Lungenschonende Beatmung

Juni 2021 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Lungenschonende Beatmung

Die Xenios AG hat eine künstliche Lunge entwickelt, die eine Beatmung ohne Intubation ermöglichen kann.

Dr. Jürgen Böhm Vorstand Xenios AG
Xenios AG – a Fresenius Medical Care Company / Beitrag

Welche Risiken birgt die Beatmung per Intubation?
Die Beatmung per Intubation ist derzeit die Standardbehandlung, wenn die Lunge ihre Funktion nicht mehr ausreichend selbst erfüllen kann und eine Zuführung von Sauerstoff, etwa über eine Maske, nicht mehr ausreicht. Dabei wird ein Tubus in die Luftröhre eingeführt. Das ist ein maximaler mechanischer Reiz und der Patient muss dafür in ein künstliches Koma versetzt werden und die während der Beatmung ungenutzte Atemmuskulatur, insbesondere das Zwerchfell, entwickelt sich schon nach wenigen Tagen zurück. Die Problematik zeigt sich am Beispiel der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die laut WHO weltweit die dritthäufigste Todesursache darstellt: Verursacht durch Rauchen oder Luftverschmutzung verschlechtert sich über Jahre die Lungenfunktion, so dass im späteren Stadium, ausgelöst durch banale Infekte, die Patienten anfallsartig durch eine Teilfunktionsstörung der Lunge bedroht sind. Kann diese Akutsituation nicht durch eine Maskenbeat-mung beherrscht werden oder versagt die Lunge ganz, muss gegebenen –falls über einen Tubus invasiv mechanisch beatmet werden. Dies ist bei 10 bis 15 Prozent der Fälle erforderlich. Die infolgedessen geschwächte Atemmuskulatur verursacht meist eine längere Abhängigkeit vom Beatmungsgerät. Dies kann eine zusätzliche Beeinträchtigung der schon reduzierten Lungenfunktion zur Folge haben.

 

Welche Alternativen bietet Xenios an?
Die von uns entwickelte künstliche Lunge kann die Lungenfunktion unterstützen oder sie sogar ganz übernehmen. Im Kern geht es darum, Blut aus dem Körper auszuleiten, einer künstlichen Lunge in Form eines externen Gasaustauschers zuzuführen und wieder in den Körper zu leiten. Bei Teilfunktionsstörungen der Lunge, wie etwa COPD, kann die sogenannte ECCO2R-Therapie angewandt werden. Über eine Doppelkanüle in der Halsvene wird das CO2-reiche Blut in den Gasaustauscher gepumpt, dort von CO2 befreit und über dieselbe Kanüle wieder in den Körper zurückgeführt. Versagt die Lunge komplett, wird die sog. ECMO-Therapie angewandt und das Blut zusätzlich mit Sauerstoff angereichert.Dafür sind aufgrund des höheren Blutflusses unter Umständen zwei Kanülen nötig. Für beide Verfahren gilt: Die Lunge wird entlastet, Patienten können entspannter atmen. Die Atemmuskulatur bildet sich nicht zurück. Vor allem müssen Patienten meist nicht in ein künstliches Koma versetzt werden, sind somit mobiler und bleiben in ihren Möglichkeiten selbstbestimmter.


Ist diese Art der Beatmung die Zukunft?
Die ECMO-Therapie ist mittlerweile ein anerkanntes Verfahren, wenn beispielsweise die mechanische Beatmung per Intubation versagt und wird von der WHO in dieser Situation auch bei der Behandlung von Covid-19-Patienten empfohlen. Die ECCO2R-Therapie erlaubt dem Patienten aktiv bei seiner Genesung mitzuwirken und wird gegenüber einer Beatmung zudem als geringere Belastung wahrgenommen. Rechtzeitig angewandt hat sie das Potential die Liegezeiten zu reduzieren. Großangelegte Studien zum Nachweis weiterer medizinischer und ökonomischer Vorteile der ECCO2R-Therapie mit der von uns entwickelten künstlichen Lunge sind in Planung. Zudem setzen wir darauf, dass sie Eingang in die entsprechenden Behandlungsleitfäden findet.


www.xenios-ag.com