Radar in der Informationsflut

Juni 2020 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Radar in der Informationsflut

Krankenhäuser und ihre Belegschaft nutzen in der Corona-Pandemie vermehrt digitale Unterstützungssysteme zur Sichtung der aktuellen Studienlage – AMBOSS hat sich hier als eine der zentralen Wissensressourcen hervorgetan.

Dr. med. Nawid Salimi ist Geschäftsführer von AMBOSS.
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Ein Interview mit Dr. med. Nawid Salimi, AMBOSS-Geschäftsführer.

 

Herr Dr. Salimi, in der Corona-Pandemie wird Ihre Wissensplattform für Medizinerinnen und Mediziner täglich tausendfach zu Rate gezogen. Wie unterstützen Sie medizinisches Personal?
AMBOSS ist ein digitales Nachschlagewerk, das aktuelles Medizinwissen aller Fachgebiete für die tägliche Patientenversorgung bereithält. Als sich abzeichnete, dass COVID-19 ein relevantes Thema werden würde, haben wir dafür ein eigenes Kapitel konzipiert, das wir seitdem täglich um die neuesten Erkenntnisse erweitern. So finden Ärztinnen und Ärzte darin auf einen Blick konkrete Handlungsempfehlungen zu Prävention, Diagnostik und Therapie sowie Informationen zu Patientengruppen mit einem besonderen Risiko – immer auf dem neuesten Stand der Studienlage.

 

Sie haben Ihr COVID-19-Kapitel, das in sechs Sprachen zur Verfügung steht, öffentlich zugänglich gemacht. Was hat Sie dazu motiviert?
Wir haben überlegt, welchen zusätzlichen Beitrag wir in der aktuellen Situation leisten können. Da war uns schnell klar, dass wir dieses gebündelte Wissen allen zugänglich machen sollten – auch außerhalb unserer Nutzerschaft. Aus demselben Grund arbeiten wir derzeit noch enger mit zahlreichen Kliniken zusammen. Auch erfahrenen Kolleginnen und Kollegen stellen sich seit Beginn der Pandemie ja viele Fragen. Das beginnt mit ganz praktischen Dingen: Was sind die neuesten Handlungsempfehlungen? Wie entnehme ich einen Rachenabstrich richtig? Wie leite ich meinen Patienten aus der Ferne zum Selbstabstrich an? Unsere Illustrationen und Videos, die genau das erklären, sind in diesem Zusammenhang schon eine gute Million Mal aufgerufen worden.

 

Rund um das neuartige Coronavirus erscheinen jeden Tag dutzende neue Studien. Wie werten Sie all diese Veröffentlichungen aus, wenn Sie die Informationen auf Ihrer Plattform updaten?
In unserer Redaktion arbeiten über 70 Ärztinnen und Ärzte mit Kompetenzen und Facharztkenntnissen aus allen relevanten klinischen Bereichen. Ein Großteil von ihnen befasst sich ausschließlich damit, neue Publikationen auf
handlungsrelevante Erkenntnisse zu untersuchen und für die Praxis zusammenzufassen. Durch die Flut an Publikationen zu COVID-19 navigieren wir natürlich mit erhöhter Schlagzahl. Außerdem holen wir Erfahrungswerte von Kolleginnen und Kollegen, beispielsweise aus China oder Italien, ein. So sind bereits über 500 Quellen in unser COVID-19-Kapitel eingeflossen, die wir auch alle immer im Original verlinken.

 

Wie stellen Sie die Seriosität dieser Quellen sicher?
In erster Linie referenzieren wir Empfehlungen von Fachgesellschaften, Instituten und Behörden. Dazu stehen wir mit diesen in engem Austausch. Die COVID-19-Situation führt allerdings dazu, dass wir zusätzlich auch „Preprints“ sichten – also vorab veröffentlichte Artikel, die die sogenannte Peer-Review noch nicht durchlaufen haben. Das bedeutet, dass sie noch nicht durch unabhängige Fachgutachterinnen und -gutachter geprüft worden sind. Wenn wir ein solches Preprint als Quelle ins Kapitel aufnehmen, kennzeichnen wir es entsprechend und prüfen im Verlauf regelmäßig, ob es nach Peer-Review noch in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wird oder ob das Paper zurückgezogen wird.

Entsprechend führen wir diese Quellen dann weiter mit auf oder nicht. Wir haben uns zu diesem Vorgehen entschlossen, da wir es auch als unsere Aufgabe sehen, in Zeiten einer solchen Dynamik Zusammenhänge wie Widersprüche aktiv darzustellen und einzuordnen, damit sich Ärztinnen und Ärzte auch eine eigene Bewertungsgrundlage schaffen können.

 

Sie sagten, Sie arbeiten auch mit Krankenhäusern zusammen. Wie sieht das genau aus?
Über 200 Kliniken stellten ihren Beschäftigten unsere Plattform bereits vor der Pandemie kostenfrei zur Verfügung. In den letzten Monaten sind zahlreiche weitere Krankenhäuser auf uns zugekommen, unter anderem weil sie sich darauf vorbereiten, auch Personal ohne intensivmedizinische Erfahrung in der COVID-19-Behandlung einsetzen zu müssen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Engpässen auch für andere fachgebietsfremde Fragestellungen gerüstet wissen möchten. Sollte es dazu noch kommen, haben diese Kliniken und ihre Belegschaft mit AMBOSS eine valide, digitale Wissensressource an der Hand.

 

Zum Schluss noch eine Frage unabhängig vom medizinischen Fachwissen: Was haben Sie persönlich aus der aktuellen Situation gelernt?
Mich hat tief beeindruckt, wie schnell so viele neue Synergien freigesetzt wurden. In unseren Kooperationsprojekten haben wir diese Dynamik in kleinerem Maßstab schon oft erlebt, und das hat uns auch schon immer angetrieben. Ein aktuelles Beispiel ist unser Video zum richtigen Anlegen der Schutzausrüstung, das gemeinsam mit dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München entstanden ist. Ob Krankenhäuser, Universitäten, Unternehmen oder Behörden – wir arbeiten Hand in Hand, um schnell und unkompliziert Lösungen zu liefern.

 

Über Amboss
AMBOSS ist eine adaptive Wissensplattform für Ärztinnen und Ärzte. Das Programm liefert präzise, aktuelle Inhalte in Sekundenschnelle und trägt so seit 2012 zu einer effizienten, evidenzbasierten Gesundheitsversorgung bei. Rund um den Globus verlassen sich inzwischen mehr als eine Million Mediziner*innen in Beruf, Studium und Lehre auf AMBOSS. Am stärksten wächst in Deutschland die Gruppe der ärztlichen Nutzerinnen und Nutzer, auch, weil immer mehr Krankenhäuser und Klinikverbände AMBOSS für ihre Beschäftigten lizenzieren. Aktuell ist AMBOSS eine zentrale Ressource für die Behandlung von COVID-19.

 

Weiterführende Informationen:  go.amboss.com/service
Hotline für Institutionen: 030-57702219