Aufgewachsen in einem Vorort von Paris, als Tochter eines in Algerien geborenen jüdischen Vaters und einer aus Martinique stammenden Mutter, gehörte Rassismus für Emilia Zenzile Roig zum Alltag. Einen bewussten Anfangspunkt für ihr Engagement gab es aber nicht: „Es war immer natürlich für mich, wenn ich irgendwo Ungerechtigkeit sehe, muss ich darüber reden.“ Sie arbeitete bei den Vereinten Nationen in Tansania, bei der GIZ in Kambodscha und bei Amnesty International. 2017 gründete sie in Berlin, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt, das Center for Intersectional Justice, eine gemeinnützige Organisation für Gleichberechtigung und gegen systemische Unterdrückung, die bis 2024 bestand. Ihre Mission verfolgt Zenzile Roig heute als Sachbuchautorin weiter: „Ich möchte unterrepräsentierte, marginalisierte Perspektiven sichtbar machen und ihnen auch Legitimität verleihen.“ Engagement, findet sie, müsse dabei nicht groß sein: „Es kann auch einfach sein, jemandem Essen vorbeizubringen.“
Als Katharina Reuter 15 Jahre alt war, nahm sie an einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teil. Damals war ihr klar: „Ich möchte mich in die Zivilgesellschaft einbringen und nicht danebenstehen.“ Mit 16 gründete sie in ihrer Heimatstadt Berlin die Grüne Jugend mit, mit 18 trat sie als jüngste Spitzenkandidatin der Stadt bei den Kommunalwahlen an. Seither engagiert sie sich für die Umweltbewegung. Reuter ist Geschäftsführerin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW) und Mitgründerin von Entrepreneurs for Future. Sie setzt sich dafür ein, dass Unternehmen ganzheitlich Verantwortung übernehmen – für den Planeten, für die Menschen und für die Demokratie. Ihrer Ansicht nach können alle etwas für nachhaltiges Wirtschaften tun: beim Einkauf, bei der Wahl der Bank und bei der Entscheidung, welche Unternehmen und Initiativen sie unterstützen. Engagement, sagt Reuter, kann ganz unterschiedlich aussehen.
Vor zwei Jahren verlor Michelle Bayona ihre ältere Tochter Line, die nur zwei Jahre alt wurde. Ein fachmedizinisches Gutachten stellte schwerwiegende Behandlungsfehler fest. Daraufhin gründete Bayona mit weiteren Betroffenen den Verein „Fokus Behandlungsfehler“, dessen Erste Vorsitzende sie ist. Zudem ist sie Schirmherrin von „Lines Vermächtnis“, einem Präventionsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit und der DAK-Gesundheit. Ziel ist es, kritische Verschlechterungen bei Kindern im Krankenhaus frühzeitig zu erkennen. „Ich möchte nicht, dass das, was meiner Tochter passiert ist, jemals wieder passiert“, sagt Bayona. Ihr Rat an alle, die sich engagieren wollen: „Sucht euch Verbündete und überlegt strategisch, wie ihr die Veränderung erreichen könnt, die ihr euch wünscht.“