Klima und Geldbeutel schonen

Heizen und Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien: Das ist die Zukunft der Versorgung von Immobilien. Dabei stehen ein paar Technologien im Fokus.  

Illustration: Merle Piroli
Illustration: Merle Piroli
Frank Burger Redaktion

Die Bundesregierung ist in diesem Herbst wenig einträchtig unterwegs. Immer wieder befehden die Koalitionsparteien einander und verschwenden Energie, die sie für die großen politischen Themen unserer Zeit bräuchten. Im Bestreben den Klimawandel zu bekämpfen kann die Ampel allerdings einen Erfolg verbuchen, denn nach langem Vorlauf haben Bundestag und Bundesrat gerade das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) verabschiedet.

Der Kern der Novelle: Ab 1. Januar 2024 muss jede neu eingebaute Heizung mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen. Das Gesetz soll vorerst nur für Neubaugebiete gelten, für neue Heizungen in Bestandsimmobilien gibt es eine Übergangsfrist. Sie gibt Eigentümer:innen Bedenkzeit, ob sie eine 65-Prozent-Heizung installieren oder ihr Haus an ein Fernwärmenetz anschließen lassen, so denn eines existiert. Daher müssen die Gemeinden Pläne vorlegen, ob es auf ihrem Gebiet in Zukunft ein Fernwärmenetz geben wird. Große Kommunen haben dafür bis Mitte 2026 Zeit, kleine bis Mitte 2028.

In Zahlen ausgedrückt will die Bundesregierung mithilfe der GEG-Novelle bis 2030 die CO2-Emissionen im Gebäudesektor auf maximal 70 bis 72 Millionen Tonnen drücken – 2022 waren es laut Bundesumweltamt 112 Millionen Tonnen. Bis 2050 soll der Ausstoß gegenüber 1990 um 80 bis 95 Prozent sinken. Doch welche Heizungsart eignet sich am ehesten, um diese Ziele zu erreichen? Da Heizen und Stromerzeugung sowie -verbrauch künftig immer enger verflochten sein werden, stellt sich außerdem die Frage: Wie kann im Gebäudesektor Strom gewonnen und gespeichert werden? Antworten gibt ein knapper Überblick über Funktionsweise und Tauglichkeit verschiedener Technologien.

Wärmepumpen sind für viele Expert:innen der Favorit unter den Heizungen der Zukunft, auch die Stiftung Warentest bescheinigt ihnen in einer aktuellen Untersuchung Umweltfreundlichkeit und Effizienz. Unter welchen Voraussetzungen sie tatsächlich klimaschonend arbeiten, zeigt ihr Prinzip: Die Geräte befördern über Rohre Wärme aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder der Erde ins Haus. Transportmedium ist ein Kältemittel, das im Kreislauf verdichtet wird und sich wieder ent-spannt, wenn es Wärme abgibt – und die Verdichtung verbraucht Strom. Grün ist er nur, wenn er aus erneuerbaren Energiequellen stammt, was 2022 erst für knapp die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms galt. Bis 2030 sollen es nach den Plänen der Regierung 80 Prozent sein. Schon jetzt gilt: Je effizienter eine Wärmepumpe arbeitet, desto besser ihre Umweltbilanz, dafür ist eine gute Dämmung des Hauses wichtig. Eine Wärmepumpe ist besonders sinnvoll, wenn ihr Strom aus einer eigenen Photovoltaik (PV)-Anlage auf dem Dach stammt, Geld sparen lässt sich auch mit den speziellen, günstigeren Stromtarifen, die Energieversorger für Wärmepumpen anbieten.

Umweltfreundlich, da völlig emissionsfrei, sind Solarthermieanlagen, die mit Hilfe von Kollektoren auf dem Hausdach Wasser erhitzen. Die meisten dienen nur der Warmwasserversorgung, erst größere Anlagen ab rund zwölf Quadratmetern Fläche können auch die Heizung unterstützen. Eine exakt auf das Gebäude abgestimmte großflächige Solarthermieanlage kann rund 20 Prozent des Wärmebedarfs eines Vierpersonenhaushalts decken.

Eine höhere Heizleistung haben Holzpellet-Kessel, in denen gepresste Stäbe aus Sägemehlresten der Holzverarbeitung verbrannt werden und das Wasser in den Heizkörpern erhitzen. Große Pellet-Zentralheizungen sorgen außerdem für heißes Brauchwasser. Auch Pellets gelten nach dem neuen GEG als erneuerbare Energieträger. Sie haben einen geringeren Wassergehalt als Brennholzscheite und erzeugen weniger Asche sowie Emissionen.

Ebenfalls auf Verbrennungsvorgängen beruht das Heizen mit Fernwärme. Sie entsteht unter anderem als eine Art Nebenprodukt in Müllverbrennungsanlagen oder wird in Kraftwerken nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt. Sie wird in Form von erhitztem Wasser über gedämmte Rohre zu den Gebäuden transportiert. Fernwärme ist sehr nachhaltig und heizt in Deutschland ungefähr sechs Millionen Wohnungen. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn möglichst viele Nutzer ans Netz angeschlossen sind, denn die Kosten für die Rohrverlegung und den Anlagenbau sind hoch – kein Wunder, dass Fernwärme nicht überall verfügbar ist. Auskunft darüber erteilen die Gemeinden.

