Fleisch der Zukunft

Mit einer bewussten Ernährung kann jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen. Eine große Rolle könnte dabei künstliches Fleisch aus dem Labor spielen.
Illustration: Anna-Maria Heinrich
Illustration: Anna-Maria Heinrich
Iunia Mihu Redaktion

 

Was wir essen, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Umwelt. Expertinnen und Experten sagen es inzwischen deutlich: Wir müssen unsere Ernährung nachhaltig umstellen, sonst lässt sich der Klimawandel kaum aufhalten. Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, macht nämlich einen Großteil der Treibhausgas-emissionen aus. Studien zum Klimaschutz zeigen: Durch mehr Wald und weniger Fleischkonsum könnten die Pariser Klimaziele erreicht werden.

 

Ein klimafreundlicher Ernährungswandel scheint also dringend notwendig. Doch wie kann er gelingen? Wenn man nicht gänzlich auf Fleisch verzichten will, so muss doch der Anteil an tierischen Produkten reduziert und gleichzeitig der Anteil an Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis hochgefahren werden. Eine flexitarische Ernährungsweise also, bei der nur noch gelegentlich Fleisch auf den Tisch kommt. Im besten Fall nur noch 470 Gramm pro Woche, wie eine neue Studie der Umweltstiftung WWF ausgerechnet hat. Fleisch-Fans müssten also gar nicht mal auf den Sonntagsbraten verzichten, jedoch auf die tägliche Wurststulle. Auch das Umweltbundesamt fordert eine Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland. Das sei notwendig, um die umweltschädliche Massentierhaltung zu reduzieren.

 

Zwar scheint die Lust der Deutschen auf Fleisch abzunehmen. Der geschätzte Pro-Kopf-Verzehr war im Jahr 2020 mit 57,3 Kilo so niedrig wie noch nie seit Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989. Also gute Nachrichten fürs Klima? Leider nicht ganz. Denn der weltweite Fleischkonsum nimmt zu. Grund ist eine immer größer werdende Weltbevölkerung. Über Alternativen zum Schweineschnitzel oder Rindersteak muss also weiterhin nachgedacht werden.

 

Internationale Wissenschaftler und Start-ups wollen mit sogenanntem in-vitro-Fleisch das Bedürfnis der Welt nach mehr tierischem Protein stillen. Es wird als vielversprechende Alternative im Kampf gegen Klimakrise und Massentierhaltung gehandelt. Die eigentliche Technologie dahinter kennt man aus der Medizin, wo bereits Herzklappen, Hautgewebe oder Ohrmuscheln im Labor gezüchtet werden. Beim Steak aus der Petrischale funktioniert das ähnlich: Durch eine Biopsie werden einem lebenden Tier Muskelstammzellen entnommen. Diese werden in einer speziellen Nährlösung kultiviert, vermehren sich und bilden anschließend Muskelzellen. Leider stammt das Wachstumsserum, in dem das Fleisch wächst, oft aus dem Blut lebender Föten. Das heißt, für die Kunstfleischproduktion müssen Millionen Kälber sterben – aus tierethischer Sicht höchst problematisch.

 

Eine andere Lösung für Fleischersatz könnte indes aus der Luft kommen: Ein finnisches Start-up hat eine Methode entwickelt, um aus CO2 ein Proteinpulver herzustellen. Dieses könnte man dann in Nahrungsmittel weiter verarbeiteten, vergleichbar mit getrockneten Algen oder Soja, so das Unternehmen. Die Methode punktet vor allem mit einem geringen Wasserverbrauch

 

Eine weitere Alternative zu tierischem Eiweiß sind Proteine aus Insekten. Der Verzehr von Krabbeltieren ist für viele Europäer eine eklige Vorstellung – da helfen auch ernährungswissenschaftliche und ökologische Argumente wenig. In vielen Teilen der Welt sind Insekten aber ein selbstverständliches Nahrungsmittel. Seit Jahren werde der Genuss von Krabbeltieren in europäischen und amerikanischen Medien debattiert, schreibt dazu die Heinrich-Böll-Stiftung: „In Europa geht es dabei weniger um die Frage, wie gut oder weniger gut sie schmecken, es werden vor allem ökologische, wirtschaftliche sowie tierethische Gründe diskutiert.“

 

Bis wir das Steak aus dem Labor im Supermarkt kaufen können, ist Fleischersatz auf pflanzlicher Basis für die Umwelt am besten. Und zwar deshalb, weil Pflanzen wie Soja und Weizen auf direktem Weg der menschlichen Ernährung dienen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes. Werden Pflanzen aber erst als Tierfutter genutzt, benötigt man die siebenfache Menge an pflanzlichen Kalorien um das Äquivalent an tierischen Kalorien zu gewinnen. Abgesehen davon fallen auch deutlich mehr Ackerfläche, Wasser und Energie an.

 

Und die Zahlen sprechen Bände: Bei der Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis werden 2,8 kg Treibhausgase ausgestoßen. Bei Rindfleisch sind es satte 30,5 kg. „Unsere Studie zeigt: Fleischersatz könnte eine große Rolle bei einer umweltschonenderen und auch gesünderen Ernährung spielen“, sagt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). Er sieht aber auch die Politik noch stärker in der Pflicht: „Solange der Preis der Lebensmittel aber nicht auch die Umweltschäden widerspiegelt, wird das billige Nackensteak noch länger den Vorzug vor einem Sojaschnitzel bekommen. Hier ist die Politik gefragt, diese Rahmenbedingungen zu verändern.“

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