Aktiv vorbeugen!

Kalte Jahreszeit, viele Menschen, trockene Heizungsluft: Warum Atemwegserkrankungen im Winter zunehmen.

Illustration: Stephanie Hofmann
Illustration: Stephanie Hofmann
Jürgen W. Heidtmann Redaktion

Im Winter grassieren Atemwegserkrankungen in Deutschland stärker als je zuvor. Das Robert Koch-Institut warnte Ende November noch vor einem deutlichen Anstieg. Das Niveau sei „hoch“, heißt es. Besonders betroffen: Schulkinder bis 14 Jahre und Erwachsene ab 35 Jahren. Das RKI schrieb: „Der Beginn der Grippewelle deutet sich an.“ Gleichzeitig stieg auch die Zahl übermittelter Covid-19- und RSV-Infektionen. Schwere Verläufe bleiben bislang jedoch die Ausnahme. Die Zahl der Atemwegserkrankungen insgesamt stieg in der letzten Novemberwoche auf 8000 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner – ein Hinweis auf die sich ausbreitende Welle.

Warum eskaliert alles im Winter? In engen U-Bahnen und Büros, in Kaufhäusern, die in der Vorweihnachtszeit voller Menschen sind, vermehren sich Viren explosionsartig – sie überleben länger in der Kälte. Trockene Heizungsluft reizt Schleimhäute und macht sie porös für Erreger. Zu den akuten Infekten zählen Schnupfen, Bronchitis und Lungenentzündungen, die durch Viren wie Influenza oder RSV ausgelöst werden. Chronisch dominieren Asthma mit 6,2 Prozent Prävalenz, also Anteil in der Bevölkerung. An der Lungenkrankheit COPD leiden rund 5,8 Prozent, wobei Frauen häufiger betroffen sind. Bronchitis trifft 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen, Raucher besonders hart. Kälte, trockene Heizungsluft und Innenräume begünstigen Infektionen: Viren überleben länger, Schleimhäute trocknen aus. Erkältungswellen verdoppeln sich in der Kältezeit.

Bei Asthma verstärkt sich dies dramatisch: Kaltluft reizt Bronchien, führt zu Verengungen und Anfällen; Infekte wie Grippe lösen schwere Attacken aus. Asthma bronchiale, die häufigste chronische Kinderkrankheit, verschlimmert sich bei 4 Millionen Betroffenen im Winter. Plötzliche Bronchienverengungen durch Kälte oder Viren verursachen Atemnot und Husten. Bei COPD-Patienten steigt die Sterblichkeit um das 1,7-Fache, da Infekte die Lunge überfordern. 

Fachärzte raten: Wer im Winter nicht unter Husten, Atemnot und Infekten leiden will, muss aktiv vorbeugen. Grippeimpfungen reduzieren schwere Verläufe um bis zu 50 Prozent – ein Muss für Risikogruppen. In vollen Geschäften oder Büros hilft eine Maske: Sie drosselt Virusübertragung und schützt besonders Asthmatiker vor Reizstoffen. Regelmäßiges Stoßlüften – alle zwei Stunden zehn Minuten – spült Keime aus der Raumluft und senkt die Infektgefahr. Luftbefeuchter sind Gold wert: Sie halten Schleimhäute feucht, verhindern Austrocknen und Bronchienentzündungen in der Heizluftzeit.

Asthma- und COPD-Betroffene brauchen Disziplin: Täglich inhalative Kortikosteroide einnehmen, Notfallpläne mit dem Arzt abstimmen – und Rauchen strikt meiden. Jede Zigarette reizt die Atemwege zusätzlich. Warme Schals und Mützen blocken Kältereize, die Bronchien verengen. Bei ersten Symptomen wie Husten oder Engegefühl: Sofort zum Arzt! Frühe Therapieanpassungen stoppen Komplikationen wie Lungenentzündungen. Die Kombination dieser Maßnahmen kann das Risiko schwerer Atemwegserkrankungen im Winter deutlich senken und die Lebensqualität verbessern.

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