Kraft-Wärme-Kopplung ist auch die Basis des Heizens mit einem Blockheizkraftwerk im eigenen Keller, das zudem noch Strom produziert: Ein Stromgenerator wird von einem Motor – in der Regel ein Verbrennungsmotor – angetrieben, dessen Abwärme die Heizkörper versorgt und darüber hinaus für Warmwasser sorgt. Diese Kopplung ergibt einen relativ hohen Wirkungsgrad und ist damit ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Ein weiterer Vorteil: Der erzeugte Strom kann direkt im Haus verbraucht oder gegen Vergütung ins Stromnetz eingespeist werden. 

Den geldwerten Vorteil der Einspeisevergütung können auch Immobilienbesitzer:innen mit einer PV-Anlage genießen. Finanziell am attraktivsten sind sie jedoch, wenn der Großteil des Stroms im Haushalt selbst genutzt wird. PV ist derzeit der am besten erschlossene Weg der nachhaltigen Stromerzeugung im eigenen Haus. Das Statistische Bundesamt zählte im März 2023 bereits 2,6 Millionen installierte Anlagen, und die Nachfrage der Bürger:innen ist weiterhin hoch. PV-Anlagen sind emissionsfrei und lassen sich individuell konfigurieren, je nach dem aktuellen und voraussichtlichen künftigen Stromverbrauch – eine Wallbox zum Laden eines Elektrofahrzeugs etwa kann sich auch für Menschen rentieren, die noch kein E-Auto besitzen, denn aller Voraussicht nach wird die Elektromobilität der Standard der Zukunft sein. Auch die Verschränkung der Stromerzeugung mit der Heizung, beispielsweise durch die Anschaffung einer Wärmepumpe, kann sinnvoll sein.  

Zentraler Bestandteil vieler PV-Anlagen ist darüber hinaus ein Stromspeicher auf Lithium-Ionen-Basis. Sie laden und entladen schnell, speichern den Strom aber nur wenige Tage. Derzeit diskutierte Alternativen sind so genannte Power-to-X-Technologien, bei denen zunächst mit grünem Strom gasförmige oder flüssige Trägermedien hergestellt werden – durch Rückumwandlung wird daraus wieder Strom gewonnen.

Stromspeicher sind wichtig, um zumindest zeitweise unabhängig vom Stromnetz zu sein, etwa bei Netzausfällen. Darüber hinaus sind sie die Voraussetzung, um von flexiblen Strompreisen zu profitieren, die Energieversorger in Deutschland ab 2025 anbieten müssen.  

Illustration: Merle Piroli
Illustration: Merle Piroli
Illustration: Merle Piroli
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STROM SPAREN

Für eine gute Klimabilanz von Gebäuden ist nicht nur die Art entscheidend, wie Strom und Wärme erzeugt werden, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang seiner Bewohner:innen mit den Ressourcen. Wer elektrische Energie nicht verschwenden möchte, sollte daher die größten Stromfresser im Haus kennen. Im Folgenden ist der mittlere Jahresverbrauch verschiedener Geräte aufgeführt sowie die damit verbundenen Kosten. Basis der Berechnung ist der durchschnittliche Strompreis in Deutschland im zweiten Halbjahr 2022, der bei rund 40 Cent lag. Zu jedem Gerät gibt es außerdem einen Spartipp – zusätzlich zur grundsätzlichen Empfehlung, neue Modelle zu nutzen, weil sie in der Regel weniger Energie benötigen.

Alte Umwälzpumpe  500 kWh = € 200*
Spartipp: Austauschen – neue Modelle benötigen
rund 80 Prozent weniger Strom.

Elektroherd  445 kWh = € 178*
Spartipp: Topf oder Pfanne passend zur Platten-
größe wählen, Restwärme nutzen    

Gefrierschrank  415 kWh = € 160*
Spartipp: Tür immer nur so kurz wie möglich öffnen.

Kühlschrank  330 kWh = € 132*
Spartipp: Nicht an einem warmen Ort aufstellen, etwa neben dem Herd oder an einem Sonnenplatz.

Beleuchtung  330 kWh = € 132*
Spartipp: Alte Glühbirnen gegen Energiesparlampen oder LED austauschen.

Wäschetrockner  325 kWh = € 130*
Spartipp: Viele Geräte bewegen die Wäsche auch nach dem Trocknen weiter – also möglichst schnell ausräumen.

Geschirrspüler  254 kWh = € 98* 
Spartipp: Maschine immer voll beladen, kein Vorspülen.

Waschmaschine  220 kWh = € 88*
Spartipp: Niedrige Temperaturen und Öko-Programme nutzen.

Fernseher  190 kWh = € 76*
Spartipp: Steckdosen mit Ausschalter verhindern Standby-Verbrauch.

WLAN-Router  135 kWh = € 54*
Spartipp: Ausschalten, wenn nicht benötigt, etwa nachts.

*Verbrauch / Jahr

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