Eineinhalb Jahre shoppen

CO2 zu reduzieren, ist das Gebot der Stunde. Doch zunächst müsste man einmal wissen, was eigentlich welche Menge an Treibhausgas verursacht.
Illustration: Anna-Maria Heinrich
Illustration: Anna-Maria Heinrich
Klaus Lüber Redaktion

 

Dass wir alle CO2 einsparen müssen, um den Klimawandel aufzuhalten, mag sich herumgesprochen haben. Doch welche Tätigkeit wie viel Treibhausgas verursacht, welche Menge ich demnach sparen kann, wenn ich darauf verzichte, oder wenn mir das nicht möglich ist, welche Art von Kompensation mir zur Verfügung steht, mit der ich dafür sorgen kann, dass das Gas an anderer Stelle wieder aus der Atmosphäre gesaugt wird – all das ist gar nicht so einfach zu durchblicken.

 

Um physikalische Vorgänge greifbarer zu machen, wenden wir bestimmte Messgrößen an. Bei CO2 hat sich die Einheit Tonne etabliert. Wenn beispielsweise im Rahmen der Klimakonferenz COP26 davon die Rede ist, den jährlichen Ausstoß von 50 Gigatonnen CO2 bis 2050 auf zehn Gigatonnen zu reduzieren, handelt es sich hierbei, heruntergebrochen auf acht Milliarden Menschen, um einige Tonnen pro Person. Nehmen wir also die Menge von einer Tonne CO2 und versuchen, sie auf unseren Alltag zu übertragen. Was verursacht welche Menge an Treibhausgas?

 

Streamen

 

Eine halbe Stunde YouTube, Spotify oder Netflix verbraucht so viel CO2 wie sechs Kilometer Autofahren. So geisterte es zumindest einige Zeit durch die Medien. Eine Studie des Bundesumweltministeriums von 2020 kommt da zu einem etwas anderen Ergebnis. Demnach fallen durch Streaming nur fünf Gramm Kohlendioxid pro Stunde an. Bis man eine Tonne CO2 ausgestoßen hat, dürfte man bei diesen Werten 200.000 Stunden streamen. Das einspricht einer Sendezeit von 23 Jahren.

 

Fliegen

 

Beim Fliegen ist eine Tonne CO2 erheblich schneller verbraucht. Nämlich beispielsweise schon mit einem Hin- und Rückflug der Strecke München – Tel Aviv. Allerdings werden nur etwa 40 Prozent des Treibhauseffektes vom ausgestoßenen Kohlendioxid verursacht. 60 Prozent gehen unter anderem auf die von Flugzeugturbinen erzeugen Kondensstreifen zurück. Außerdem bildet sich das Gas Ozon, das ebenfalls Treibhauseffekte hervorruft.

 

Liefern

 

Der Online-Handel boomt, auch dank der immerwährenden Corona-Krise. Aktuell werden in Deutschland jedes Jahr etwa vier Milliarden Pakete geliefert, das sind elf Millionen Sendungen pro Tag. Die Universität Bamberg will nun ermittelt haben, dass davon jedes sechste Paket zurückgeschickt wird. Dabei entstehen 1,2 Kilogramm CO2 und, auf einen Tag hochgerechnet, 2.200 Tonnen CO2. Für eine durch Retouren ausgestoßene Menge von einer Tonne CO2 reichte eine Kleinstadt mit 37.000 Einwohnern.

 

Shoppen

 

Sage und schreibe zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen lassen sich auf die Herstellung von Kleidung und Schuhen zurückführen. So jedenfalls heißt es in einem Bericht der europäischen Umweltagentur zu den Folgen der Textilproduktion. Durch Shopping von Kleidung schaffen die Deutschen die Tonne CO2 in eineinhalb Jahren. Grund für diesen immensen Ausstoß ist nicht nur die Produktion, Lieferung und Entsorgung, sondern schlicht die Tatsache, dass immer mehr Kleidung pro Jahr weggeworfen wird – im EU-Schnitt elf Kilogramm pro Jahr.

 

Pflanzen

 

Sie schaffen es beim besten Willen nicht, Ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren? Kein Problem, spenden Sie einfach ein wenig Geld für das Aufforsten von Wäldern – und im Nu ist die eigene Emission wieder ausgeglichen. Das stimmt zwar in der Theorie, in der Praxis ist das leider etwas komplizierter. Denn bis Bäume CO2 in nennenswerten Mengen aus der Luft heraussaugen können, vergeht viel Zeit. Rund 80 Jahre muss eine Buche wachsen, um eine Tonne CO2 in Sauerstoff und organisches Material umzuwandeln.

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