Talente 4.0

Mit der Digitalisierung der Fabriken verändern sich auch die Berufsbilder. Wer wird künftig in der Smart Factory arbeiten?
Talente 4.0
Illustration: Dorothea Pluta
Mirko Heinemann Redaktion

Im Foyer der Demonstrationsfabrik Smart Factory OWL in Westfalen steht ein sogenannter Handarbeitsplatz. Hier demonstriert der Hersteller, wie die Montage in der Fabrik der Zukunft aussehen könnte. Der Bauplan liegt in elektronischer Form vor. Er kann somit in Sekundenbruchteilen geändert werden, was die Fertigung extrem flexibel macht.

Der Arbeiter am Platz erhält den Bauplan über eine Augmented-Reality-Funktion in seiner 3-D-Brille. Sie zeigt ihm den Bauplan an und erläutert grafisch Schritt für Schritt, welche Schraube er aus welchem Kästchen nehmen muss und mit welchem Werkzeug sie wo verschraubt wird. An diesem Arbeitsplatz könnten auch Menschen mit Behinderung qualifizierte Montagearbeiten durchführen, erklärt der Vertreter des Herstellers. Nanu? Heißt es nicht, Industrie 4.0 soll den Menschen überflüssig machen?

Jürgen Jasperneite, Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums für industrielle Automation und Initiator der Smart Factory OWL, hat nie an solche Szenarien geglaubt. „In der Montage von komplexen Geräten werden Roboter den Menschen nicht ersetzen können.“ Jasperneite ist Verfechter der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, mit dem Ziel, die Arbeit für den Menschen möglichst angenehm zu machen. Deshalb hat er bei der Gestaltung der Smart Factory auch großen Wert auf ein attraktives Umfeld gelegt: In der Fabrikhalle ist es sauber und angenehm leise, durch deckenhohe Fenster können die zukünftigen 4.0-Talente ins Grüne schauen.

Aber wer sind die zukünftigen 4.0-Talente? Welche Berufe werden in der Fabrik der Zukunft gebraucht? Mit der digitalen Transformation der Wirtschaft verändern sich Berufsbilder rasend schnell, auch in der Fertigung. Wo bislang Industrie- oder Anlagenmechaniker am Werk sind, sollen künftig „Produktionstechnologen“ von der Pike auf lernen, wie Abläufe in einer digitalen Fabrik zu steuern sind. Nach einer dreijährigen Ausbildung können sie sich zum Prozess- und Applikationsexperten oder gar zum Prozessmanager weiterbilden. Dabei sollen sie in die Lage versetzt werden, gemeinsam mit Ingenieuren und Werksleitung eine IT-gestützte Produktionslinie aufzubauen und zu optimieren. Auch eine Ausbildung zum Mechatroniker soll junge Talente nach Abschluss ihrer Ausbildung  befähigen, Software und Hardware in der Fabrik der Zukunft zu beherrschen. Sie lernen sowohl Grundbegriffe der Mechanik als auch der Steuerungstechnik und Elektronik. Hingegen führt der Berufsweg zum Elektroniker für Automatisierungstechnik eher in die Spezialisierung in Sachen Ohm, Volt und Ampere: Sie montieren Sensoren und sind zuständig für die Einbindung der IT-Systeme in Netzwerke. Programmieren lernen sie auch.

Wer sich nach einer solchen Ausbildung mit dem Gedanken trägt, sein Abitur zu machen und noch ein Ingenieurstudium zu absolvieren, der wird höchstwahrscheinlich niemals eine Arbeitsagentur von innen kennenlernen. Denn hoch qualifizierte IT-Ingenieure mit solider Ausbildung sind in der Industrie 4.0 nachgefragt wie kaum eine andere Berufsgruppe.

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