Zuhause im Pflegeheim

Pluspunkte sind eigene Möbel und soziale Kontakte

Illustration: Daria Domnikova
Illustration: Daria Domnikova
Andreas Hessler Redaktion

Der Umzug in ein Pflegeheim ist für ältere Menschen und ihre Familien oft emotional belastend. Die Suche nach einem Heimplatz und die Erledigung vieler Formalien kosten Zeit und Nerven. Eine gute Vorbereitung erleichtert die Umstellung.  

Alt werden ist nichts für Feiglinge, konstatierte der Schauspieler und Moderator Joachim Fuchsberger. Die meisten Senior:innen stimmen ihm wohl zu. Bei zunehmender Gebrechlichkeit müssen Pflegedienste und Angehörige, wenn sie wollen und können, viele Aufgaben übernehmen. Rund fünf Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig; vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, ein Fünftel lebt ihm Pflegeheim.

Trotz diverser gesundheitlicher Probleme und Pflegegrad 3 wollte auch Mary Lindemann so lange wie möglich in ihrem schönen Zuhause in Potsdam wohnen bleiben. „Unsere Familie und der Pflegedienst haben meine Oma bei der Körperpflege, dem Zubereiten von Mahlzeiten und beim Einnehmen ihrer Medikamente unterstützt“, berichtet Enkelin Jenny Richter. „Sie konnte sogar noch mit unserer Familie gemeinsam Weihnachten in einer Hütte in Südschweden feiern.“ Doch kurz darauf wurde ihre Großmutter immer hinfälliger. Der Familienrat war sich einig, dass Oma ganztägig betreut werden und in ein Pflegeheim umziehen musste. „Ich hatte Angst, dass meine Oma uns allen und besonders mir, der sie vertraut hat, die Entscheidung übelnehmen würde.“

Tatsächlich war die alte Dame zunächst von der Aussicht auf diesen Lebensabschnitt nicht begeistert. Wie viele alte Menschen hatte sie kein positives Bild vom Leben im Heim. Medienberichte über Missbrauch und unfähiges Personal würden das Bild der Pflegeheime in der Öffentlichkeit bestimmen, so der Pflegereport der DAK. Trotzdem sind die Plätze in den rund 12.000 vollstationären Pflegeheimen in Deutschland heiß begehrt. Oft dauert es länger als ein Jahr, bis ein Platz frei wird. Unterstützung und Informationen bieten Pflegestützpunkte, Kranken- und Pflegekassen. Auch die Finanzierung sollte im Vorfeld gesichert sein. Laut des Verbands der Ersatzkassen müssen Heimbewohner:innen durchschnittlich 2.400 Euro pro Monat selbst bezahlen. Viele Senior:innen haben nur kleine Renten und sind auf die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ angewiesen. 

„Ich hatte schon zuvor die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung meiner Oma bekommen und habe deshalb die Suche nach dem Heimplatz übernommen – ein hoher Aufwand mit zahllosen Telefonaten, Internet-Recherchen und Anfragen per E-Mail“, so Enkelin Jenny Richter. Doch die Arbeit habe sich gelohnt, „nach nur fünf Tagen bekamen wir die Zusage von einer wirklich schönen Senior:innenresidenz in der Nähe.“

Ein wichtiger Wohlfühlfaktor für Heimbewohner ist die individuelle Einrichtung des Zimmers mit eigenen Möbeln und Erinnerungsstücken wie Fotos. „Wir haben das Zimmer meiner Oma sehr wohnlich gestaltet. Sie liebt ihren neuen Fernsehsessel“, sagt Enkelin Jenny lächelnd. Auch schätze ihre Großmutter die sozialen Kontakte. Vor allem das gemeinsame Singen, das einmal pro Woche angeboten wird, findet sie klasse. „Jetzt sagt sie sogar‚ ihr müsst nicht immer vorbeikommen, ich habe hier alles und bin versorgt‘. Wir sind alle froh, dass sie sich gut eingelebt hat. Und wir freuen uns auf ein gemeinsames Familienweihnachten im Heim.“ 

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