Weltveränderer gesucht!

Tausende Organisationen suchen nach Geldquellen. Siegel und Zertifikate helfen, sich nicht im Dickicht der Gut-Tuenden zu verlaufen.

Illustration: Anastasija Kretzschmar
Illustration: Anastasija Kretzschmar
Axel Novak Redaktion

Wer alt wird, um den wird es einsamer. Freundschaften dünnen aus, Kontakte werden geringer. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Wer alt wird und jemals gemeinnützig gespendet hat – und die Wahrscheinlichkeit, dies zu tun, wächst mit den Lebensjahren – der erhält bald Post. Bald mehr. Bald immer öfter - und immer öfter von Menschen und Organisationen, die einem gänzlich unbekannt sind. Alle Anschreiben eint eines: Sie wollen Geld.

Wohl zu Recht. Die Anzahl der weltweit Bedürftigen ist immens, Katastrophen erschüttern die Welt und gleichzeitig steigt das Gefühl, den eigenen Wohlstand teilen zu müssen, indem man dieses oder jenes Projekt unterstützt. 2023 haben 17 Millionen Menschen in Deutschland fünf Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet. Sechs von zehn gespendeten Euro stammen von Menschen, die älter als 60 Jahre sind, so der Deutsche Spendenrat.

Wohin geht das viele Geld? Rund drei Viertel ist an humanitäre Hilfsorganisationen geflossen. 710 Millionen Euro gingen an die Not- und Katastrophenhilfe, 459 Millionen Euro für Organisationen, die Geflüchtete betreuen. Mit 1,24 Milliarden Euro haben die Deutschen die Kultur- und Denkmalpflege, den Natur-, Umwelt-, Klima- und Tierschutz oder Sportvereine unterstützt.

Am liebsten spenden die Menschen, um eine Organisation regelmäßig zu unterstützen oder weil ihnen ein konkretes Projekt am Herzen liegt. Fast jeder fünfte Deutsche wird nach einem Spendenaufruf zu einem Spender, nicht einmal jeder hundertste aus rein steuerlichen Gründen.

Dabei senken Spenden die eigene Steuerlast. Denn Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen und an Parteien können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Für Beträge über 300 Euro muss eine Spendenbescheinigung vorliegen, Beträge bis zu 100 Euro erkennen viele Finanzämter auch ohne Beleg an, wenn Höhe und Empfänger aufgelistet sind. Sogar der Zeitaufwand im Ehrenamt und Sachspenden wie Kleidung, Möbel oder Spielzeug werden berücksichtigt – dafür muss nur der Wert der Zuwendung belegt werden. Wer spendet, der will in der Regel, dass all sein Geld auch wirklich in das Projekt fließt. Auf Nummer sicher geht, wer an das Bündnis aktion-deutschland-hilft.de spendet, in dem sich mehr als 20 große deutsche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben. 

Wer individueller spenden und sicher sein will, dass ein Verein oder eine Organisation seriös ist und das Geld verantwortungsvoll einsetzt, der orientiert sich an Spendensiegeln. Der Deutsche Spendenrat oder das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen bewerten mit Zertifikaten, wie Geld verwendet wird und wie hoch der Anteil für Werbung und Verwaltung ist.

Eine solche Orientierung ist grundsätzlich notwendig: Denn schon vor einigen Jahren gab es in Deutschland 608.000 eingetragene Vereine und 23.230 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Es sind nicht weniger geworden seitdem. Und sie alle wollen Unterstützung, Geld und neue Spender. Die Postflut wird nicht abebben.

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