Protonentherapie: Mit zielgerichteten Strahlen heilen

Juli 2020 | stern | Leben mit Krebs

Protonentherapie: Mit zielgerichteten Strahlen heilen

Sie entfalten ihre Energie erst, wenn sie abbremsen und beispielsweise auf das Tumorgewebe treffen. Daher sind Protonen in vielen Fällen eine schonende und gleichzeitig effektive Alternative.

Prof. Dr. med. Beate Timmermann, Direktorin der Klinik für Partikeltherapie am Universitätsklinikum Essen und Ärztliche Leiterin des Westdeutschen Protonentherapiezentrums Essen (WPE)
Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen / Anzeige

Frau Prof. Timmermann, welchen Stellenwert nimmt die Strahlentherapie generell in der Krebsbehandlung ein?
Sie ist neben der Operation und Chemotherapie eine der zentralen Säulen in der Krebstherapie. Etwa jeder zweite Krebspatient wird im Laufe seiner Erkrankung bestrahlt. Ziel ist dabei stets eine tumorzerstörende Wirkung, weshalb die Strahlentherapie entweder anstelle einer Operation oder als Ergänzung zur Operation oder Chemotherapie zum Einsatz kommt.
 

Wobei es unterschiedliche Arten der Strahlentherapie gibt.
Das ist richtig. Wir unterscheiden zwischen der Photonentherapie, also der klassischen Röntgen- oder Gammastrahlung, und der Partikel- oder Teilchentherapie, zu der auch die Protonentherapie gehört. Die Tumorzell-DNA wird durch die ionisierende Strahlung beschädigt und damit ihre Wachstumskompetenz. Der wesentliche Vorteil der Protonen gegenüber den Photonen besteht darin, dass Protonen ihre Strahlenenergie erst dann freigeben, wenn sie das Gewebe durchdrungen haben und abgebremst werden – dieser Zielort kann millimetergenau definiert und gesteuert werden. Anders Photonen- oder Gammastrahlen; diese verlieren einen Großteil ihrer Energie und damit ihrer Wirkung schon direkt unter der Haut. Daher wird auf dem Weg zu einem tiefliegenden Tumor auch mehr gesundes Gewebe mitbelastet.
 

Das heißt, eine Bestrahlung mit Protonen kann gesundes Gewebe besser schonen?
Absolut richtig. Die Protonentherapie ist immer dann eine gute Alternative, wenn umliegendes Gewebe und Organe geschont werden müssen – etwa beim Prostatakarzinom die Blase und der Enddarm oder bei Hirntumoren Nerven- und Hirngewebe. Aber auch generell bei Kindern, deren unreifes und empfindliches Gewebe besonders geschützt werden soll, gehört die Protonentherapie mittlerweile zum Goldstandard.
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Therapie?
Bei den meisten Patienten: Ja! Wir sind das größte von fünf Protonentherapiezentren in Deutschland und haben mit vielen gesetzlichen Krankenkassen Vereinbarungen über eine sogenannte integrierte Versorgung abgeschlossen. Hierin haben wir uns auch auf eine Liste von Erkrankungen geeinigt, für die die Protonentherapie das größte Potential hat. Hierzu werden wir die entsprechenden Daten evaluieren. Diesen Kassen müssen wir dann nach Ende der Therapie einfach die Rechnungen schicken. Andere gesetzliche Kassen bewilligen die Therapie nach Einzelfallentscheidung. Hier beantragen wir die Kostenübernahme über unser Case Management. Gleiches gilt auch für Privatversicherte. Dazu bieten wir auch eine individuelle Beratung an. Unser Case Management unterstützt Patienten insgesamt während des gesamten Prozesses, beispielsweise bei der Zusammenstellung aller nötigen Unterlagen.
 

Sie sagten eingangs, die Protonentherapie sei eine der Säulen der Krebstherapie. Arbeiten Sie bei der Behandlung mit anderen onkologischen Disziplinen zusammen?
Die Protonentherapie muss immer Teil eines interdisziplinären onkologischen Gesamtkonzepts sein. Alternativen und Empfehlungen verschiedener Disziplinen wie auch Patientenwünsche werden dabei berücksichtigt. Das WPE ist als Einrichtung der Universitätsmedizin Essen fester Bestandteil des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) – eines der größten onkologischen Zentren Deutschlands. Zudem kooperieren wir mit vielen anderen onkologischen Zentren in Deutschland. Wir stimmen Behandlung und Therapieziele gemeinsam mit den Kollegen ab. Oftmals kombinieren wir dabei die Protonentherapie auch mit anderen Methoden. Immer zum Wohle und im Sinne des einzelnen Patienten.

Kontakt zum wpe:  T 0201-723-6600 | E wpe@uk-essen.de


www.wpe-uk.de