Hinhören, wenn die Nieren warnen

Heute leise – morgen tonangebend: So tückisch sind seltene Nierenerkrankungen

© Adobe Stock / Axel Kock
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Novartis Beitrag

Die Nieren gehören zu den leistungsstärksten Organen des menschlichen Körpers: Tag für Tag filtern sie große Mengen Blut, regulieren Wasser- und Elektrolythaushalt, beeinflussen den Blutdruck und helfen, Schadstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Doch so leise, wie sie ihre Arbeit verrichten, bleiben sie auch, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Viele Nierenerkrankungen entwickeln sich schleichend – anfangs ohne eindeutige Symptome oder sichtbare Warnsignale, jedoch meist mit irreparablen Schädigungen.

Rund neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Nierenerkrankung, darunter auch seltene Formen wie die C3-Glomerulopathie (C3G) und die IgA-Nephropathie (IgAN). Beide Erkrankungen sind außerhalb der Fachwelt kaum bekannt, können für Betroffene jedoch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
 

WAS LABORWERTE VERRATEN


Frühe Funktionsstörungen der Niere lassen sich meist durch einfache Laboruntersuchungen erkennen. Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist dabei besonders aufschlussreich: Sie zeigt, wie gut die Nieren das Blut filtern. Sinkt sie, deutet das auf einen Verlust funktionsfähiger Nephrone (der kleinsten Funktionseinheit der Niere) hin – oft lange bevor Beschwerden auftreten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Untersuchung des Urins auf erhöhte Proteinwerte im Urin (Proteinurie). Eine Proteinurie ab 0,5 g/g gilt dabei als entscheidender Schwellenwert, ab dem eine Gewebeprobe untersucht und damit die Erkrankung final bestimmt werden sollte.
 

C3G: WENN DER EIGENSCHUTZ ZUR GEFAHR WIRD


Die C3G beruht auf einer anhaltenden Überaktivierung des Komplementsystems, einem Teil unseres angeborenen Immunsystems. Dadurch lagern sich C3-Proteine in den Nierenkörperchen (Glomeruli) ab, wo sie Entzündungen und strukturelle Schäden bis hin zum Verlust von Nephronen verursachen können.
 

IGA-NEPHROPATHIE: WENN ABWEHR IRRT


Bei der IgAN bildet das Immunsystem IgA-Antikörper, die sich in den Nierenkörperchen anhäufen. Die dadurch entstehenden Entzündungen beeinträchtigen auch hier nach und nach die Filterfunktion der Nieren.
 

VON AUFFÄLLIGKEITEN ZUR DIAGNOSE


Der Diagnoseweg von Nierenerkrankungen beginnt meist in der Hausarztpraxis mit den oben genannten Blut- und Urinuntersuchungen. Bei Auffälligkeiten folgt in der Regel die Überweisung zur Nephrologie, wo spezialisierte Untersuchungen vorgenommen werden. Um die Termine möglichst gezielt zu nutzen, kann es hilfreich sein, Fragen vorab zu notieren, eine aktuelle Medikamentenliste mitzubringen sowie Trinkmenge und Blutdruck eigenständig zu dokumentieren.
 

FAZIT: HINHÖREN, WENN DIE NIEREN WARNEN


C3G und IgAN beginnen oft leise. Wer Warnsignale ernst nimmt, Vorsorge nutzt und auffällige Werte abklären lässt, kann entscheidend zur frühen Erkennung von Nierenschäden und einer verbesserten Diagnose beitragen. Unsere Nieren melden sich selten laut – deshalb sollten wir lernen, aufmerksam hinzuhören.

 

FÜR BETROFFENE, ANGEHÖRIGE UND ANDERE INTERESSIERTE:

Informationen, Expert:innen-Finder und weitere Services: 
seltene-nierenerkrankungen.de

Patientenorganisation Bundesverband Niere e.V.: bundesverband-niere.de

3D-Darstellung der Niere (inkl. AR) in der kostenlosen App INSIGHT KIDNEY: animares.com/ik
 

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