Von der Vielfalt profitieren

Dezember 2020 | Handelsblatt | Perspektiven 2021

Von der Vielfalt profitieren

In Deutschland fehlen Auszubildende in MINT-Berufen. Covestro setzt auf Digitalisierung im Recruiting und will vor allem junge Frauen für sich begeistern.

Merve Koc arbeitet bei Covestro als Chemikantin. Sie findet: Von mehr Vielfalt profitieren alle.
Covestro / Anzeige

Es ist ein sonniger Tag im April, als Janine einen Anruf erhält. Am anderen Ende der Leitung ist eine Mitarbeiterin der Recruiting-Abteilung von Covestro. Ausführlich beantwortet sie die Fragen der 17-jährigen Abiturientin zu den Ausbildungsmöglichkeiten, die der weltweit agierende Chemiekonzern an seinen Standorten in Deutschland bietet. Am Ende des Gesprächs wird Janine beschließen, sich auf eine Ausbildungsstelle bei Covestro zu bewerben.
Selbst für große und international aufgestellte Unternehmen ist es Jahr für Jahr eine Herausforderung, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Das gilt besonders für die sogenannten MINT-Berufe – also Berufe, die im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich angesiedelt sind. Aktuell sind in Deutschland über 100.000 MINT-Stellen unbesetzt, sagt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Veränderungen durch das Corona-Virus machen die Suche nach Auszubildenden nicht einfacher. Zum Beispiel, weil Ausbildungsmessen nicht stattfinden können, die für kleine ebenso wie für große Unternehmen ein wichtiges Instrument der Rekrutierung sind. Workshops vor Ort und Bewerbertage fallen ebenfalls aus.

Auch Covestro muss deshalb neue Wege beim Recruiting gehen – und tut dies mit Erfolg. Alle 155 Ausbildungsplätze für das aktuelle Ausbildungsjahr sind besetzt, seit dem Sommer läuft die Ausbildungsphase für 2021. Gesucht werden Chemikant*innen, Chemielaborant*innen, Mecha-niker*innen, Elektroniker*innen, Mechatroniker*innen und duale Studierende in den Bereichen Chemie, Technik und IT. Dabei nutzt das Unternehmen die Chancen der
Digitalisierung und will vor allem junge Frauen mit naturwissenschaftlichem und technischem Interesse von sich überzeugen.
 

Digitale Berufsberatung
 

„Die Schülerinnen und Schüler sind nun vorwiegend zuhause und haben mehr Zeit. Wir haben also überlegt: Wie können wir sie in der aktuellen Situation am besten über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten informieren? Über welche Kanäle erreichen wir sie?“, erklärt Daniel Avanzato, Employer Branding & Recruiting Covestro.

Covestro hat deshalb neue Möglichkeiten der Berufsberatung eingerichtet. Über den Ausbildungsfinder auf der Rekrutierungsseite etwa können Schülerinnen und Schüler anhand verschiedener Fragen zu Interessen und Fähigkeiten herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passen könnte. Im Anschluss werden ihnen entsprechende Ausbildungsangebote bei Covestro angezeigt. Besteht weiterer Informationsbedarf, können sie – oder auch ihre Eltern – ihre Fragen per Instagram oder Facebook stellen. Oder sie schicken ihre Kontaktdaten per Privatnachricht und ein/eine Recruiter*in ruft zurück, um ein individuelles Beratungsgespräch zu führen – so wie bei Janine.

„Vor allem auf Instagram erhalten wir sehr positives Feedback und zahlreiche Fragen“, so Avanzato. Deshalb gibt es nun auch regelmäßig Möglichkeiten auf Instagram, in denen die Schüler*innen direkt Fragen stellen können. Direkten Zugang zu Covestro sollen auch die „Zukunftssäulen“ bieten. Das sind digitale Aufsteller in Schulen, die über Ausbildungsmöglichkeiten informieren und zur Kontaktaufnahme einladen.

