Inhalation ist Prävention

Dezember 2020 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Inhalation ist Prävention

Wer regelmäßig Kochsalzlösung inhaliert, schützt sich und andere vor Covid-19.

Olaf Strohm / Redaktion

Die Erkenntnis stammt aus der Zeit vor Corona und ist dennoch gültig: Durch das Inhalieren von Kochsalzlösung lässt sich die Übertragung von Viren und Bakterien via Tröpfcheninfektion um mehr als zwei Drittel verringern. Schon durch das Inhalieren einer einfachen Kochsalzlösung lassen sich das Risiko einer Ansteckung mit Erkältungskrankheiten und anderen Infekten deutlich und über einen mehrstündigen Zeitraum senken. Das hatte bereits 2007 eine Studie von Dr. David Edwards von der Harvard Universität ergeben.


„Etwa die Hälfte der Menschen sind so genannte High Producer, die innerhalb von sechs Stunden mehr als 500 keimbeladene Partikel pro Liter Atemluft abgeben können und für fast alle – nämlich 98 Prozent – der durch Tröpfcheninfektion übertragbaren Infektionskrankheiten verantwortlich sind“, hatte Prof. Dieter Köhler anlässlich der Veröffentlichung der Studie erklärt, damals Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). „Wenn solche High Producer aber für nur sechs Minuten eine 0,9-prozentige, isotonische Natrium-Chlorid-Lösung über einen Vernebler inhalieren, können sie die Übertragung von Viren und Bakterien via Tröpfcheninfektion um rund 72 Prozent verringern.“ Dieser Effekt hält über sechs Stunden an, wie die Studie ergeben hatte.


Auch die Übertragung des SARS-CoV-2-Erregers erfolgt über Aerosole und Tröpfchen-infektion. Hauptsächlich durch die respiratorische Aufnahme, beim Atmen, Husten, Sprechen oder Niesen, wird das Virus übertragen. In einem aktuellen Interview mit dem Inhalationsgerätehersteller PARI weist Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien in Moers, auf die Harvard-Studie hin. Voshaar, der als ärztlicher Berater das Gesundheitsministerium in der Covid-19-Pandemie unterstützt, bestätigt darin den Schutzeffekt von physiologischer Kochsalzlösung vor Virusverbreitung: „Dabei geht man davon aus, dass Bioaerosole in den sehr kleinen Atemwegen, den Bronchiolen und Alveolen gebildet werden. Durch Mikroburst, also das Platzen kleinster Blasen oder die Wiedereröffnung geschlossener kleiner Atemwege lösen sich sehr kleine Aerosole ab, die ausgeatmet werden.”

»Der Patient selbst ist weniger infektiös, und das Übertragungsrisiko wird gesenkt.«


Der Schutzmechanismus werde über die Änderung von physikalischen Eigenschaften erklärt. Die Kochsalzlösung bildet einen dünnen Film mit hoher Oberflächenspannung auf der Schleimhaut der Atemwege. Dies begünstigt die Produktion von relativ großen Aerosolen, die zu groß sind, als dass sie über den Ausatemstrom abgeatmet werden könnten. Daher verbleiben diese Tröpfchen in der Lunge, und damit wird auch weniger virus-beladenes Aerosol über die Ausatemluft abgegeben. Der Patient selbst ist weniger infektiös und das Übertragungsrisiko wird gesenkt. Auch zur Prophylaxe von Erkältungskrankheiten ist das Inhalieren hervorragend geeignet, da es die Schleimhäute in den Atemwegen feucht hält und dadurch deren Selbstreinigungsfunktion unterstützt. Eingeatmete Viren und Bakterien bleiben im feuchten Schutzfilm haften und werden dann von den rhythmisch schlagenden Flimmerhärchen der Schleimhaut wie auf einem Förderband in Richtung Rachen abtransportiert.


 Insgesamt ist die Inhalation mit Kochsalz unabhängig von der Art des Krankheitserregers wirksam – und das ohne Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu verursachen. Mit der Inhalation von Kochsalzlösung verfügt man also über ein einfaches und sehr kostengünstiges, aber auch äußerst effizientes Mittel zur Eindämmung von Tröpfcheninfektionen und damit gegen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Covid-19.