Die digitale Zukunft der Gesundheit

Juni 2018 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Die digitale Zukunft der Gesundheit

Neue Tools und Verfahren machen die Patienten mündiger – und sorgen für eine bessere Versorgung.

Illustration: Anna Ruza
Axel Novak / Redaktion

Die Deutschen sind bei ihrer Gesundheit längst digital. Sie recherchieren rund um die Uhr bei Doktor Google und diskutieren in Communities. Sie nutzen medizinische Apps oder Tools und lassen sich von Dienstleistern digital beraten. E-Health nennt sich dieser noch recht junge Markt.

Die Aufgabe ist gewaltig: Deutschlands alternde Gesellschaft braucht eine bessere und kostengünstigere medizinische Versorgung. Dafür können aber nicht nur mehr Ärzte sorgen: Laut Bundesärztekammer stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Ärztinnen und Ärzte um 6.542 auf 385.149. Sondern die Digitalisierung soll helfen, um zum Beispiel den Ärztemangel in den ländlichen Regionen zu beheben.

„Patienten verlangen immer mehr nach Online-Angeboten im Gesundheitswesen. Darauf müssen wir reagieren: mit vernünftigen Angeboten nach unseren Qualitätsstandards“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Mai in einem FAZ-Interview.

Eine Möglichkeit dafür ist die elektronische Gesundheitskarte, die die Daten von Patienten enthält und für Ärzte sichtbar macht. Allerdings schränkt Spahn ein: „Wir debattieren jetzt seit 14 Jahren über die elektronische Gesundheitskarte. Jenseits von kleinen Modellprojekten allerdings ohne große positive Effekte für die Patienten. Das ist völlig inakzeptabel.“ Mittlerweile haben deshalb die Krankenkassen eigene digitale Angebote angestoßen. Erst vor wenigen Wochen stellten einige Kassen eine App vor, über die etwa Befunde, Laborwerte und Notfalldaten gespeichert und abgerufen werden können. Insgesamt 25 Millionen Versicherte könnten die digitale Akte namens „Vivy“ ab Juli 2018 nutzen, um Mehrfachbehandlungen zu reduzieren und Medikamenten-Unverträglichkeiten leichter zu erkennen. „Wir wollen den mündigen Patienten, der in der Lage ist, sich selbst zu managen“, sagt Andreas Storm, Vorstand der DAK, in der Ärztezeitung. Andere Kassen ziehen nach: Zur IT-Messe Cebit legten weitere Versicherer ein ähnliches Projekt für weitere Millionen Patienten vor.

Voraussetzung, um die digitalen Vorteile nutzen zu können, ist natürlich die Infrastruktur. Dabei geht es nicht um die kärgliche digitale Vernetzung in Deutschland, sondern um eine eigene sichere Telematikinfrastruktur zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens: Zehn Prozent der Ärzte sind schon an dieses besondere Netz mittels Konnektor angeschlossen.

Eine weitere Möglichkeit, um niedergelassene Ärzte zu entlasten, sind Telesprechstunden: Was im Ausland schon erprobt worden ist, könnte nun auch in Deutschland gelingen: Ein Tele-Arzt beantwortet Fragen von Patienten und leitet im Zweifel an Arztpraxen oder den Notruf weiter. Nach dem DocDirekt-Angebot in Baden-Württemberg soll nun ein ähnliches Projekt in Brandenburg starten.

Sogar für den Nachwuchs gibt es mittlerweile Möglichkeiten, IT und Gesundheitsmanagement in einer Ausbildung zu verknüpfen. Die Hochschule Stralsund bietet so etwas an. Beruhigend für die Studierenden: Um ihre berufliche Zukunft müssen sie sich keine Sorge machen.