Kaiserlich urlauben

Wandern, regionale Küche genießen und Museen und historische Denkmäler besuchen: Die Kombination verschiedener Urlaubsvergnügen liegt im Trend. Das gelingt zum Beispiel auf den Spuren der österreichischungarischen Kaiserin Sisi in Südtirol und Bayern.

Illustration: Natascha Baumgärtner
Illustration: Natascha Baumgärtner
Carola Hoffmeister Redaktion

Sisi kam im Winter 1870 erstmals in die Kurstadt Meran und residierte auf Schloss Trauttmansdorff – in herrlicher Lage oberhalb der Stadt. Sie liebte es, im Flaumeichenwald in der Nähe der vanilleeisfarbenen Burg zu spazieren, „ferne und ungestört vom Geräusch der Welt“, wie es heißt. Noch heute ziehen die botanischen Schlossgärten mit den zwei Honigpalmen an einem Seerosenteich Reisende magisch an. Hier, im Herzen Südtirols auf der Südseite der Alpen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern wird von Bergen wie von einem Ring aus Zuckerhüten umgeben. Auf ihnen erstrecken sich glitzernd weiße Skipisten, in der Umgebung locken märchenhafte Schlösser und Burgen, und in Merans Innenstadt romantisch gelegene Restaurants.

Der Sisi-Themenweg ist eine ideale Möglichkeit, die Vorlieben der Kaiserin zu entdecken. Er führt von den Gärten des Schlosses Trauttmansdorff, wo ihre ehemaligen Wohnräume besichtigt werden können, zur Altstadt. Unterwegs kann man sich vorstellen, wie Naturliebhaberin Sisi die Landschaft mit winterlichen Weinbergen und Anwesen wie Schloss Pienzenau, Schoss Rubein, Schloss Rottenstein und das Hotel Bavaria genoss. Im Elisabethpark mit der marmornen Sisi-Statue spenden im Sommer Bäume Schatten, zwei Springbrunnen plätschern und der Fluss Passer zieht gemächlich Richtung Etschtal, wo er in die Etsch mündet, Italiens zweitlängsten Fluss.

Glaubt man Umfragen, so wollen drei Viertel der Deutschland-Reisenden im Urlaub Natur genießen und Sehenswürdigkeiten besichtigen. Nach dem anderthalbstündigen Spaziergang auf dem Sisi-Themenweg lockt die Meraner Innenstadt mit ihrem Kulturangebot. In der Laubengasse, der mit Arkaden gesäumten Häuserzeile aus dem Mittelalter, residieren gleich zwei Kulturinstitutionen. Das Museum für zeitgenössische Kunst Merano Arte zeigt auf drei Stockwerken im denkmalgeschützten Haus regelmäßig Ausstellungen internationaler Künstler aus den Bereichen Fotografie, Installation oder Malerei. Besucher können an Führungen, Performances oder Matineen teilnehmen. Ein paar Meter weiter hat der Meraner Fotograf Erwin Seppi eine ehemalige Wohnung in den Kunstraum ES Gallery verwandelt. Und auch die spätgotische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus am Ende der Lauben ist ein beliebtes Fotomotiv, das viele der mehr als 40 Millionen Gäste, die 2023 nach Meran kamen, abgelichtet haben.

