Telemedizin rettet Leben

Juni 2021 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Telemedizin rettet Leben

Seit 20 Jahren ist es möglich, Patienten mit Herzrhythmusimplantaten aus der Ferne zu betreuen. Professor Geller erklärt, wo wir stehen und welche Zukunftspotenziale er sieht.

Prof. Dr. Christoph Geller, Chefarzt Abteilung Rhythmologie und invasive Elektrophysiologie
Biotronik / Beitrag

Professor Geller, Sie sind ein Verfechter der Telemedizin. Warum?
Jährlich erhalten weltweit über eine Million Patienten einen implantierbaren Ereignisrekorder, Herzschrittmacher oder Defibrillator (ICD). Bislang mussten Implantatträger zur Nachsorge in der Klinik oder Praxis erscheinen. Zwischenzeitliche Probleme bekamen wir so oft nicht mit – und Krankenhauseinweisungen konnten häufig nicht vermieden werden. Mit Home Monitoring habe ich Herz und Implantat stets im Blick und kann bei Bedarf schnell handeln.

 

Welche Voraussetzungen sind für Home Monitoring nötig?
Ein Internetzugang, ein Patientengerät und klinisch geschultes Personal. Nur für den Monitoring-Prozess bedarf es genauerer Überlegungen: Wer sichtet wann die Daten und wie wird weiter verfahren? Bei uns in Bad Berka übernehmen das geschulte MitarbeiterInnen, die die Ereignisse filtern und an uns Ärzte weiterreichen. Das entlastet die Ambulanz und verbessert die Behandlungsqualität.

 

Wie ist der niedergelassene Kardiologe eingebunden?
In unserer Region arbeiten wir eng mit einer Reihe kardiologischer Praxen zusammen. Nötige Anpassungen in der Medikation oder Programmierung des Implantats nehmen wir in enger Absprache mit ihnen vor.

 

Wie wirkt sich Home Monitoring auf das Überleben aus?
Studien zeigen, dass die Sterblichkeit von Herzinsuffizienzpatienten mit Home Monitoring um über 60 Prozent gesenkt werden kann. Das zeigt, wie wichtig es ist, das Herz kontinuierlich und engmaschig zu beobachten und bei wichtigen klinischen oder technischen Veränderungen frühzeitig einzugreifen. Dafür braucht es strukturierte Monitoring- und Behandlungsabläufe und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen und stationären Einrichtungen.  

 

Fühlen sich Patienten mit Home Monitoring sicherer?
Wir sehen, dass die Patienten das Telemonitoring gut annehmen. Viele sind dankbar, dass sie über das Patientengerät auch zwischen ihren Nachsorgen mit uns verbunden sind. Die vollautomatisierte Datenübertragung garantiert ihnen, dass Auffälligkeiten zeitnah übermittelt werden.

 

Warum wird das Monitoring dann nicht regulär erstattet?
Die Krankenkassen wollen sehen, dass die Technologie die Qualität der Versorgung signifikant verbessert. Diese Daten liegen jetzt vor. Insbesondere Biotronik konnte hier gute Daten vorlegen. Die telemedizinische Implantat-Nachsorge ist schon länger im Vergütungskatalog abgebildet – das kontinuierliche Monitoring soll bald  folgen. Offen ist, wie hoch die Vergütung für die Patientengeräte und die klinische Infrastruktur ausfällt.

 

Wo besteht noch Handlungsbedarf?
Demografischer Wandel, Ärztemangel und die Pandemie zeigen, wie wichtig Telemedizin zur Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung chronisch Kranker ist. Technologischer Fortschritt und KI-basierte Innovationen öffnen auch medizinfernen Playern, wie Google oder Apple, Wege ins Gesundheitswesen. Ich sehe das kritisch und wünsche mir, dass der Gesetzgeber einen Rahmen schafft, der technologische Entwicklung und
hohe Versorgungsqualität vereint.

 

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