderner Technik stets weiter.
Illustration von Tolga Akdogan
Illustration von Tolga Akdogan
Dr. Ulrike Schupp Redaktion

Komplexe Operationen, aber kaum Schmerzen? Ja, das ist möglich. Die Implantation von lebensrettenden Stents, um verengte Herzkranzgefäße wieder aufzudehnen, Tumor-OPs oder auch die Entfernung der Gallenblase – viele Operationen gelingen heute minimalinvasiv, das heißt, ohne Haut und Gewebe durch große Schnitte unnötig verletzen zu müssen. Bei der MIC, der minimalinvasiven Chirurgie, ist für den Zugang, durch den sterile medizintechnische Instrumente unter die Haut gebracht werden, oft nur ein Schnitt von circa fünf Millimetern nötig. Endoskope und Katheter, die medizintechnischen Instrumente, die durch solche Zugänge eingeführt werden, sind entsprechend fein und werden speziell für die MIC entwickelt. Bei der Implantation von koronaren Stents wird zum Beispiel ein Katheter, ein dünner Kunststoffschlauch, vorsichtig unter Röntgenkontrolle über ein Blutgefäß der Leiste, des Ellenbogens oder der Handbeuge bis zum Herzen geführt. Obwohl sich das gefährlich anhört, ist dies nicht schmerzhaft. Anders als bei einer offenen OP hat die behandelnde Chirurgin oder der Chirurg keinen direkten Blick auf das Innere des Körpers und den Verlauf der OP, sondern verfolgt alles über einen Bildschirm. Über die Röntgenbilder auf dem Monitor werden zugleich eventuelle weitere Erkrankungen des Herzens, des Herzmuskels oder der Herzklappen sichtbar.

Auch wenn die MIC als neues medizinisches Verfahren gilt, fanden die ersten minimalinvasiven OPs bereits in den 1930er-Jahren statt und waren zunächst auf Gynäkologie und Bauchchirurgie beschränkt. 1985 entfernte der Böblinger Chirurg Erich Mühe erstmals eine Gallenblase mithilfe der sogenannten „Schlüsselloch-Chirurgie“, die sich seitdem ständig weiterentwickelt hat. Patientinnen und Patienten profitieren davon. Sie spüren weniger postoperative Schmerzen, ihre OP-Narben fallen im Nachhinein kaum noch auf. Die anschließende Erholungszeit und damit oft auch der Klinikaufenthalt sind vergleichsweise kurz. Gleichzeitig sinkt das Risiko von Wundinfektionen und Narbenbrüchen.

Die zunehmende Automatisierung in der Medizin sorgt vor allem durch die Verknüpfung von minimalinvasiver Chirurgie mit künstlicher Intelligenz und Robotik für bahnbrechende Entwicklungen. Schon 1985 platzierte ein Roboterarm erstmals die Nadel für eine Gehirnbiopsie unter CT-Führung. In der Roboter-assistierten Chirurgie hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. Von „Da Vinci“, einem Operationsroboter der neuen Generation, sind weltweit inzwischen etwa 5.000 Modelle im Einsatz. Genau genommen ist der „Roboter“ allerdings ein Operationssystem mit beweglichen Armen, an denen sich minimalinvasive Instrumente und ein steuerbares Videosystem befinden, das hochauflösende 3D-Aufnahmen produziert. Wie ein verlängerter Arm wird Da Vinci von Chirurginnen und Chirurgen über eine Konsole gesteuert und ermöglicht so exakte Schnitte, wie sie mit der menschlichen Hand kaum gelingen. Roboter-assistiertes Operieren kommt inzwischen unter anderem bei OPs im Bauchraum, bei gynäkologischen Eingriffen oder Operationen der Lunge zum Einsatz. Eine OP durch einen selbstständig agierenden Roboter ist zurzeit jedoch noch Zukunftsmusik. 

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