Ein weiteres Urlaubshighlight ist immer wieder, typische Speisen und Getränke der angesteuerten Region zu genießen. Auch wegen der kulinarischen Genüsse zieht es viele Touristen nach Meran. Auf den Speisekarten stehen Gerichte wie Gnocchi mit Almkäse, Speckknödelsuppe, Rindergulasch mit Polenta oder die berühmten Meraner Schokowürfel aus Marzipan und Haselnussnougat. Auf Schloss Kallmütz am Rande der Altstadt tischt Küchenchef Conte Giovanni Battista abends Köstlichkeiten wie Kalbsrückensteak in der Nusskruste an Pistazien-Polenta auf – ein Gasthaus für den Urlaubsalltag. Aber auch Fans der Sterneküche kommen in Meran auf ihre Kosten. Der aktuelle Guide Michelin 2024, die ultimative Bibel für Feinschmecker, hat insgesamt 26 seiner begehrten Sterne an 21 Restaurants in Südtirol verliehen; Spitzenreiter ist die Tourismusmetropole Meran mit sechs Sternen. Eines der ausgezeichneten Restaurants ist nach der ehemaligen Kaiserin benannt, die besonders gerne Veilcheneis gegessen haben soll. Im Restaurant „Sissi“ kreiert Chefkoch Andrea Fenoglio italienische Köstlichkeiten aus besten regionalen Zutaten; aus seinem Weinkeller stehen 500 Weine zur Auswahl, von denen zwanzig auch glasweise bestellt werden können. Durch große Fenster schweift der Blick auf den Platz zwischen Lauben und Landesfürstlicher Burg, in der früher die hochadligen Tiroler Landesherren residierten.

Ein schönes Kontrastprogramm zu Kulinarik und Kultur bieten die Berge mit den fünf Skigebieten rund um die Kurstadt, dank 300 Sonnentagen pro Jahr auch Merans Sonnenterrasse genannt. Die Talstationen sind nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt, und Wintersportler erwartet im Skigebiet Meran mehr als 40 Kilometer Pistenspaß. Die meisten befinden sich im mittleren Schwierigkeitsbereich, Steilhang und Mittellagepiste sind jedoch auch für erfahrene Skifahrer und Snowboarder eine Herausforderung. Am Schnalstaler Gletscher beginnt die Skisaison bereits im September, und hier kommen, genau wie an der Schwemmalm, vor allem anspruchsvolle Fahrer auf ihre Kosten. Das idyllische Skigebiet auf dem Berg Vigiljoch schätzen hingegen besonders Familien.

Etwa 300 Kilometer von Meran entfernt, in Starnberg bei München, greift das Hotel Vier Jahreszeiten ebenfalls das beliebte Sisi-Thema auf. Ganz in der Nähe, im beschaulichen Possenhofen am Starnberger See, wuchs die spätere österreichisch-ungarische Kaiserin, damals noch „Zopf-Liesel“ genannt, auf. Heute spielt sie in der Gegend wie auch in dem inhabergeführten Tagungshotel eine wichtige Rolle. So können Gäste bei einem Abendessen Sisis Leibspeisen genießen - auch wenn aufgrund ihres strengen Diätplans nicht ganz klar ist, was die Monarchin überhaupt aß. Doch vielleicht würde sie sich heute im hauseigenen Gourmetrestaurant „Aubergine“, dem einzigen Sternerestaurant der Region (das nichts mit dem ehemaligen Sternerestaurant in München zu tun hat) zu einem Menü mit dem kalorienarmen, frisch aus dem See gefangenen Saibling verführen lassen. Oder sie würde Gäste empfangen in der nach ihr benannten Meeting-Suite „Sisi“, den Blick über Starnberg und den See schweifen lassen und Pläne machen für verschiedene Freizeitaktivitäten, etwa eine Bootstour zur Roseninsel, um sich wieder heimlich mit König Ludwig II. zu treffen oder ihn in seinem nicht weit entfernten Schloss Neuschwanstein zu besuchen. Heutige Gäste können einen Abstecher machen zum Museum des Multi-Künstlers Lothar-Günther Buchheim in Bernried, die idyllische Natur rund um die vier anderen Seen des Fünfseenlandes (Ammersee, Wörthsee, Pilsensee und Weßlinger See) genießen, mit der Bayerischen Seenschifffahrt gemütlich über die Gewässer schippern und schließlich im rundum biologisch ausgerichteten Schlossgut Oberambach einkehren. Hier nimmt man „abschalten“ und Digital Detox wörtlich: Ab 23 Uhr wird das WLAN automatisch abgeschaltet.

 

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