Der Bewerbungsprozess läuft digital ab. Bewerbungen gehen über das Bewerberportal ein, danach folgen zwei Online-Tests. Verlaufen diese erfolgreich, findet ein persönliches Gespräch statt – zwar face-to-face, aber online. Das war für die Recruiter*innen zunächst ungewohnt, doch inzwischen haben sie die Erfahrung gemacht, dass sie auch per Video-Interview herausfinden, ob Kanditat*innen passen.
 

Verschenktes Potential
 

Um dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich zu begegnen, bemüht sich Covestro verstärkt um junge Frauen. Und dabei geht es nicht um Quote, sondern messbaren Unternehmenserfolg:  „Divers aufgestellte Gruppen arbeiten besser und effizienter zusammen, zu wenige Frauen im Unternehmen bedeuten also ganz einfach verschenktes Potential“, sagt Stephan Busbach, der für Covestro die Ausbildung in Deutschland leitet. Von den gut 155 Berufseinsteigenden sind in diesem Jahr 22 Prozent Frauen. Somit konnte der Frauenanteil in der Ausbildung im Vergleich zum Jahr 2019 um sechs Prozent gesteigert werden – bis 2022 auf 35 Prozent. Das stärkt die Vielfalt im Unternehmen. Das Unternehmen ermutigt junge Frauen mit Interesse an technischen Berufen ausdrücklich, sich zu bewerben – und sich dabei nicht von klassischen Rollenbildern beeinflussen zu lassen. Mit denen hat Busbach seit Jahrzehnten zu kämpfen: „Nach wie vor interessieren sich vor allem junge Männer für technische Berufe. Die Konkurrenz zu Berufen im sozialen Bereich ist groß. Diese werden immer noch vor allem von Frauen ergriffen.“

Eine feste Frauenquote soll es bei Covestro zwar nicht geben. Ausschlaggebend soll einzig das Potential der Bewerber sein. Aber Covestro möchte bei Frauen mehr Interesse wecken. Dafür setzt Covestro unter anderem auf aufwendig gedrehte Ausbildungsfilme, in denen Frauen aus ihrem Alltag bei Covestro erzählen. Zum Beispiel Merve Koc. Sie hat bei Covestro eine Ausbildung zur Chemikantin absolviert und arbeitet nun am Standort Dormagen. Sie ist zwar die einzige Frau in ihrem Team, doch das stört sie nicht: „Alle Kollegen gehen respektvoll und auf Augenhöhe miteinander um.“ Aber auch Koc wünscht sich mehr Frauen in der Produktion – von mehr Vielfalt könnten alle profitieren.

Seit diesem Jahr ist Covestro Teil des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT“, einer Netzwerkinitiative, die Mädchen und Frauen für MINT-Studiengänge und -Berufe begeistern soll. Dazu gehören auch klassische Instrumente wie ein Girl’s Day, mit dem Covestro Frauen für einen Berufseinstieg in der chemischen Industrie begeistern möchte. Erfolg verspricht man sich zudem von der Einrichtung spezieller Ausbildungskonzepte für Frauen mit Kindern, die den Müttern Zeit für Ausbildung und Erziehung lässt. Manchmal wirken aber auch die kleinen Dinge. So waren auf Werbemitteln wie zum Beispiel Ausbildungsprospekten oder aber auch auf der Karriereseite früher vor allem Männer abgebildet, dies wurde nun geändert. Und auf zukünftigen Bewerbermessen soll es mehr weibliche Ansprechpartnerinnen geben, welche sich bereits für eine Ausbildung bei Covestro entschieden haben.

Ausbildungsleiter Busbach blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Unsere Ziele sind sehr ambitioniert, aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie mit unseren digitalen Rekrutierungsprozessen und der verstärkten Ansprache von Frauen erreichen werden.“ Bei Janine hat das schon geklappt.


www.covestro.com