Damit andere Mädchen verschont bleiben

Shamsa Araweelo überlebte Genitalverstümmelung und Gewalt. Ihre persönliche Geschichte nutzt sie heute, um aufzuklären und Betroffene zu unterstützen.

© Shamsa Araweelo
© Shamsa Araweelo
Engagement Global Beitrag

Selbstbestimmung beginnt beim eigenen Körper. Doch für Millionen Mädchen und Frauen ist sie keine Selbstverständlichkeit. Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) umfasst Eingriffe, bei denen äußere weibliche Genitalien ohne medizinischen Grund verletzt oder entfernt werden. Weltweit lebten 2024 nach Angaben von UNICEF mehr als 230 Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen, 30 Millionen mehr als noch 2016. Meist wird der Eingriff vor dem 15. Lebensjahr vorgenommen. Die Folgen sind schwerwiegend: Blutungen, Infektionen, chronische Schmerzen, Probleme bei Menstruation und Geburt und nicht zuletzt psychische Traumata.

Shamsa Araweelo kennt diese Folgen. Die heute 33-jährige Somalierin wurde im Alter von sechs Jahren genitalverstümmelt, wie sie selbst erzählt. Ein Jahr später zog sie mit ihren Eltern nach London. Als Jugendliche wurde sie zurück nach Somalia geschickt und mit ihrem Cousin verheiratet. Sie erlebte sexualisierte und häusliche Gewalt. Mithilfe ihrer Mutter und ihrer Tanten gelang ihr die Flucht zurück nach England. In Sicherheit war sie damit, frei von den Folgen jedoch nicht. Schmerzen und Traumata begleiteten sie über Jahre. Da eine rekonstruktive Operation in England nicht angeboten wurde, sammelte sie Spenden und ließ sich schließlich in Deutschland operieren.

Heute nutzt Shamsa ihre Geschichte als Kraft für Veränderung. Sie klärt über FGM auf und unterstützt Betroffene: Auf TikTok folgen ihr mehr als 380.000 Menschen, ihre Beiträge haben weltweit über 100 Millionen Menschen erreicht. In ihren Videos erzählt sie schonungslos und detailliert vom Tag ihrer Verstümmelung und der Gewalt, die ihr widerfahren ist. Anhand von Rosen oder genähten Modellen demonstriert sie, welche Teile ihrer Vagina entfernt wurden und welche physischen Folgen die Verstümmelungen haben. Sie spricht offen aus, was häufig verschwiegen wird. Denn Scham, davon ist sie überzeugt, schützt nicht die Opfer, sondern das System, das die Gewalt ermöglicht.

© Shamsa Araweelo
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Nur durch diesen Tabubruch können Geschichten wie ihre zu konkreten präventiven Maßnahmen und Systemveränderungen führen. Die sind etwa im Gesundheitsbereich nötig, wo Betroffene oft missverstanden werden und ihr Trauma erneut durchlaufen müssen. Deshalb macht Shamsa als Rednerin, Trainerin und Aktivistin auf FGM aufmerksam und schult und berät als Expertin Fachkräfte, etwa die Londoner Polizei. Sie hat zudem ihre eigene Organisation gegründet, um FGM-Überlebende zu unterstützen. 2023 nahm die BBC Shamsa in ihre Liste „100 Women“ auf, 2024 erhielt sie den Girls’ Human Rights Award. Besonders wichtig ist ihr jedoch, was sich nicht in Auszeichnungen messen lässt: dass ihre Tochter und andere Mädchen freier und sicherer aufwachsen können.

 

Shamsas ausführliche Geschichte ist in E+Z – Entwicklung und Zusammenarbeit online und in der App nachzulesen. Das redaktionell unabhängige Magazin zu globaler Zusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung wird von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben. Wer selbst zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt beitragen möchte, findet bei Engagement Global Anregungen und Beratung für passende Wege ins eigene Engagement. 
Das Team berät telefonisch unter 0800 188 7 188 (kostenfrei) und per E-Mail an info@engagement-global.de.

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